1. Sport
  2. Laufen

Für Läufer Jakob Gieße ist der Lieserpfad ein Motivationsfaktor

Läufer Jakob Gieße : Motivationsfaktor Lieserpfad

Mittelstreckler Jakob Gieße ist in der Form seines Lebens. Der 25-Jährige von der LG Vulkaneifel wurde Deutscher Hochschul-Vizemeister und zweimal Rheinland-Pfalz-Meister in der Halle - und hatte Pläne.

Dieses Jahr würde alles für Jakob Gieße passen. Der Mittelstreckenläufer aus Üdersdorf (Vulkaneifelkreis Daun) ist endlich einmal richtig gut durch den Winter gekommen. „Ursprünglich wollte ich einfach gesund bleiben und sehen, was geht“, erzählt er, dass er im November nach der obligatorischen Pause mit ganz geringen Erwartungen wieder ins Training gestartet war.

Aber dann lief es mehr als nur gut. Bei den Rheinland-Pfalz-Hallenmeisterschaften gewann Gieße nicht nur den anvisierten Titel über 800 Meter, sondern auch den über 3000 Meter. Höhepunkt für den Maschinenbau-Studenten waren die Deutschen Hochschul-Hallenmeisterschaften. In 1:54,83 Minuten, nur eine halbe Sekunde langsamer als seine Freiluft-Bestzeit, wurde Gieße 800-Meter-Vizemeister. Er lief sogar bei den rheinland-pfälzischen Crosslaufmeisterschaften auf ungeliebt langen 3,6 Kilometern hinter seinem Teamkameraden Samuel Fitwi von der LG Vulkaneifel (LGV) auf den zweiten Platz.

Jakob Gieße wollte durchstarten. Dann kam das Corona-Virus. „Ich bin bei der Auswahl meiner Masterarbeit und gucke, dass ich ein Thema bekomme, das man auch gut von zu Hause aus machen kann. Mit Vorlesungen bin ich durch“, sagt der 25-Jährige, der in Köln studiert, aber wieder in heimischen Üdersdorf wohnt, seit er keine Präsenzveranstaltungen mehr an der Uni hat. Geplant war zusammen mit Fitwi und dem gemeinsamen Trainer Yannik Duppich ein Höhentrainingslager in den USA ab Mitte April. „Ich gehe zu 99 Prozent davon aus, dass wir nicht nach Flagstaff fliegen können. Das ist super-schade. Bei mir hätte es jetzt gut reingepasst, weil ich vom Studium her flexibel bin. Nächstes Jahr wird es vielleicht schwer“, erklärt Gieße.

Skeptisch sieht er auch die Möglichkeiten, sein großes Saisonziel, die erstmalige Qualifikation für die Deutschen Freiluftmeisterschaften, zu erreichen. Die Norm: 1:51 Minuten auf 800 Meter. „Dieses Jahr hätte ich es für möglich gehalten, meine Bestzeit von 1:54,20 Minuten um einige Sekunden zu verbessern“, sagt Gieße. Nur, ob die zur Qualifikation notwendigen Wettkämpfe im Mai überhaupt stattfinden, steht in den Sternen.

Das ist traurig für den zurzeit besten 800-Meter-Läufer im Leichtathletik-Verband Rheinland, für den 2020 die vielleicht große Chance ist, den Sport in den Vordergrund zu rücken, bevor es ins Berufsleben geht. Runterziehen und demotivieren lässt sich Jakob Gieße aber nicht. „Ich glaube, bei allen, die den Sport so intensiv betreiben, kommt die Motivation aus einem selbst heraus“, erklärt er. Der Bassist der Eifel-Band Red Light District liebt es durch das heimische Mittelgebirge zu rennen. „Wenn es regnet, ist es halt ein bisschen blöd, weil überall Wald und Matsch“, gibt Gieße zu. Aber es gebe so viele Strecken, auf denen man nicht nur der Fitness wegen trainiert, sondern das Laufen einfach genießt. „Ich laufe gerne auf dem Lieserpfad entlang von Üdersdorf Richtung Manderscheid“, schwärmt er. „Man kann da zwar nicht so schnell laufen, weil es auch über einige Trails geht, aber es ist landschaftlich einfach toll.“

Im Hinterkopf hat Gieße auch immer die Entwicklung seines Trainingspartners Samuel Fitwi. „Sein Weiterkommen ist wichtiger in meinen Augen. Aber ich glaube, wir profitieren beide vom gemeinsamen Training“, sagt er. Fitwi, 2018 U-23-EM-Zweiter im Crosslauf ziehe gerade längere Intervallläufe noch einmal in einer anderen Qualität durch als er, aber Trainer Duppich bekomme es hin, dass man viele Übungsinhalte gemeinsam absolvieren könne.

Während Duppich in den USA studierte, begleitete Jakob Gieße im Januar und Februar Samuel Fitwi zu den Zehn-Kilometer- und Halbmarathon-Rennen nach Spanien, wo der gebürtige Eritreer Rheinland-Pfalz-Rekorde aufstellte. „Man sitzt mit Topathleten aus aller Welt beim Frühstück und bekommt eine ganz andere Perspektive auf den Sport vermittelt“, sagt Gieße. „Das motiviert auch unheimlich.“