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Interview Konstanze Klosterhalfen
Rückkehr mit vier EM-Medaillen

Titelverteidigerin...
Titelverteidigerin... FOTO: Holger Teusch / Holger Teusch, Unterm Bergfried 20, 54538 Bausendorf, Telefon 06532/954022
Trier/Samorin. Amtierende Silvesterlauf-Siegerin spricht über Erwartungsdruck und Duell mit Gesa Krause.

  Während Hindernislauf-Europameisterin Gesa Felicitas Krause gerade im Ski-Trainingslager Grundlagenausdauer gebolzt hat, stand für Konstanze Klosterhalfen am Sonntag im slowenischen Samorin mit der Crosslauf-Europameisterschaft schon wieder ein kleiner Höhepunkt auf dem Programm.

Die Koko genannte 20-Jährige von TSV Bayer 04 Leverkusen bestimmte zusammen mit Alina Reh (Ulm) das Rennen der U23-Juniorinnen und wurde sowohl in der Einzelwertung, als auch mit dem deutschen Team Vizeeuropameisterin. Nach dem zweiten Platz bei der Hallen-Europameisterschaft und dem Titel bei den kontinentalen U23-Titelkämpfen waren es ihre Medaillen Nummer drei und vier in diesem Jahre.

Am 31. Dezember treffen mit Koko und der für den Verein Silvesterlauf Trier startenden Gesa Felicitas Krause die beiden besten deutschen Bahnläuferinnen erstmals unter freiem Himmel aufeinander. Das Duell im Sparkassen-Elitelauf der Frauen über fünf Kilometer dürfte der Höhepunkt beim vom Trierischen Volksfreund präsentierten Bitburger 0,0% Silvesterlauf in Trier werden. Erst einmal, beim Hallenmeeting im Karlsruhe 2016, liefen Krause und Klosterhalfen gegeneinander. Die 20-Jährige lag über 1500 Meter gut eine halbe Sekunde vor Krause.

Im TV-Interview spricht Klosterhalfen über das Duell, den Crosslauf und wie sie als erst 20-Jährige mit dem steigenden Druck zurechtkommt.

Herzlichen Glückwunsch zur U23-Europameisterschaft im Gelände, Konstanze Klosterhalfen! Welchen Stellenwert hat Crosslauf für sie? 

Klosterhalfen Mein Trainer sagt immer, dass Cross gut ist für die Härte, aber ich mache es wirklich gerne. Auch in meinem Heimatort Königswinter geht es hoch und runter und auch mal durch den Matsch. Das ist eine schöne Abwechslung zur Bahn. Es macht immer Spaß.

Im vergangenen Jahr sind sie erstmals einen Silvesterlauf gelaufen.Dieses Jahr treffen sie in Trier auf Gesa Krause, die ja für den Ausrichterverein startet und damit Lokalmatadorin ist. Was erwarten sie und was ist von ihrem Sieg in Trier hängengeblieben?

Klosterhalfen Letztes Jahr war es total schön. Ich habe nur gute Erinnerungen – außer dass es kalt war. Deshalb habe ich sofort gesagt, dass ich dieses Jahr Silvester wieder laufen will. Die Stimmung und die ganze Atmosphäre sind toll. Auf das Aufeinandertreffen mit Gesa freue ich mich. Aber es sind viele gute Läuferinnen da. Ich hoffe einfach wieder einen schönen Jahresabschluss zu haben.

Wie haben sie den Sturz von Gesa Krause im WM-Finale über 3000 Meter Hindernis erlebt?

Klosterhalfen Wegen des Virus‘ (Anmerkung der Redaktion: Mehr als ein Dutzend deutscher Leichtathleten litten in London an einer Magen-Darm-Erkrankung.) sollten wir nach unserem Wettkampf ja so schnell wie möglich abreisen. Ich habe Gesas Rennen deshalb im Fernsehen gesehen. Ich saß mit meinem Vater zusammen und es war ganz schlimm, als ich gemerkt habe: Gesa ist nicht mehr vorne mit dabei. Sie hatte sich ja viel ausgerechnet und es sah ja am Anfang gut aus. Bei dem Sturz haben wir richtig mitgelitten. Man weiß ja, was man investiert und wie viel man trainiert. Aber man sieht, was in so einem Rennen alles passieren kann.

Ist bei ihnen nach so vielen fantastischen Rennen der Erwartungsdruck größer geworden?

Klosterhalfen Man hat ja selbst meist die größten Anforderungen an sich selbst. In der Zeit rund um die Weltmeisterschaft hat man schon gemerkt, dass in der Öffentlichkeit mehr über mich geredet wurde. Aber ich versuche mir zu sagen, dass ich ja eigentlich für mich laufe, und versuche alles ein bisschen von mir abprallen zu lassen, was die anderen reden.

Dass sie bei der Weltmeisterschaft in London im 1500-Meter-Halbfinale ausgeschieden sind, war enttäuschend für sie?

Klosterhalfen In London hat es nicht so geklappt, wie ich es mir erhofft hatten. Aber ich habe es gut verarbeitet und glaube, dass ich daraus viel mitgenommen habe, was mich im Endeffekt weiterbringt. Es hat gezeigt, dass bei so einer Meisterschaft gegen die Weltelite Kleinigkeiten entscheidend sind.  Solche Erfahrungen muss man auch machen.

Gleich nach der WM sind sie deutschen 3000-Meter-Rekord in Birmingham gelaufen. War das auch ein bisschen eine Trotzreaktion?

Klosterhalfen Nach London habe ich sofort gesagt: Ich möchte auf jeden Fall noch einmal laufen. Ich bin nach Birmingham gefahren und wollte gucken, ob noch was geht, ob ich noch einmal ein gutes Rennen machen kann. Ich konnte ganz frei laufen, und es war ein super Lauf.

Interview: Holger Teusch