Koko gegen Coco

Olympischer Traum und Olympia-Frust, für die besten deutschen Mittelstrecklerinnen des Jahrzehnts hat das weltgrößte Sportereignis unterschiedliche Facetten. Am 31. Dezember treffen Corinna Harrer und Konstanze Klosterhalfen beim vom Trierischen Volksfreund präsentierten Bitburger 0,0% Silvesterlauf erstmals aufeinander.

Chia/Trier. Eine deutsche Läuferin schreibt Crosslauf-Geschichte! Ja, das gibt's! Bei den Europameisterschaften am vergangenen Sonntag auf Sardinien verteidigte Konstanze Klosterhalfen ihren Titel bei den unter 20-Jährigen. Das war zuvor erst einer Läuferin, der Britin Stephanie Twell (2007/08), gelungen. So souverän, wie die 19-Jährige vom TSV Bayer 04 Leverkusen in Chia auftrat, gilt Klosterhalfen, genannt Koko, zurzeit als beste europäische Nachwuchsläuferin.
Der Crosslauf-Europameistertitel war für die aus Königswinter bei Bonn stammende Sportlerin der krönende Abschluss einer traumhaften Saison. "Es war noch einmal ein ganz besonderer Moment und mir total wichtig", sagt sie. Klosterhalfen ist mittlerweile nicht nur auf nationaler (sie stellte in diesem Jahr sechs deutsche Jugendrekorde auf) und kontinentaler Ebene eine Größe. Bei den U20-Weltmeisterschaften brachte sie im Juli die Dominanz der Afrikanerinnen und gewann mit deutschem U20-Rekord von 8:46,74 Minuten über 3000 Meter die Bronzemedaille. Anschließend stieß die Jüngste im deutschen Leichtathletikteam bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ins 1500-Meter-Halbfinale vor, lief in 4:07,26 Minuten bis auf drei Zehntelsekunden an ihre persönliche Bestzeit heran.
Vier Jahre zuvor war Corinna Harrer in London ums olympische Finale betrogen worden. So muss man es ausdrücken! Denn im Nachhinein wurden sechs Final-Teilnehmerinnen des Dopings überführt. Harrer wurde nicht nur um Förder- und Sponsorengelder, sondern vor allem um ihren sportlichen Traum - und ihre Gesundheit gebracht.
Denn die zweimalige Gewinnerin des Sparkassen-Elitelaufs der Frauen beim Trierer Jahresabschlussrennen (2012/13) trainierte nach den Spielen von London noch härter, überging Warnsignale ihres Körpers. Die Folge: Ermüdungsbruch im Fuß. Kaum wieder auf den Beinen trat ihr im Frühjahr 2015 bei der Team-EM eine Konkurrentin in die Achillessehne. Es wäre der Zeitpunkt zum Absprung aus dem Leistungssport gewesen, sagte Harrer kürzlich in einem Interview mit der Berliner Zeitung. Doch mit einer Verletzung wolle sie nicht abtreten. Eineinhalb Jahre biss sie sich durch Reha- und Alternativtraining. Ende November lief sie erstmals wieder ein Rennen.
Der nächste Start wird die 25-Jährige aus Regensburg wieder nach Trier führen. So wie bereits vor einigen ihrer erfolgreichsten Jahre. Coco Harrer trifft dann über fünf Kilometer auf Koko Klosterhalfen. Angesichts des unterschiedlichen Trainingsstands wird es wohl kein Duell zwischen den beiden 1500-Meter-Spezialistinnen geben. An Silvesterlauf-Erfahrung, wie man im Konfetti-Schnee, im Sambatrommel- und Trillerpfeifenkonzert rennt, ist Harrer ihrer sechs Jahre jüngeren Disziplinkollegin allerdings weit voraus. "Ich habe so etwas noch nie gemacht. Aber ich freue mich schon auf den Silvesterlauf", sagt Klosterhalfen.