366 Tage Achterbahn

Wohl keine deutsche Läuferin hat 2016 solch eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitgemacht wie Katharina Heinig. Deutschlands zweitbeste Marathonläuferin des Jahres dachte schon daran, die Laufschuhe an den Nagel zu hängen. Doch jetzt trainiert sie wieder mit der ab 2017 für Trier startenden Europameisterin Gesa Krause.

Trier/Frankfurt. Mit dem sechsten Platz und persönlicher Bestzeit über fünf Kilometer (16:26,8 Minuten) war Katharina Heinig vor knapp einem Jahr beim vom Trierischen Volksfreund präsentierten Bitburger 0,0% Silvesterlauf 2015 in die Olympiasaison gestartet. "Es war mein erster richtiger Wettkampf nach der Fuß-Operation und es war richtig motivierend", erinnert sich die 27-Jährige. Und es lief weiter gut: Halbmarathon-Bestzeit (1:12:55 Stunden) im Februar in Barcelona. Heinig war fit wie nie.
Dann kam der 24. April und der Marathon in Zürich. Alles war angerichtet für die Olympianorm (2:30:30), nur das Wetter spielte verrückt. Bei Temperaturen um null Grad, Hagel, Schnee und Regen wurde Heinig nach 25 Kilometern an der Spitze liegend nach mehreren Stürzen unterkühlt aus dem Rennen genommen. Bei den Männern siegte in 2:12:04 Stunden übrigens der japanische Vielstarter Yuki Kawauchi, der an Silvester auch in Trier gelaufen war.
Für Heinig war der Traum von Rio ausgeträumt. Doch es blieb ja noch die Europameisterschaft. In Amsterdam aber wieder eine Enttäuschung. Von einer Lebensmittelvergiftung geschwächt, kam "Katha" - so ihr Spitzname - nur als 55. in 1:17:15 Stunden ins Ziel. "Ich hatte keinen Bock mehr. Mental war ich richtig unten", berichtete sie. Täglich habe sie daran gedacht, die Laufschuhe an den Nagel zu hängen.
Aber das Trainingslager in Davos war schon gebucht. Heinig trainierte. Weil es ihr Job ist. Weil der Plan ihrer Mutter und Trainerin Katrin Dörre-Heinig, der Olympiadritten von 1988, es vorgab. Und weil das Ziel, der Berlin-Marathon, feststand. Dass es diesen Zwang gab, war gut so. In der Hauptstadt gelang der Läuferin der LG Eintracht Frankfurt nämlich als schnellster Deutschen (Fünfte gesamt) in 2:28:34 Stunden der Durchbruch. "Vor dem Start hatte ich in gewisser Weise Angst", gesteht Heinig.
Richtig verarbeitet habe sie die Achterbahnsaison sowieso noch nicht. Die nächsten Wettkämpfe, wie der Start im Sparkassen-Elitelauf der Frauen an Silvester in Trier, seien wichtig. Ihre Trainingspartnerin Gesa Krause wird dann nicht wie 2015 knapp vor ihr sein. Die Olympia-Sechste verbringt Silvester wie schon seit langem geplant trotz ihres Wechsels zum Silvesterlauf-Verein nicht an der Mosel.
Gespräche mit ihrem Freund, der Familie und vor allem mit Gesa Krause, mit der sie neben dem gemeinsamen Training auch freundschaftlich verbunden ist, seien während der schwierigen Saison sehr wichtig gewesen, sagt Heinig. Jetzt, in der Vorbereitungsphase, laufen sie vor- und nachmittags zusammen. "Gesa ist die Frühaufsteherin. Ich komme eher nicht so gut aus dem Bett. Aber wenn man weiß, da wartet jemand, geht es", sagt sie.
Drei Trainingseinheiten am Tag sind die Regel. Denn bei der Weltmeisterschaft 2017 in London, für die sie bereits qualifiziert ist, will Heinig die Zeit von Berlin bestätigen - mindestens!Extra

Verlosung: Lust, am Vorabend des Silvesterlaufs eine kleine Runde mit Europas sechstschnellster Marathonläuferin durch Trier zu joggen? Bis 18. Dezember läuft über das Internetportal stars4fans.de die Verlosung eines Treffens mit Katharina Heinig am 30. Dezember inklusive Übernachtung für zwei Personen im Athletenhotel sowie der Teilnahme am Volkslauf und an der großen Läuferparty mit Assen und Organisatoren. "Ich werde Rede und Antwort stehen", verspricht Heinig, Einblicke in ihr Leben als Spitzenläuferin zu gewähren. Jedes Los kostet ein Euro. Die Hälfte davon geht als Spende an die Ortsgruppe Trier der Krebshilfe Rheinland-Pfalz.