Mehr als eine Lauffreundschaft zwischen Silvesterlauf Trier und Ruanda

Silvesterlauf : Mehr als eine Lauffreundschaft

Zum vierten Mal kommen Läufer aus Ruanda zum Bitburger-0,0%-Silvesterlauf nach Trier. Daraus hat sich ein Austausch zwischen jungen Sportlern aus der Region Trier und in Afrika entwickelt.

Die Skepsis war da, als Hans Tilly 2016 mit der Idee auf seine Clubkameraden beim Verein Silvesterlauf Trier zukam, einige der besten Läufer aus Ruanda zu den Eliteläufen beim „deutschen Sao Paulo“ einzuladen. Ruanda? Kommen aus dem kleinen zentralafrikanischen Land überhaupt gute Langstreckler? Die Antwort lieferten die Schützlinge von Nationaltrainer John Peter Ndacyayisenga blitzschnell: Ja! In den vergangenen drei Jahren schaffte es mindestens ein ruandischer Läufer aufs Podium.

Auch diesmal werden mit Marthe Yankurije, Christopher Tuyishime und U-20-Junior Aimé Phraditte Bakunzi sogar drei Läufer aus dem rheinland-pfälzischen Partnerland antreten. Yankurije war im vergangenen Jahr Siebte im Sparkassen-Elitelauf der Frauen über fünf Kilometer (Start am 31. Dezember um 15 Uhr). Diesmal will die Achte der Afrikaspiele und Neunte der Militär-WM mehr: aufs Podium. Auch Tuyishime würde gerne seinem Landsmann James Sugira nacheifern, der 2017 Zweiter im Bitburger-0,0%-Asselauf über acht Kilometer war (Start: 15.30 Uhr). Der erst 22 Jahre alte Marathonläufer war für die Weltmeisterschaft in Doha qualifiziert, konnte wegen eines schweren persönlichen Schicksalsschlags aber nicht starten.

Marthe Yankurije aus dem rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda belegte 2018 beim Bitburger 0,0% Silvesterlauf in Trier den siebten Platz im Sparkassen-Elitelauf der Frauen und möchte beim 30. Silvesterlauf aufs Podium. Foto: Holger Teusch

Wie Yankurije ist auch Aimé Phraditte Bakunzi ist in der Region kein Unbekannter. Im August schraubte der 18-Jährige den Fünf-Kilometer-Streckenrekord beim Teba-Radweglauf in Hermeskeil auf 15:26 Minuten.

Bakunzi kam vor viereinhalb Monaten im Rahmen des Austausch mit deutschen Jugendlichen nach Trier. Der Verein Silvesterlauf Trier hat auf Initiative von Tilly und Vereinsvorstand Norbert Ruschel damit die Partnerschaft mit Ruanda auf eine neue Stufe gehoben. Gemeinsam mit Trierer Leichtathleten der Verein Silvesterlauf und Post-SV wurde im Moselstadion trainiert. Der Wettkampf in Hermeskeil war einer der sportlichen Höhepunkt des Austauschs. „Unsere Jugendlichen sind begeistert von der Stadt Trier, der wunderbaren Natur in der Umgebung - und vor allem von den vielen Begegnungen mit jungen deutschen Sportlern“, sagte Fidele Mubiligi, der Präsident der Rwanda Athletics Federation, der auch für zwei Tage nach Trier kam.

Bei dem Austausch geht es aber um mehr als „nur“ Lauffreundschaften! „Wir haben auch ein bisschen Kultur gemacht“, sagt Initiator Hans Tilly. So gab es unter anderen eine Stadtführung durch Trier auf Englisch und einen Ausflug nach Saarburg. Wichtig war für Tilly, der schon mehrmals als Inklusionsberater in Ruanda war, dass die afrikanischen Jugendlichen keinen Kulturschock erlitten: „Sie sollten nicht den Eindruck gewinnen, hier sei das Schlaraffenland.“ Untergebracht waren die Jugendlichen bei deutschen Gastfamilien. Schulbesuch inklusive. „Ohne die Familien wäre das unmöglich gewesen“, bedankt sich Tilly.

Vom 4. bis 13. Juli kommenden Jahres gibt es einen Gegenbesuch des Silvesterlauf-Vereins von acht Jugendlichen begleitet Tilly und Ruschel in Ruanda. Dabei wird die Hauptstadt Kigali und das Höhentrainingszentrum Gicumbi (2200 Meter über Meeresspiegel) besucht. Und beim Silvesterlauf 2020 kommen die ruandischen Freunde vielleicht sogar mit einem Titelverteidiger nach Trier.