Gitarre spielender Hochspringer Theo Nieder aus Herforst in der Eifel

Leichtathletik : Gitarre und Hochsprung

21 Mal war Hans-Theo Nieder bereits deutscher Seniorenmeister. Bei der Leichtathletik-Altersklassen-DM von Freitag (12. Juli) bis Sonntag (14. Juli) kann sich der Gitarre spielende und singende Hochspringer selbst ein Geschenk zum 70. Geburtstag machen.

Am Freitagmorgen (12. Juli) um 10 Uhr richten sich alle Augen bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften der Senioren (12. bis 14. Juli) am Hochsprung-Anlauf auf Hans-Theo Nieder. Bei den Altersklassen-Rheinlandmeisterschaften in Bitburg hat er Anfang Juni den deutschen Rekord in der Altersklasse M 70 (Geburtsjahrgänge 1945-49) mit 1,56 Metern eingestellt. „Damit bin ich bei der DM natürlich Favorit“, weiß Nieder.

Dass ihn der Druck nicht lähmt, hat mit dem Sport, aber auch mit seiner zweiten großen Leidenschaft, der Musik, zu tun. Zusammen mit Frau Rosi, aber auch solo tritt der Hochspringer Gitarre spielend und singend mit Eigenkompositionen auf. Das ist genauso wie ein Wettkampf eine Art Prüfung. „Das macht mir keine Drucksituation mehr, weil ich gelernt habe, damit umzugehen“, sagt der Leichtathletik-Abteilungsleiter beim SE Orenhofen (einem Mitgliedsverein der LG Bitburg-Prüm) und betont im gleichen Atemzug, dass das nichts mit einer laxen Einstellung zu habe: „Ich bin zielgerichtet, aber nicht verkrampft!“

Konsequent ist Nieder im Sport wie bei seinen Auftritten mit Gitarre. Einmal bemerkte er, dass sein Publikum ihm nicht zuhörte, sondern sich munter weiter unterhielt. „Beim zweiten Lied habe ich nach fünf Takten aufgehört und bin gegangen. Ich mach doch nicht das Tonband für die Hintergrundmusik.“

Im Sport bedeutet diese Konsequenz, dass Nieder auf seinen Körper achtet. Eigentlich hatte er bereits vor acht Jahren beschlossen nicht mehr international zu starten: Knorpelschaden im Knie. Kein Lauftraining mehr möglich, nur noch wenige Sprünge. Als es vier Jahre später doch noch einmal bei einer Senioren-Halleneuropameisterschaft antrat und gewann, merkte er, dass er auch mit seinem Minimaltraining konkurrenzfähig ist. Zwei Technikeinheiten auf dem bemitleidenswert aussehenden Sportplatz von Speicher mit zusammengeflickter Anlaufbahn und auf einer ähnlich gestopfte Hochsprungmatte landend, müssen als spezielle Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften reichen.

Ebenso dürfen es im Wettkampf nicht allzu viele Sprünge werden. Nur keine zu große Belastung für das Knie! „Ich springe mich nicht mehr ein“, erzählt Nieder, dass er ohne Probesprung direkt aufs Ganze geht. Das Dehnen der Muskeln, ein paar Steigerungen, einige Übungen aus dem Lauf-ABC müssen reichen. „Ohne Regen und Gegenwind steige ich bei 1,44 Meter ein“, kündigt er für die Senioren-DM an. Da wird der Großteil seiner Konkurrenten bereits die Segel gestrichen haben (Qualifikationshöhe: 1,15 Meter, DM-Einstiegshöhe: 1,10 Meter). Sein Anlauf aus zehn Schritten ist gefestigt und konstant, Nieder aber gleichzeitig flexibel. Selbst als er bei einer internationalen Seniorenmeisterschaft in Schweden einmal in einer ehemaligen Traktoren-Fabrikhalle antrat und eine Betonsäule genau in seiner Laufbahn stand, kam er klar.

Leichtathletik und Musik sind zwei Steckenpferde des 21-maligen deutschen Hochsprung-Seniorenmeisters Theo Nieder aus Herforst. Foto: Holger Teusch

Am zweiten Juli-Wochenende wird Nieder mit großer Wahrscheinlichkeit mit seiner 40. Senioren-DM-Medaille und womöglich seinem 22. deutschen Meistertitel aus dem thüringischen Leinefeld-Worbis ins heimische Herforst zurückkehren und unabhängig vom Ergebnis feiern. Denn am Freitag (12. Juli) wird der pensionierte Lehrer 70 Jahre alt. Mit DM-Gold kann er sich selbst ein Geschenk machen.

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