1. Sport
  2. Laufen

Ironman Karriereende: Die letzten 2 km mit Tränen in den Augen

Triathlon : Die letzten beiden Kilometer mit Tränen in den Augen

30 Jahre lang war Wolfgang Becker aktiver Triathlet. Lange Zeit startete der Trierer für Auflauf, Tri Post und SSV Trier, zuletzt für die RSG Montabaur. Nach seiner letzten Lang- oder Ironman-Distanz verlegt er sich aufs Trainergeschäft - mit der Option auf die Rückkehr in einer Staffel.

Ob es Wolfgang Becker wohl ganz lassen kann? Das muss sich erst noch zeigen. Als Schwimmer in einer Staffel könne er es sich vielleicht vorstellen, noch einmal an der Challenge Roth, dem traditionsreichsten deutschen Triathlon über die Langdistanz, teilzunehmen, sagt der 60-Jährige. Immerhin! Aber alle drei Disziplinen, 3800 Meter Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen wie beim berühmten Ironman Hawaii, werde er nicht mehr allein in Angriff nehmen.

So spricht der gebürtige Trierer jedenfalls im Winter 2022, ein halbes Jahr nach seinem letzten Start bei der Challenge Roth, dem Abschluss einer 30-jährigen Triathlon-Laufbahn. „Es war auf jeden Fall der emotionsreichste Ironman. Auf den letzten zwei Kilometern habe ich geheult“, erzählt Becker. 30 Jahre nach seinem Einstieg in den Ausdauerdreikampf, kurz nach seinem 60. Geburtstag und nach langen Jahren, in denen wegen gesundheitlicher Probleme an ein solch versöhnliches Karriereende nicht zu denken war, hatte er die Traumdistanz vieler Sportler noch einmal geschafft.

Und wie! Nur gut eine Stunde (1:04:06 Stunden) verbrachte Becker im Wasser, in 5:16:28 Stunden absolvierte er gewohnt solide die (wegen Baustellen) auf 170 Kilometer verkürzte Radstrecke und den abschließenden Marathonlauf spulte er in 3:47:46 Stunden ab. Mit Wechselzeiten addierte sich seine Gesamtzeit auf 10:17:10 Stunden. „Mein letzter Triathlon war der erste, bei dem ich mich bei den Wechseln komplett umgezogen habe“, erklärt Becker lachend insgesamt fast zehn Minuten im Umkleidezelt. Aber in der Wertung der Deutschen Meisterschaft, die im Rahmen der Challenge Roth ausgetragen wurde, hatte er immer noch 25 Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten der Altersklasse M 60. Besser konnte es kaum laufen.

Dabei sah es zehn Jahre zuvor schon so aus, als könne Becker das Kapitel Triathlon abhaken. Erst ein Innen-, dann ein Kreuzbandriss, anschließend das Pfeiffersche Drüsenfieber beschäftigten ihn mehr als das Training. Als 2017 auch noch Herzrhythmusstörungen diagnostiziert wurden, schien für den zweimaligen Hawaii-Finisher eine weitere Ironman-Teilnahme unerreichbar und nur noch der nostalgische Blick zurück.

Und was hatte er nicht alles erlebt! Die Triathlon-Europameisterschaft 1990 in Trier, die Becker als Zuschauer erlebte, war die Initialzündung. „Ich habe mir gedacht, du kannst schwimmen, hast ein Fahrrad und kannst laufen“, erzählt er, wie er sich schon kurze Zeit später zu einem Schnuppertriathlon im Mertesdorfer Freibad anmeldete. Becker schloss sich dem damals bekannten Ausdauersportclub Auflauf Trier um Walter Krischel an. Seinen ersten Kurzdistanz-Triathlon im Trierer Südbad absolvierte er noch als Brustschwimmer. Er trainierte in der sogenannten Dienstagsgruppe von des ehemaligen Triathlon-Europameisters Klaus Klaeren und Gerd Madert und wechselte 1995 zu Tri Post Trier. 1997 qualifizierte sich Becker gleich bei seinem ersten Ironman (in Roth) für die Weltmeisterschaft auf Hawaii. 2001 nach dem Wechsel zum SSV Trier (um besser schwimmen zu lernen) gelang ihm das ein weiteres Mal. „Ich habe damals dem Sport alles untergeordnet“, erzählt Becker. Kein Alkohol, bewusste Ernährung. Und: „Ich hatte das Glück, dass ich immer gute Leute getroffen habe, die mich weitergebracht haben.“

Nach (modifizierten) Plänen, nach denen er schon Mittel der 1990er Jahre zusammen mit Dietmar Bier und Klaeren trainiert hatte, bereitete er sich auch auf sein Ironman-Comeback mit 60 vor. Allerdings im Westerwald und in Koblenz statt in Trier. Denn 2004 zog Becker der Liebe wegen nach Kemmenau. Ein Jahrtzehnt pendelte er zu seinem Arbeitsplatz bei der Wehrtechnischen Dienststelle der Bundeswehr auf dem Grünberg, bis er nach Koblenz versetzt wurde.

 Der gebürtige Trierer Wolfgang Becker beendete bei den Deutschen Meisterschaften auf der Langdistanz in Roth als nationaler Titelträger der Altersklasse M 60 seine Laufbahn.
Der gebürtige Trierer Wolfgang Becker beendete bei den Deutschen Meisterschaften auf der Langdistanz in Roth als nationaler Titelträger der Altersklasse M 60 seine Laufbahn. Foto: privat

In seiner neuen Heimat betreut Becker nun den Altersklassenathleten Dennis Manns. 2019 führte er ihn erstmals in Ziel der Challenge Roth. Das gab den Ausschlag für Becker, selbst noch einmal anzugreifen. Und wenn sein Schützling die Hawaii-Qualifikation schafft? Kocht dann vielleicht die alte Leidenschaft wieder hoch? Nur in einer Staffel werde er noch einmal in Roth dabei sein. So sagt es Becker. jedenfalls im noch im Winter 2022.