„Ich wollte es unbedingt!“ – Das sagt Gesa Krause zu ihrer WM-Bronzemedaille

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Gesa Felicitas Krause vom Verein Silvesterlauf Trier gewinnt bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar mit Bronze über 3000 Meter Hindernis die erste Medaille für Deutschland. Das Heimrennen an Silvester wird schon unter dem Einfluss der Olympischen Spiele in Tokio stehen.

Gesa Krause, die weiße Kenianerin? Nein, ganz so direkt mit Dieter Baumann will die Läuferin des Vereins Silvesterlauf Trier nach ihrem Bronze-Coup über 3000 Meter Hindernis doch nicht mit dem 5000-Meter-Olympiasieger von 1992 verglichen werden. „Es gibt ja eigentlich zwei weiße Kenianerinnen“, sagt sie lachend. Die andere, das ist Vizeweltmeisterin Emma Coburn aus den USA.

Doch die Cleverness, mit der Krause am Montagabend der Hauptstadt Katars die erste WM-Medaille für den Deutschen Leichtathletik-Verband gewinnt, erinnert an den Auftritt des „Schwabenpfeils“ in Barcelona. Mit dem Startschuss im  Khalifa-Stadion bolzt Beatrice Chepkoech, die mit 8:44,32 Minuten einen unglaublichen Weltrekord hält, Tempo. Die erste Runde läuft die Kenianerin in 64 Sekunden und schon da 20 Meter vor der ganz und gar nicht langsamen Konkurrenz und Krause her. „Sie ist unter drei Minuten angegangen. Das haben wir noch nie gemacht. Ich hoffe, sie hat sich nicht übernommen“, sagt Trainer Heinig nach dem ersten Kilometer auf der Tribüne ins ZDF-Mikrofon.

Das WM-Finale ist kein Spaziergang für seinen Schützling. „Ich habe versucht den Anschluss zu halten“, erzählt Krause von der Mühe an der siebenköpfigen Verfolgergruppe dranzubleiben. Ab und zu hängt sie ein paar Schritte zurück. Das gibt freie Sicht auf die Hindernisse, an denen sie dank ihrer guten Technik immer wieder aufholt. Aber den Kontakt ganz verlieren, das darf Krause nicht – und tut sie nie. 600 Meter vor dem Ziel ist die 27-Jährige zuversichtlich, dass sie eine Medaille gewinnen kann. „Eineinhalb Runden vor Schluss habe ich mich gut gefühlt und da kamen auch Mut und Kraft zurück“, erzählt Krause. Eine Konkurrentin nach der anderen sammelt sie ein. Am letzten Wassergraben springt die aus Dillenburg in Hessen stammende Läuferin weiter als Winfried Mutile Yavi aus Bahrain (9:05,68) neben ihr und liegt auf dem Bronzeplatz, den sie nicht mehr hergibt. Nur Chepkoech (8:57,84) und Titelverteidigerin Emma Coburn aus den USA (9:02,35) sind schneller.

„Ich glaube, es war am Ende eine Willensleistung“, sagt Krause. „Ich wollte es unbedingt!“ Ihr mit Trainer Wolfgang Heinig ausgearbeiteter Plan ist – wieder einmal – aufgegangen. Exakt einen Monat vor den Weltmeisterschaften hatte Krause erst ihren nun getilgten deutschen Rekord (9:07,51) und dann auf der selten gelaufenen 2000-Meter-Hindernis-Strecke in 5:52,80 Minuten einen Weltrekord aufgestellt. Wie Vor- und Endlauf in Doha im Abstand von drei Tagen. „Ich danke meinem Trainer, der es immer wieder schafft, mich in Topform zu bringen“, vergisst Krause nie den Vater des Erfolgs.

Aufgekratzt ist sie, aber die große Feier gibt es (noch) nicht, als Krause um zwei Uhr morgens endlich ins Hotel kommt. „Wir haben noch mit Wolfgang (Heinig, Anmerkung der Redaktion) und dem DLV-Trainerteam angestoßen. Aber groß feiern kann man in Doha nicht“, erzählt sie. Nach nur drei Stunden Schlaf fällt am Dienstagmorgen außerdem wieder ein Startschuss, der zum Medienmarathon. Bis Samstag bleibt Krause noch in Doha, will endlich auch etwas von der Stadt sehen. Bisher hat sie das Hotel nicht verlassen, um sich nicht der Hitze auszusetzen. Nach neun Tagen Urlaub mit ihrem Freund in Griechenland, beginnt mit Höhentrainingslagern in den USA und Kenia die Olympiavorbereitung. „Der Plan bis Tokio steht schon seit einem Jahr“, verrät sie. Und danach? „Ich mache weiter, keine Frage“, sagt Krause. Aber nach Olympia sei die Zeit für neue Pläne.

Der für den Jahresabschluss steht aber  natürlich längst mit dem Start beim 30. Silvesterlauf ihres Clubs durch Trier. „Das ist fix“, freut sich der Vereinsvorsitzende Christian Brand. Gut möglich, dass Krause im Dezember den (männlichen) weißen Kenianer trifft. Dieter Baumann tritt nämlich zwei Tage vor dem Jubiläumslauf mit seiner Comedyshow auf dem Laufband auf.

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