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Samuel Fitwi (LGV): Erst Moselstadion, dann Olympia-Marathon in Paris

Moselstadion-Läuferabend : Erst Moselstadion, dann Olympia-Marathon in Paris

Der deutsche Fünf-Kilometer-Straßenlaufrekordler Samuel Fitwi bestreitet beim SWT-Flutlichtmeeting in Trier am Freitagabend nach schwerer Erkrankung sein erstes Rennen seit mehr als drei Monaten.

Am Montagnachmittag wirkte Samuel Fitwi entspannt. Dabei wurde auf der Pressekonferenz des 20. SWT-Flutlichtmeetings das erste Rennen des besten deutschen Fünf-Kilometer-Straßenläufers aller Zeiten (13:32 Minuten) seit 116 Tagen angekündigt. Am Freitag (17.9.) um 18.45 Uhr gibt der Langstreckenläufer der LG Vulkaneifel im Trierer Moselstadion über 10 000 Meter sein Comeback nach einer schweren Infektion.

Statt im Juni noch zu versuchen auf den Olympiazug aufzuspringen, landete Fitwi mit einer Salmonellen-Vergiftung im Bonner Universitätsklinikum. „Ich war zwei Wochen im Krankenhaus“, berichtet der 25-Jährige. Im Fernsehen habe er sich alle olympischen Rennen, von 5000 Metern, über 10 000 Meter bis zu Marathon angeschaut und sich Motivation geholt. „Olympia ist auf jeden Fall ein Ziel“, sagt Fitwi. „Jetzt haben wir noch drei Jahre bis Paris. Da will ich im Marathon am Start sein“, kündigt er den Umstieg auf die legendäre 42,195 Kilometer an.

Die 10 000 Meter im Moselstadion sollen am Freitagabend ein erster Schritt dahin sein. Aber die Nachfolge seines Trainer Yannik Duppich anzutreten, der 2020 in 30:20,64 Minuten siegte, wird Fitwi nicht leicht gemacht. Mit dem letztjährigen Deutschen U-23-Crosslaufmeister Markus Görger (Karlsruhe), dem Slowenen Rok Puhar, der zuletzt den Kölner Halbmarathon gewann, und Filmon Teklebrhan, der wie Fitwi aus Eritrea stammt, sind drei weitere Läufer dabei, die unter 30 Minuten bleiben wollen. Der elf Jahre alte Meetingrekord des Kenianers Jonathan Koilegei von 29:53,38 Minuten sollte fallen. Der Moselstadionrekord, den Stéphane Franke (Kornwestheim) bei den Deutschen Meisterschaften 1993 aufstellte (damals Weltjahresbestzeit), dürfte allerdings unangetastet bleiben.

„Ich bin fit und möchte gewinnen“, sagt Fitwi, obwohl er nach der Salmonellen-Vergiftung erst seit acht Wochen wieder im Training ist. Wer nutzte die Zeit und besuchte erstmals seit er 2018 die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt, Äthiopien. „Ich habe einen Schulfreund besucht, der auch aus Eritrea geflüchtet ist“, erzählt er. Obwohl er in Addis Abeba seiner in Eritrea verbliebenen Familie so nah war, wie seit seiner Flucht 2014 nicht mehr, waren die verbliebenen rund 700 Kilometer aber unüberwindbar. Der Bürgerkrieg in der nordäthiopischen Region Tigray, die direkt an Eritrea grenzt, machte eine Reise unmöglich. Er sei aber regelmäßig telefonisch mit seiner Familie in Kontakt, erzählt Fitwi. Seinen Verwandten gehe es gut.

Im über 2000 Meter hoch gelegenen Addis Abeba begann Fitwi auf der Trainingsrunde, die auch die äthiopischen Weltklasseathleten nutzen, mit dem Training. Die Trainingsresultate nach seiner Rückkehr überzeugte Duppich. Eine erste Tempobelastung von zweimal 5000 Meter mit nur fünf Minuten Pause dazwischen lief Fitwi in 15:00 Minuten und 14:50 Minuten. Deshalb glaubt der Trainer, dass sein Schützling für das Wettkampf-Comeback gut gerüstet ist. Duppich verweist zudem auf Fitwis 21,1-Kilometer-Landesrekord von 1:01:56 Stunden: „29 Minuten auf zehn Kilometer sind Samuels Halbmarathon-Durchgangstempo.“

Über Fitwis Start-Möglichkeit beim SWT-Flutlichtmeeting ist Duppich sehr froh. „Ich bin glücklich, dass wir das Rennen haben. Denn es wäre sonst in Essen ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt der 31-Jährige. Mit dem Flutlichtmeeting soll für Fitwi eine lange Herbstsaison beginnen, als deren Abschluss der Bitburger-0,0%-Silvesterlauf in Trier geplant ist. Mit dem Silvesterlauf-Vereins-Vorstandssprecher Hans Tilly unterzeichnete Fitwi am Montag einen Vier-Jahres-Botschaftervertrag für das „deutsche Sao Paulo“ genannte Jahresabschlussrennen. „Wir denken, dass mit Samuel mal wieder ein Deutscher für einen Sieg im Lauf der Asse sorgen kann“, erklärt Renndirektor Mertes. Es wäre der vierte für einen DLV-Athleten und der allererste für einen Läufer aus der Region.

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