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Warum scheinbar harmlose Verstauchungen die Gelenke schädigen können

Warum scheinbar harmlose Verstauchungen die Gelenke schädigen können

In Deutschland leiden über fünf Millionen Menschen an Kniegelenk-Arthrose. Bei etwa 300 000 Patienten diagnostizieren die Ärzte pro Jahr einen Meniskusriss. Gezieltes Training kann solchen Beschwerden vorbeugen. Ein beschädigter Meniskus kann möglicherweise durch ein Implantat ersetzt werden.

Homburg. (ml) Der allmähliche Abrieb und Verschleiß der Gelenke wird Arthrose genannt und ist ein natürlicher Alterungsprozess. Er kann problemlos verlaufen, wird jedoch durch Bewegungsmangel gefördert, weil dadurch die Gelenke einrosten und nicht mehr belastbar sind. Zudem können Überlastung, Unfälle und und Sportverletzungen den Gelenkknorpel und die Menisken beschädigen oder zerstören.

Die beiden halbmondförmigen Menisken im Knie - der Innenmeniskus und der Außenmeniskus - dienen als Pufferscheiben zwischen den beiden Gelenkflächen von Oberschenkel- und Unterschenkelknochen. Sie bestehen aus Faserknorpel.

Bis Mitte der 80er Jahre wurde ein beschädigter Meniskus in der Regel bei geöffnetem Knie total entfernt. "Seit Einführung der Arthroskopie ist es möglich, durch einen Hautschnitt, der nur einen Zentimeter groß ist, eine Optik ins Gelenk einzuführen, um es zu inspizieren. Gegebenenfalls wird durch einen weiteren kleinen Zugang mit speziellen Instrumenten der beschädigte Meniskus wieder angenäht oder der eingerissene Teil entfernt", erklärt der Orthopäde Professor Dr. Eduard Schmitt von der Universitätsklinik Homburg.

Ein seltenerer Fall ist ein sogenannter Korbhenkelriss. Der Meniskus reißt in Längsrichtung. "Der abgerissene Teil kann ins Gelenk einklemmt werden, was akute Schmerzen und eine Blockierung verursacht", sagt Schmitt. Der Innenmeniskus wird viel häufiger beschädigt als der Außenmeniskus. Muss ein Meniskus total entfernt werden, was heutzutage selten ist, tritt nach zehn bis 15 Jahren eine Arthrose auf. Auch Schädigungen der Bänder können den Gelenkverschleiß beschleunigen. "Doch in der Regel kann ein gerissenes vorderes Kreuzband im Knie durch eine körpereigene Sehne ersetzt werden, wodurch das Gelenk wieder stabil wird", erläutert der Orthopäde. Es sind jedoch nicht immer schwere Verletzungen, die dauerhafte Schäden verursachen können. Auch wiederholte kleinere, scheinbar harmlose Verletzungen wie zum Beispiel Verstauchungen und Verdrehungen stellen ein Risiko dar. Sie klingen zwar meist schnell wieder ab. "Doch in der Summe können sie Knorpel und Bänder und somit auch die Gelenke irreparabel schädigen", sagt Eduard Schmitt. Daher sollte man auch kleinere Verletzungen komplett ausheilen lassen, ehe man wieder mit dem Sport beginnt.

Vor allem jungen Patienten, die durch einen Unfall einen Meniskus verlieren, kann mit dem Einbau eines künstlichen Meniskus geholfen werden. Sowohl der Innen- als auch der Außenmeniskus können ersetzt werden. Ein künstlicher Meniskus besteht aus einer Art weichem Schaumgummi. Das Implantat wird anstelle des entnommenen Meniskusgewebes an den verbliebenen Teil des Meniskus angenäht. Es dient als Gerüst für körpereigene, undifferenzierte Stammzellen, die sich zu Knorpelzellen wandeln und neues Meniskus-Gewebe bilden. Das Knie darf mindestens drei Monate lang nicht voll belastet werden.

"Ein wirksames Mittel, Sportverletzungen vorzubeugen, ist ein regelmäßiges Aufbau- und Ausgleichstraining, das Kraft-, Dehnungs- und Koordinationsübungen umfasst", betont Eduard Schmitt. Das Koordinationstraining, zu dem auch Gleichgewichtsübungen zählen, soll das Zusammenspiel von Gehirn, Nerven und Muskeln optimieren, so dass die Muskulatur schneller reagiert und das Gelenk vor dem drohenden Umknicken noch rechtzeitig stabilisiert.