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Sport treiben auch bei Herzschwäche

Sport treiben auch bei Herzschwäche

Wer jahrelang körperlich inaktiv war und wieder regelmäßig Sport treiben will, sollte sich zuvor ärztlich untersuchen lassen, rät der renommierte Saarbrücker Sportmediziner Professor Dr. Wilfried Kindermann.

"Bei über 40-Jährigen sind koronare Herzerkrankungen die häufigste Ursache, wenn sie bei körperlicher Belastung tot umfallen", sagt der Sportmediziner Wilfried Kindermann. Wer nach jahrelanger Pause wieder Sport treiben wolle, solle sich daher medizinisch durchchecken lassen. Zur Untersuchung gehören ein Ruhe- und ein Belastungs-EKG, um mögliche Schädigungen der Herzkranzgefäße aufzuspüren.
Verengungen dieser Gefäße werden durch Ablagerungen hervorgerufen, die sich in den Arterienwänden insbesondere bilden, wenn Risikofaktoren wie erhöhter Cholesterinspiegel ("schlechtes" LDL-Cholesterin), Bluthochdruck, Rauchen, Zuckerkrankheit und Bewegungsmangel vorliegen. "Mit zunehmender Größe behindern solche Ablagerungen, Plaques genannt, den Blutfluss und somit den Sauerstofftransport zum Herzmuskel", erläutert Kindermann. Verengungen der Herzkranzgefäße können schon bei alltäglichen körperlichen Anstrengungen wie schnellem Gehen, Treppensteigen oder dem Tragen von Einkaufstaschen zu einem Engegefühl in der Brust führen. "Das ist eine Angina pectoris, eine Brustenge", sagt der Mediziner. Treten beim Sport Beklemmungsgefühle oder brennende Schmerzen auf, oft ähnlich wie Sodbrennen, insbesondere hinter dem Brustbein lokalisiert, könnte es sich um eine koronare Herzerkrankung handeln. Die Schmerzen können auch in verschiedene Körperregionen ausstrahlen oder sogar dort beginnen: Arme, Hals, Unterkiefer, Rücken, Oberbauch. "Die Herzkranzgefäße können aber auch angegriffen sein, wenn keine Beschwerden auftreten und kein Schmerz spürbar ist", betont Wilfried Kindermann.
Plaques sind mit zunehmendem Alter häufiger zu finden. Wenn die Ablagerungen die Gefäße mindestens zur Hälfte verschließen, also die Herzkranzgefäße kritisch einengen, könne durch Gefäßstützen, Stents genannt, oder auch operativ mittels Bypässen die normale Durchblutung wiederhergestellt werden. Aber auch ohne diese Eingriffe könne durch dosiertes Training und entsprechende medikamentöse Behandlung Beschwerdefreiheit erreicht werden.
Einengungen der Koronargefäße bilden sich durch Training kaum zurück, das Fortschreiten der arteriosklerotischen Veränderungen wird jedoch gehemmt. "Für Umfang und Intensität der weiteren sportlichen Betätigung ist entscheidend, ob der Herzmuskel noch ausreichend pumpt. Ist das der Fall und bestehen keine gefährlichen Herzrhythmusstörungen, ist die Belastbarkeit kaum eingeschränkt", betont Wilfried Kindermann. "Es gibt zwar Einzelfälle von Patienten, die nach überstandenem Herzinfarkt sogar Marathonläufe bestritten haben. Aber man sollte das Schicksal nicht herausfordern und solche Extrembelastungen denen überlassen, die besser dafür geeignet sind." ml