Historische Gartenparty rund ums Laufen in Laufschule in Ellscheid

Ellscheid : Historische Gartenparty rund ums Laufen

Ellscheider Laufschule Schritt für Schritt feierte 20-jähriges Bestehen mit Vorträgen und Diskussionen.

(teu) Eines vorweg: Gelaufen wurde ausnahmsweise nicht - zumindest nicht aktiv. Trotzdem drehte sich bei der 20-Jahr-Feier der Laufschule Schritt für Schritt in Ellscheid alles um den Fitnesssport Nummer eins. Lauftherapeutin und Laufschul-Gründerin Inge Umbach hatte Wegbegleiter aus zwei Jahrzehnten und Referenten, mehr als 200 Gäste, eingeladen. Und zwar an einem historischen Tag, erinnerte der Trierer Silvesterlauf-Mitbegründer Berthold Mertes, der die Jubiläumsfeier moderierte. Nur wenige Stunden vor der Feier in der sogenannten Laufoase war der Kenianer Eliud Kipchoge in Wien als erster Mensch einen Marathon (42,195 Kilometer) unter zwei Stunden gelaufen (1:59:40,2 Stunden).

Ein Thema, dass auch Hobbyläufer, Gesundheitssportler und Herbert Steffny beschäftigte. „Ich nehme das nicht ganz so ernst“, sagte der gebürtige Trierer, Marathon-EM-Dritte von 1986 und Trainer von Ex-Außenminister Joschka Fischer. Kipchoges Zeit wird wegen ein- und aussteigender Tempomacher nicht als Weltrekord anerkannt. Deshalb interessiert sich Steffny mehr, wann die Zwei-Stunden-Schallmauer im Marathon unter regulären Bedingungen fällt.

Lauftrainer Franz-Josef Ott (links) und Barfußlauf-Coach Emanuel Bohlander (Mitte) waren bei Inge Umbach in Ellscheid zu Gast, das 20-jährige Bestehen ihrer Laufschule Schritt für Schritt zu feiern. Foto: Holger Teusch

Dass das dann wieder ein Ostafrikaner sein wird, scheint ausgemachte Sache. Doch Kenia-Kenner Steffny, der 1988 als einer der ersten europäischen Läufers im Hochland trainierte, räumt auf mit der Mär von den überlegenen Genen. „Wenn bei uns alle Marathon müssten, hätten wir auch ganz viele Lauftalente“, glaubt der 66-Jährige. Die „soziale Motivation“ sei der entscheidende Faktor, weshalb leistungsmäßiges Laufen in Ostafrika so populär ist. Der Sport ist für viele der einzige Weg zu einem besseren Leben. „Wenn in Kenia ein dickes Auto über die Straßen fährt, sagen die Leute, das ist entweder ein Politiker oder ein Läufer“, erzählt Steffny.

Auf breiter Basis rennen die kenianischen Talente nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Hobbyläufer sollten sich das Training der Kenianer anschauen, sagt Steffny. Nicht, weil die so unglaublich schnell sind, sondern, weil sie mitunter so unglaublich langsam traben! „Viele bei uns sagen, ich kann nicht meiner Frau laufen. Die läuft nicht mein Tempo“, nennt Steffny ein Beispiel. Der Mann will rennen! Aber selbst Rekordmann Kipchoge jogge zuweilen mit bis zu sechs Minuten pro Kilometer durch die Gegend, sagt Steffny. Ein Tempo, das manchem ambitionierte Feierabendläufer unmöglich langsam erscheinen mag.

Insgesamt steht die Jagd nach Zeiten heute weniger im Vordergrund, als zu Steffnys Glanzzeit Ende der 80iger Jahre, wurde bei der Podiumsdiskussion auf dem Rasen der Laufoase festgestellt. Von Hindernisläufen über Colorrun bis hin zum traditionellen Marathon gibt es viel mehr Möglichkeiten, sagte Wolfgang Schüler. Der Pädagoge, der wie Umbach Lauftherapie bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen anwendet, glaubt, dass das breitgefächerte Angebot noch viel stärker angenommen werden könnte. Die Teilnahme an Veranstaltungen stärke in Heimen aufwachsende Heranwachsende in ihrem Selbstwertgefühl, hat Andreas Reinhard, der Leiter des evangelische Jugendhofs Wolf, festgestellt: „Über Laufen wird das Gefühl vermittelt: Du gehörst dazu!“

Inge Umbach feierte mit einer großen Informationsveranstaltung rund um Laufen, Bewegung und Gesundheit das 20-jährige Bestehen ihrer Laufschule Schritt für Schritt in Ellscheid. Foto: Holger Teusch

Ob man nun mit Schuhen oder gar ohne läuft, wie es Barfußlauf-Coach Emanuel Bohlander beim Laufschul-Jubiläum vorstellte, ganz gefahrlos ist auch dieser Sport nicht. Aber nicht die üblichen Verletzungen und Überlastungserscheinungen machen Dr. Petra Sommer Sorgen. Läufer sollten wie alle anderen, die sich viel in der Natur bewegen, auf Zecken achten. „Auf der Liste der gefährlichsten Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation steht seit fünf Jahren, dass Zecken die gefährlichsten Tiere Deutschlands sind“, erzählt die Ärztin aus Bad Sobernheim. Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose sind die bekanntesten Infektionen, die die Spinnentierchen übertragen. Mehr als 100 000 Infektionen gebe es jährlich in Deutschland. Die Dunkelziffer sei hoch.

Nach dem Laufen den Körper nach Zecken absuchen, aber nicht auf die Bewegung verzichten, so Sommers Rat, mit dem sie auf einer Linie mit Inge Umbach ist. Die nimmermüde 66-Jährige hielt sich beim Jubiläum ihrer Laufschule - wie immer - im Hintergrund. „Es ist gut, dass es so jemanden wie Inge in der Region gibt“, brachte es der Dauner Arzt Alois Pitzen auf den Punkt.

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