Hawaii-Ticket in der Tasche, Baumhaus im Bau

Hawaii-Ticket in der Tasche, Baumhaus im Bau

Im Schnitt fast drei Stunden täglich hat Rudolf Diederichs in den vergangenen Monaten trainiert, um sich zum zweiten Mal den Traum vom Ironman-Triathlon auf Hawaii zu erfüllen.

Zu Hammer und Säge, Brettern und Nägeln greift Rudolf Diederichs momentan. "Ich baue ein Baumhaus", erzählt der 47-Jährige. Nach der Qualifikation zur Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii und Monaten, in denen beinahe täglich stundenlanges Training im Mittelpunkt standen, legt Diederichs nun den Fokus auf die Familie. Im ersten Halbjahr habe er mehr als 500 Stunden trainiert, da habe Frau Rita und die beiden Kinder ganz schön zurückstecken müssen, weiß Rudolf Diederichs.

Zum zweiten Mal erfüllte sich der gelernte Heizungsbauer aus Buchet am Schwarzen Mann beim Ironman Germany in Frankfurt den Traum von der WM-Teilnahme. Vor 15 Jahren schaute er zusammen mit anderen Sportlern der SG Triathlon Prüm beim damals im fränkischen Roth ausgetragenen Ironman Europe zu. "Nächstes Jahr stehe ich auch da unten im Ziel", habe er gesagt. Und seine Vereinskameraden lachten: "Wir kommen mit und gucken, wie du stirbst."

Gestorben ist Diederichs bei seinem Ironman-Debüt 1999 nicht. Bis er sich den Traum von der WM-Qualifikation erfüllte, dauerte es aber zehn Jahre. 9:44:21 Stunden benötigte er 2009 für die 3,8 Kilometer Schwimmen im Langener Waldsee, 180 Kilometer Rad fahren und den abschließenden Marathonlauf am Frankfurter Mainufer entlang. Dann galt es etwas zu zittern: Vor vier Jahren war er darauf angewiesen, dass einige in seiner Altersklasse vor ihm Platzierten auf ihr Hawaii-Ticket verzichteten.

Für Diederichs ein Manko, das er nicht auf sich sitzen lassen wollte. "Als Nachrücker nach Hawaii zu fahren, war immer ein bisschen ein schwacher Punkt", sagt er. Diesmal gab es kein Zittern. In 9:41:13 Stunden belegte Diederichs den 17. Platz bei den 45- bis 49-Jährigen (M45) und damit einen der 19 Hawaii-Startplätze, die Frankfurt in dieser Altersklasse vergeben wurden, sicher.

Das Erfolgsrezept: Ruhe bewahren. Nach 1:07:55 Stunden für den Schwimmpart, begann der Vater zweier Kinder auch auf dem Rad vorsichtig. "Es war ja Wind ohne Ende. Ich habe die anderen einfach fahren lassen und mir gedacht: Euch hole ich mir noch beim Laufen", erzählt Diederichs.

Genauso kam es. Die Radzeit von 5:08:56 Stunden (ein Schnitt von 35 km/h) war trotz Diederichs Zurückhaltung gut, aber nicht überragend. Doch beim abschließenden 42,195-Kilometer-Lauf wuchs der Ausdauersportler aus der Schneifel über sich hinaus: 3:18:05 Stunden, nur sieben der mehr als 500 Teilnehmer in der M45 waren schneller.

Und was für Ziele hat er auf Hawaii? "Erstens ankommen, zweitens als Daylight-Finisher im Hellen in Ziel kommen und drittens die magische 10:30-Stunden-Schallmauer unterbieten", sagt Diederichs. Seine Familie und Freunde werden mitkommen. Etwa 10 000 Euro werde der WM-Start ihn kosten, schätzt er. Aber das ist dem Ironman aus der Eifel sein Traum wert.