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Gesa Krause ist in den USA in den Grundlagen-Modus gewechselt

Gesa Krause : In den USA in den Grundlagen-Modus gewechselt

Olympische Spiele in Tokio sind ungewiss, das erste geplante Rennen schon abgesagt, trotz der Corona-Krise trainiert Hindernislauf-Ass Gesa Krause vom Verein Silvesterlauf aber weiter.

Kurz bevor US-Präsident Trump am vergangene Woche die Grenzen für Europäer dicht machte, kam Gesa Felicitas Krause in den USA an. Wie geplant bestreitet die WM-Bronzemedaillengewinnerin über 3000 Meter Hindernis im Läufer-Mekka Boulder den nächsten Teil ihren Olympiavorbereitung. Nach Plan läuft aber auch bei der Vorzeigeathletin des Vereins Silvesterlauf Trier in der Corona-Krise nicht alles.

Das fing schon bei der Anreise aus Kenia an. In Iten hatte Krause mit einer Gruppe weiterer deutscher Läufer wie der Trierer Silvesterlauf-Gewinnerin Katharina Steinruck 16 Tage lang trainiert. Drei Tage Anreise nach Boulder hatte sie per se einplant. Aber inklusive eines Stopps in New York und der Gelegenheit zu einer Stadtbesichtigung. Statt dessen saß Krause einen Tag in Nairobi fest. Sie musste einen anderen Flug nach New York nehmen, fragte sich, immer viele Kilogramm Gepäck mitschleppend, durch. Zwischendurch gingen noch ihre Kreditkarten verloren - und wurden wiedergefunden. Sightseeing in New York fiel wegen des späteren Flugs flach.

Was sich für die meisten wie ein Horrortrip anhören mag, ist für Krause im Nachhinein keine Rede mehr wert. „Ich habe das eigentlich schon vergessen“, erzählte sie am Dienstagabend telefonisch aus Boulder. In der über 1600 Meter hoch gelegenen Universitätsstadt in Colorado, etwa so groß wie Trier, bestreitet Krause ihr nächstes Trainingslager der sogenannten Höhenkette. Das, die Gegenwart, die Zukunft, nicht die Vergangenheit zählt. Wegen der Corona-Krise läuft das Training aber auch bei Krause nicht ganz so, wie ursprünglich geplant ab.

Der Einstieg in die Freiluftsaison, ein Zehn-Kilometer-Rennen in New York Ende April, ist bereits abgesagt. Der erste Start auf der Bahn, ebenfalls in den USA anvisiert, ist unsicher. Angesichts der Lage nach Deutschland zurückkehren? Auf keinen Fall! „Ich werde das Trainingslager hier so verlängern, dass ich hier meine weitere Olympia-Vorbereitung bestreite“, sagt Krause. „Den April bleibe ich auf jeden Fall.“

Krause und Trainer Wolfgang Heinig, der von Kenia nach Deutschland zurückgekehrt ist, haben allerdings bei den Trainingsinhalten auf die Corona-Krise reagiert. „Dadurch, dass man nicht abschätzen kann, wann der Saisoneinstieg sein wird, sind wir wieder voll in die Grundlagen gegangen“, erklärt die zweimalige Hindernislauf-Europameisterin. Also erst einmal weniger hochintensive Läufe, sondern weiterhin viele Kilometer schrubben in mehr als 1600 Meter Höhe. „Das Training läuft gut“, sagt Krause und natürlich: „Man muss das beste aus der Situation machen.“

In Boulder, oft auch „Runners City“ genannt, wo schon die ehemalige Halbmarathon-Weltrekordlerin Uta Pippig und andere Größen der Laufbahn trainierten, habe sie ideale Bedingungen. Gegenüber Deutschland, wo auch Olympiakandidaten momentan angesichts geschlossener Sportstätten improvisieren müssen, herrscht noch Normalität. „In Stadien zu kommen ist kein Problem. Nur Fitnessstudios ist sehr limitiert“, erzählt Krause. Einsam werde es ihr auch nicht. „Ich kenne hier viele Leute. Dementsprechend hat man Anschluss“, sagt sie. Im laufverrückten Boulder fehlt es auch nie an Trainingspartnern.

Motivationsprobleme, wie sie angesichts abgesagter Wettkämpfe beispielsweise der WM-Vierte im Gehen Christopher Linke (SC Potsdam) kürzlich beschrieb, hat Krause nicht. „Der Sport ist mein Leben. Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich woanders die nächste“, gibt sie sich optimistisch. Das gilt sogar für die Olympischen Spiele. „Es ist ja nicht so, dass ein Event bei mir alles im Jahr beherrscht.“

Obwohl die Austragung der Olympischen Spiele unsicher ist, trainiert Hindernislauf-Europameisterin Gesa Krause vom Verein Silvesterlauf Trier (hier bei ihrem fünften DM-Titel 2019 im Berliner Olympiastadion) in den USA weiter. Foto: Holger Teusch

Hinsichtlich des Jahreshöhepunkts in Tokio hat die beste deutsche Bahnläuferin der letzten Dekade die Hoffnung auf eine Austragung noch nicht aufgegeben. „Ich glaube nicht, dass es an den Wettkämpfen an sich scheitert“, sagt Krause. Aber Rennen in einem leeren Stadion, das wäre alles andere als die erhoffte olympische Atmosphäre.