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TV-Serie: Aktiv und sicher mit dem Rad
Begeisterte Radtouristen haben die komplette Region im Blick

Nicht nur bei Radtagen wie Happy Mosel nehmen Zweiradfahrer die Region in den Blick.  
Nicht nur bei Radtagen wie Happy Mosel nehmen Zweiradfahrer die Region in den Blick.   FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Der Mosel-Radweg gehört zu den zehn beliebtesten Zielen in Deutschland. Aber auch Eifel und Hochwald/Hunsrück locken mit besonderen Angeboten immer mehr Gäste an. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Ein kalter Wind bläst an der Mosel, als sich die Gruppe der Jugendlichen an diesem Morgen mit ihren Fahrrädern vor der Jugendherberge Trier sammelt. „Zieht bitte alle eure Helme auf“, ruft Heiko Gierczyk den jungen Frauen und Männern aus Böhl-Iggelheim zu. Der Lärm der Baumaschinen, die für die Gestaltung des neuen Außengeländes der erweiterten Herberge im Einsatz sind, erlaubt keine leisen Anweisungen. „Wir sind am Samstag mit dem Zug angereist und haben von hier Tagesausflüge in die Region unternommen“, beantwortet der Betreuer mit lauter Stimme  die Frage des Reporters.

Schweich und Saarburg, Luxemburg und die Mariensäule hoch über der Stadt waren Ziele. „Das war ganz schön steil da hoch“, kommentiert einer der jungen Radler unter Zustimmung seiner Kumpel. Alle sind sich aber einig, dass sich die Mühe gelohnt hat und die Freizeit des Jugendzentrums des Städtchens  bei Neustadt/Weinstraße insgesamt doch ziemlich viel Spaß gemacht hat, obwohl das Wetter dafür nicht gerade ideal war.

Die Jugendherberge am Moselufer, die sich nach der Neueröffnung am 13. April  die größte in Rheinland-Pfalz und im Saarland nennen darf, ist eine von neun Hotels und Pensionen, die in Trier als Bed+Bike-Betriebe zertifiziert sind. Etwa 180 Betriebe entlang der gesamten Mosel hat der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) diese Auszeichnung verliehen. Bei ihnen sind Touristen auch für eine Nacht willkommen, für nasse Kleidung und Ausrüstung gibt es eine Trockenmöglichkeit, Fahrräder können sicher untergestellt werden. Und für kleinere Reparaturen wird zumindest das notwendigste Werkzeug zur Verfügung gestellt. „Wir sind bei Radfahrern sehr gefragt“, versichert Arthur Koenen, der seit Januar die Jugendherberge leitet. Für größere Gruppen sei es allerdings schwer, in diesem Jahr überhaupt noch einen Termin zu finden.„Trier ist als Ziel einfach sehr gefragt.“

Radwege in der Region Trier
Radwege in der Region Trier FOTO: TV-Grafik/Johannes Schramm / TV

19 Jugendliche aus Böhl-Iggelheim haben mit dem Rad die Region erkundet. Ausgangspunkt und zentrale Anlaufstelle war die Jugendherberge Trier.
19 Jugendliche aus Böhl-Iggelheim haben mit dem Rad die Region erkundet. Ausgangspunkt und zentrale Anlaufstelle war die Jugendherberge Trier. FOTO: Rainer Neubert

Gezählt werden die Radtouristen zwar nicht, die für einen oder mehrere Tage durch die Region rollen. Wie groß ihre Bedeutung für den Tourismus tatsächlich ist, zeigt sich allerdings an den umfassenden und gut gestalteten Online-Auftritten der Tourismus-Agenturen von Eifel und Mosel. Auch in Trier, das nicht unbedingt als Dorado des Alltagsradverkehrs gilt, haben es spezielle Angebote für Radfahrer längst in die Hochglanzbroschüren geschafft, mit denen überall in Deutschland geworben wird.

In der Eifel locken ehemalige Bahntrassen. Der Pleiner Tunnel ist eine Wegmarke auf dem Maare-Mosel-Radweg.
In der Eifel locken ehemalige Bahntrassen. Der Pleiner Tunnel ist eine Wegmarke auf dem Maare-Mosel-Radweg. FOTO: Klaus Kimmling

Trier „Wir sind als Basislager für viele Flusswanderwege ideal geeignet“, weiß Norbert Käthler, Geschäftsführer der Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM). „In Verbindung mit dem Angebot des Rad-ÖPNV bieten sich hier beste Möglichkeiten für Tagestouren.“ Als Beleg für die große Nachfrage verweist er auch auf die zur Fahrradgarage umgebaute ehemalige Fußgängerunterführung an der Porta Nigra. In der Radsaison, die um die Osterzeit beginnt, stellen dort täglich bis zu 125 Radtouristen ihre oft schwer mit Gepäck bepackten Drahtesel ab. „Das Fahrradparkangebot ist für eine Stadt wie Trier relevant“, sagt Käthler, der selbst schon während seines Studiums an der Trierer Uni viel mit dem Fahrrad unterwegs war. „Danach habe ich acht Jahre am Rhein gelebt. Der Mosel-Radweg hat im Vergleich dazu deutliche Vorteile.“

Naturtourismus nennt er als eine neue Zielgruppe. „Inzwischen sind Reisen mit Schiff und Rad möglich. Auch die Anbieter von Flusskreuzfahrten setzen stärker auf das Rad.“ Zudem sei das Radfahren ein Familienthema und besonders bei der Generation 50+ zunehmend im Trend. „Diese Radtouristen sind bereit, auch hochwertige Unterkünfte zu nutzen. Und sie schätzen ein gutes Restaurant.“

In Trier gibt es auch eine Stadtführung mit dem Rad, die allerdings zu den weniger erfolgreichen Angeboten der TTM zählt. Ob Trier eine Radfahrerstadt sei? „Da gibt es noch viel Potenzial“, lautet die diplomatische Antwort des Tourismusexperten. Auf dem Moselradweg zwischen Konz und Trier-Pfalzel gebe es suboptimale Bereiche. Und der Zugang zur City sei derzeit für Radfahrer noch schwierig. Aber es tue sich etwas. „Die Elektromobilität ist eine wichtige Größe, die für ein Umdenken sorgen wird“, ist Norbert Käthler überzeugt. „Irgendwann wird das Rad auch im Alltag von Trier das relevante Verkehrsmittel sein.“

Mosel Wie E-Bikes im touristischen Bereich an Bedeutung gewinnen, zeigt ein Blick auf den Mosel-Radweg. Auf der 240 Kilometer langen Strecke gibt es mittlerweile 43 Verleihstationen von Fahrrädern mit Elektromotor. Das sind 23 mehr als noch vor sechs Jahren. Die Zahl der öffentlichen Ladestationen für Pede­lecs hat sich seit 2013  sogar mehr als verdreifacht. 29 stehen davon inzwischen zur Verfügung. Sie liegen an dem Fernradweg, der es bei der bundesweiten ADFC-Travelbike-Radreiseanalyse bei der Nennung der beliebtesten Reiseziele für 2018 auf Rang fünf von 242 geschafft hat. Nur Elbe-, Donau-, Ostseeküsten- und Weser-Radweg wurden häufiger genannt.

Bei der Mosellandtouristik GmbH ist der Stolz auf solche Ergebnisse groß. „Die meisten Radfahrer, die den Mosel-Radweg befahren, machen Urlaub mit wechselndem Quartier“, weiß Pressesprecherin Christiane Heinen. „Aber auch sogenannte Sterntouren mit festem Quartier werden immer beliebter. Der Radtourismus hat sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Region entwickelt.“ Als Geheimtipps für einen Familienausflug als Tagestour nennt sie das erste Tandem-Treffen vom 8. bis 10. Juni in Zell und den 25. Raderlebnistag Saar-Pedal am 20. Mai.

Alleine auf die Fernwanderwege vertrauen will von den Tourismus­experten aber niemand. „Mountainbiker und Radrennfahrer haben andere Ansprüche an Strecke und Radangebot“, sagt Heinen. „Im Moselland gibt es deshalb mehrere ausgewiesene Mountainbikestrecken mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Trailstrecken, zum Beispiel in Mehring.

Eifel Mit dem Vulkantrailpark bei Gillenfeld (Kreis Vulkaneifel) hat die Eifel Tourismus GmbH bereits seit 2004 für die Freunde der Radartistik im Gelände eine Topadresse im Angebot. Doch darauf beschränkt sich das Radfahrerland Eifel schon lange nicht mehr. „Vor allem die Radwege auf alten Bahntrassen sind unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Wolfgang Reh, Produktmanager der Eifel Tourismus GmbH. „Unsere Radwege liegen im drei bis vier Sterne-Bereich und bieten viele Kombinationsmöglichkeiten.“ So werde zum Beispiel die Verbindung von Aachen nach Trier immer stärker angenommen. „Wir haben immer mehr Kunden im Mehrtagesbereich und zum Beispiel die Verbindung Venn-Eifel-Mosel neu im Angebot.“ Die 300 Kilometer lange Strecke sei in fünf Tagen gut machbar.

Auf der ITB in Berlin und auch auf der Radreisemesse in Bonn vor wenigen Wochen sei mehrfach auf das Radangebot in der Eifel angesprochen worden. „Das sehe ich auch als Indiz dafür, dass wir uns auf dem richtigen Wege befinden.“ Aushängeschild ist laut Reh aber trotz aller Neuerungen der Maare-Mosel-Radweg – wie seit 20 Jahren.  

Die 19 Jugendlichen, sind nach den sternförmigen Radausflügen von der Jugendherberge Trier wieder im Zug an die Weinstraße zurückgekehrt. Vielleicht werden sie ja in einem der kommenden Jahre zurückkehren, als Gruppe oder als Individualtouristen mit viel Lust aufs Radfahren.