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Hospizlauf 2010: Euphorie pur auf 190 Kilometern

Hospizlauf 2010: Euphorie pur auf 190 Kilometern

Noch nie war es so heiß. Und noch nie haben sich so viele Läufer für die gute Sache auf den Weg gemacht. Der Hospizlauf 2010 war in mehrerer Hinsicht rekordverdächtig. Präsentiert wird die Benefizaktion vom Laufportal des Trierischen Volksfreunds.

 Start in Koblenz
Start in Koblenz Foto: Rainer Neubert
 Der Läufertross in Trier-Ruwer
Der Läufertross in Trier-Ruwer Foto: Rainer Neubert
 Treffpunkt Schweich
Treffpunkt Schweich Foto: Rainer Neubert
 Morgenlauf bei Pieport
Morgenlauf bei Pieport Foto: Rainer Neubert
 Nachts unterwegs an der Mosel
Nachts unterwegs an der Mosel Foto: Rainer Neubert
 Hans-Peter Roden sucht nach Abkühlung
Hans-Peter Roden sucht nach Abkühlung Foto: Rainer Neubert
 Ankunft in Moselkern
Ankunft in Moselkern Foto: Rainer Neubert
 Mobile Dusche bei Cochem
Mobile Dusche bei Cochem Foto: Rainer Neubert
 Rast in Winningen
Rast in Winningen Foto: Rainer Neubert

Als Hans-Peter Roden vom Ultrateam Spiridon Hochwald nach 110 Kilometern in Traben-Trarbach mit zwei dicken Blasen an den Füßen aussteigen muss, ist seine Enttäuschung zunächst groß. Der 46-Jährige aus Kell am See wäre so gerne noch einmal, wie schon 2008, die komplette Strecke von Koblenz bis nach Trier gelaufen. Und auch Gerhard Geisen, der zweite Ultraläufer im Tross, muss angesichts der mächtigen Hitze kapitulieren.

Zehn Stunden später, bei der gefeierten Ankunft des Läufertrosses am Hospizhaus in Trier, wird bei beiden von Frustration allerdings nichts mehr zu spüren sein. Zu überwältigend sind die Eindrücke von Teamgeist, Freude und Hilfsbereitschaft, die sie wie alle Teilnehmer in den vergangenen 24 Stunden erlebt haben.

Doch der Reihe nach:

Freitag, 12 Uhr :Am Deutschen Eck in Koblenz sind 40 Läuferinnen und Läufer dabei, darunter auch drei Staffeln. „So viele Leute waren noch nie am Start dabei!“, freuen sich Astrid Roden und Ralf Haas, die für die Organisation die Hauptverantwortung übernommen haben. Doch angesichts der Hitze haben sie Befürchtungen, dass sich die Teilnehmerzahl schnell reduzieren könnte – unbegründet, wie sich herausstellen sollte.

13.30 Uhr: Zwischenstopp in Winningen. Die Läufer können gar nicht genug trinken, um ihren Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Die in den Begleitfahrzeugen mitgebrachten Standrohre, um Hydranten anzuzapfen kommen noch nicht zum Einsatz. „Die Feuerwehr hier holen sich das Wasser direkt aus der Mosel“, erklärt Ralf Maxheim, der „technische Tourleiter“. So müssen zunächst ein Bottich mit Wasser und Schwämme zur Abkühlung ausreichen.

14.55 Uhr: Lehmen. Trinken, trinken, trinken, nicht nur alkoholfreies Weißbier einer Erdinger Brauerei findet reißenden Absatz.

18.30 Uhr: In Cochem endlich die Erlösung. Das Team der Berufsfeuerwehr Trier baut eine mobile Dusche auf. Jubel im Läufertross. Die Erfrischung von oben wird in den nächsten Stunden noch häufig zu Einsatz kommen.

20.15 Uhr: In Poltersdorf landen zwei Kilo Roastbeef auf dem Grillrost. Eine willkommene Abwechslung zu Müslikuchen, Bananen und Salzbrezeln.

23.30 Uhr: . Im Café Bauer in Zell wartet wieder leckere Verpflegung. Noch immer 27 Grad. Extremläufer Hans-Peter Roden war zur Abkühlung bereits dreimal in der Mosel. „Ich muss die Hitze aus dem Körper bekommen“, sagt er. Die nassen Schuhe werden sich allerdings bald rächen.

Nachtschwärmer in den Städtchen an der Mosel reiben sich angesichts der gut gelaunten Läufer- und Radlerschar verwundert die Augen, die außerhalb der Ortschaften nun mit Stirnlampen den Weg vor sich ausleuchten. In der Dunkelheit lauern Unebenheiten auf der Strecke.

1:45 Uhr: Ausstieg der beiden Ultraläufer in Traben-Trarbach. Sie dürfen sich nun erst einmal ausruhen. Zumindest ein oder zwei Stunden Schlaf sucht auch so mancher Teilnehmer, der die gesamte Strecke begleitet und diverse Etappen läuft oder als fleißiger Begleiter dabei ist. Vor allem die freiwilligen Helfer der Stadtwerke Trier und der Berufsfeuerwehr leisten Großes.

4:15 Uhr: Die Nudelsuppe in nächtlichen Bernkastel-Kues gibt Kraft. Am Horizont kündigt sich die Dämmerung an.

6.30 Uhr: In Piesport lacht die milde Morgensonne. Und der noch warme Streuselkuchen mundet ebenso wie der Kaffee. Waren in der Nacht „nur“ zehn bis zwölf Läufer unterwegs, so wächst die Zahl nun wieder kontinuierlich. Die Feuerwehrstaffel aus Cochem trägt ihre eigens geschmiedete 1,5 Kilogramm schwere Fackel als „Licht der Hoffnung“ tapfer weiter in Richtung Trier. Mit Euphorie dabei sind auch noch die Staffel Meddi’s Lauftreff aus Koblenz und die gemeinsame Staffel von Stadtwerken Trier, Lauftreff Olewig und TV-Laufportal.

10.45 Uhr: Nach den Stationen Neumagen, Leiwen, Detzem und Mehring erreicht die zunehmend größer werdende Läuferschar Schweich. Es ist wieder fast unerträglich heiß. Aber die Spitzentemperatur wird erst auf der Schluss-Etappe erreicht sein.

11.15 Uhr: In Ruwer begeben sich 150 mutige Hobbysportler in die Hitzeschlacht. Die einzige Verzögerung bis zur pünktlichen Ankunft im Hospizhaus ist die Dusche in der Loebstraße, die sich keiner der Teilnehmer entgehen lässt.

12 Uhr: Eskortiert von der Polizei, durch den Verteilerkreis Trier-Nord, Paulinstraße, An der Porta Nigra vorbei, Christophstraße und Ostallee, erreicht der Tross unter Jubel das Hospizhaus in Trier. Zeit für reichlich Endorphine, die alle Hitze und Qual vergessen machen. Hans-Peter Roden hat es sich nicht nehmen lassen, die Schlussetappe mit einem breiten Grinsen im Gesicht wieder anzuführen. Jetzt warten Getränke, Obst, Kaffee und Kuchen. Und für den Tag danach noch die ein oder andere Flasche Hospizwein, die der Trittenheimer Winzer Michael Scholtes zur Verfügung gestellt hat.

Die Stimmung unter den Teilnehmern ist so gewaltig, dass nicht alle die Dankesworte von Dr. Carl-Heinz Müller registrieren, dem Vorsitzenden des Hospizvereins.

Welche Summe der Hospizlauf am Ende für den guten Zweck erbracht hat, wird sich erst in einigen Tagen herstellen, wenn alle Überweisungen und Spenden eingegangen sind. Die Rekordbeteiligung und die tolle Stimmung unter den Teilnehmern lassen vermuten, dass auch hier, im siebten Lauf, eine neue Höchstleistung aufgestellt wird.