Chiara Bermes war als Zweitplatzierte beste Läuferin der Region über zehn Kilometer

Trierer Stadtlauf : Abgehärtet zum Stadtlauf-Hitzetest

Chiara Bermes (PST Trier) war als Zweitplatzierte beste Läuferin der Region über zehn Kilometer. Keine 24 Stunden zuvor lief die 24-Jährige Bestzeit über 1500 Meter.

(teu) Nicht einmal 30 Grad beim Zehn-Kilometer-Lauf  des Trierer Stadtlaufs. Chiara Bermes ist Heißeres gewohnt. „Ich war abgehärtet vom Rennen in St. Wendel am Samstag. Die 35 Grad im Stadion waren schlimmer“, erzählt die 24-Jährige vom Post-Sportverein Trier (PST). Im Saarland hatte Bermes bei den Süddeutschen Meisterschaften über 1500 Meter den siebten Platz belegt. Vor allem verbesserte sie ihre drei Jahre alte Bestzeit um drei Sekunden auf 4:35,91 Minuten. Nur sieben Läuferinnen der Region Trier waren je schneller.

„Erhofft hatte ich das auf jeden Fall, weil das Training gut lief. Ich wusste, dass ich es drauf habe“, sagt Bermes. Nur das richtige Rennen zu finden ist oft schwierig. Eine Woche zuvor in Tübingen musste sie unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren. Starkregen führte zur Absage des Meetings. „Da habe ich mir gedacht: jetzt erst recht!“ Eine erfolgreiche Einstellung.

Genauso erfolgreich wie die, mit der Bermes 17 Stunden später an der Stadtlauf-Startlinie neben der Porta Nigra stand. „Ich war wegen der Bestzeit richtig locker. Es hieß für mich, einfach mal wieder zehn Kilometer zu laufen, die Stimmung zu genießen und sich für den Verein zu zeigen“, sagt Bermes, dass sie ohne Druck laufen konnte.

Der Ehrgeiz kam mit dem Startschuss. Die polnische Siegerin Dagna  Sztykiel (38:44 Minuten) hatte Bermes (39:17) lange im Blick. „Dadurch, dass wir ins Halbmarathonfeld rein gelaufen sind, war es etwas kompliziert. Ich habe die erste Frau am Ende nicht mehr gesehen zwischen all den 21-Kilometer-Läufern und dann auch den Kindern“, erzählt sie. Der zweite Platz beim Stadtlauf, die Siegerehrung – würde es Chiara Bermes nicht reizen wie in jungen Jahren wieder öfter beim Straßenläufen zu starten, statt auf der Bahn? Nein, sagt die Mathematik-Studentin. „Ein Bahnrennen hat einen ganz anderen Reiz als ein Volkslauf. Der macht viel Spaß, und man trifft viele Leute, aber auf der Bahn geht es um die eigene Leistung, um das, was man kann.“

Diesen Ehrgeiz entwickelte Bermes erst über viele Jahre hinweg. Bereits als kleines Mädchen war sie bei den Laufveranstaltungen der Region unterwegs. „Sport hatte bei uns immer Priorität. Mein Vater war Handballtrainer und hat mit meiner Mutter später zu laufen begonnen. Dadurch, dass sie gelaufen sind, bin ich als Kind auch gelaufen. Sonst wäre ich vielleicht anderen Sport gelandet. Vielleicht beim Reiten.“ Als der ehemalige Deutsche Jugendmeister Dominik Werhan, der wie die Morscheiderin Chiara Bermes beim LT Mertesdorf die ersten Laufschritte machte, zum PST wechselte, folgte Bermes schnell nach. Der verstorbene PST-Trainer Volkhart Rosch prägte das Mädchen. „Volkhart hat alles für uns getan, uns überall hingefahren. Aber ohne Volkhart wäre ich auch nicht da, wo ich jetzt bin“, sagt die Athletin, die jetzt von Marc Kowalinski trainiert wird.

In fast zwei Jahrzehnten Laufsport habe sie nie vor der Frage gestanden, die Schuhe an den Nagel zu hängen. „Aber Laufen gibt mir einfach zu viel. Wenn es mir schlecht geht, gehe ich eine Runde laufen – und dann ist der Bogen wieder geglättet. Ohne Laufen hätte ich Vieles nicht erreicht, auch im Studium. Prüfungsstress konnte ich so immer kompensieren.“

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