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Jan Stölben fährt mit Selbstbewusstsein und Gartencross zur Ski-WM

Wintersport : Mit viel Selbstbewusstsein und Gartencross zur Ski-WM

Jan Stölben ist der erste Skilangläufer aus der Region, der an einer Weltmeisterschaft teilnimmt. Am Montag geht es für den 19-Jährigen aus Manderscheid ins finnische Vuokatti.

Schlafen, Essen, Training und natürlich Schule, aber oft im Fernunterricht, aus nicht viel mehr bestand Jan Stölbens Tagesablauf in den vergangenen Monaten. Der 19-Jährige aus Manderscheid hat sich durch Corona-Einschränkungen im Training und mehrmalige Quarantäne gekämpft. Als Lohn kann er sich in der zweiten Februar-Woche einen Traum erfüllen: die Teilnahme an der nordischen Ski-Weltmeisterschaft. Am Montag fliegt er mit der deutschen Nationalmannschaft nach Finnland.

„Wenn man halbwegs im Training bleiben will, ist es schon brutal hart“, sagt Jan Stölben über die Zeiten, in der er komplett auf sich allein gestellt im Haus seiner Eltern und deren Garten fit gemacht hat. Mehrmals musste der Manderscheider, der seit 2017 das Sportinternat in Winterberg im Rothaargebirge (Nordrhein-Westfalen) besucht und für den SK Wunderthausen startet, nach Kontakt mit Corona-Infizierten in vorsorgliche Quarantäne. Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, zogen die Eltern Christine und Alexander, die beide im Gesundheitssektor arbeiten, in dieser Zeit in die (sowieso leer stehende) Ferienwohnung von Jans Großeltern. „Wir haben improvisiert“, erzählt Christine Stölben, die es 800-Meter-Läuferin bei der LG Vulkaneifel zur Rheinland-Pfalz-Jugendmeisterin und DM-Teilnehmer geschafft hatte. Für Klimmzüge legte sich ihr Sohn unter den Esstisch und Crosslauf-Einheiten absolvierte er im heimischen Garten. „Das vom Kopf her schon ganz schön schwer, wenn man 100 Runden im Garten läuft“, erzählt Jan Stölben.

Seine Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt. Weil wegen der Corona-Beschränkungen keine gewohnten Auswahlrennen stattfinden konnten, ermittelten Junioren-Bundestrainer Markus Hofmann, DSV-Nachwuchschef Bernd Raupach sowie Technik- und Athletiktrainer Axel Teichmann bei bei einem neuntägigen Sichtungslehrgang in Oberstdorf im Allgäu das Aufgebot des Deutschen Ski-Verbands (DSV) für die Junioren-Weltmeisterschaft. Eingeladen waren die besten 16 Athleten der Zentralen Leistungskontrolle im September. Es gab mehrere Vergleiche auf den Strecken, auf denen vom 23. Februar bis zum 7. März die Nordische Ski-WM stattfinden soll.

„Ich war der beste Sprinter“, sagt Jan Stölben selbstbewusst, weshalb er es ins sechsköpfige deutsche U-20-Team geschafft hat. Deshalb liegt sein Fokus im finnischen Vuokatti auch auf den kurzen Distanzen. Dem Sprint (1,4 Kilometer) am 9. Februar und dem Zehn-Kilometer-Rennen (11. Februar). „Alles in den Top Ten wäre ein klasse Ergebnis“, sagt Stölben. Das würde ihm für ein Jahr den Bundeskaderstatus sichern. Außerdem hofft der Skilangläufer aus der Eifel, der vor einem Jahr zusammen mit seinem Trainingskameraden und Freund Birger Hartmann (VfL Bad Berleburg) den nationalen U-20-Titel im Teamsprint gewann, auf einem Start mit der Staffel (13. Februar). „Die fünf Kilometer kommen mir entgegen.“ Und die deutschen Teams sind immer für eine Medaille gut.

Das wäre eine weitere Steigerung. Schon die Junioren-WM-Teilnahme ist der größte Erfolg, den je ein Wintersportler aus dem Vulkaneifelkreis - und vermutlich auch darüber hinaus - erreicht hat. „Mir ist nicht bekannt, dass jemals jemand aus dem Kreis bei einer Ski-WM war“, sagt Thomas Kloth aus Kirchweiler (Vulkaneifelkreis). Der mittlerweile als Abteilungsleiter Leistungssport bei rheinland-pfälzischen Landessportbund arbeitende Kloth hatte Jan Stölben bis 2017 beim SLV Ernstberg betreut und ihm dann den Internatsplatz in Winterberg und bei Trainer Stefan Kirchner vermittelt. „Ich habe mich riesig gefreut“, erzählt Stölbens „Entdecker“.