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Lauf-Asse beim Trierer Silvester-Spendenlauf für Amokfahrt-Opfer

Silvester-Spendenlauf : Silvester für statt durch Trier laufen

Vorjahresgewinnerin Katharina Steinruck, die Rekordsiegerin Sabrina Mockenhaupt und Marathonrekordler Amanal Petros sind nur einige der Topathleten, die heute beim virtuellen Trierer Silvesterlauf zugunsten der Amokfahrt-Opfer laufen. Jeder kann sich mit Gedenkstartnummer beteiligen.

Kein Trommelwirbel von Samba-Bands, kein Trillerpfeifenkonzert von Tausenden Zuschauern, keine Gänsehautatmosphäre, kein Weltklassesport am letzten Tag des Jahres in der Trierer Innenstadt. 2020 fällt das deutsche Sao Paulo aus. Nicht aber der Trierer Silvesterlauf. Deutschlands älteste Stadt steht nach der Amokfahrt vom 1.12. zusammen. Und die Läufer zeigen sich am Silvestertag solidarisch. Rund 120 Topathleten aus 13 Nationen folgen dem Aufruf des Vereins Silvesterlauf Trier und laufen mit einer Gedenkstartnummer überall auf der Welt die Renndistanzen von fünf Kilometern (Frauen) oder acht Kilometern (Männer) im Gedenken an die Opfer der schrecklichen Tat.

Es ist das Who is Who der 30-jährigen Silvesterlauf-Geschichte, das so seine Verbundenheit mit Trier zeigt. Die sieben schnellsten Frauen des Jubiläums vor einem Jahr sind dabei. Siegerin Katharina Steinruck (Frankfurt) drückte die Gefühlslage vieler Sportler so aus: „Letztes Jahr liefen wir durch Trier - dieses Jahr laufen wir für Trier.“ Dem schließen sich auch die Gewinnerin des Jahres 2018 Elena Burkard (LG Nordschwarzwald, 2019: Zweite), die aus Kenia stammende Sylvia Kiberenge (2019 Dritte), Marthe Yankurije aus dem rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda (2019 Fünfte) und die deutsche 3000-Meter-Hindernis-Vizemeisterin Lea Meyer (Löningen, Sechste) und Sonia Samuels aus Großbritannien (2019: Siebte) an. Dazu kommen die deutsche Marathonrekordlerin Irina Mikitenko (Siegerin 1998), Rekordgewinnerin und junge Mutter Sabrina Mockenhaupt (Siegerin 2005, 2007, 2010) und Corinna Harrer (Regensburg, Erste 2012/13).

Und natürlich Gesa Felicitas Krause. Für die zweimalige Hindernislauf-Europameisterin und WM-Dritte vom Verein Silvesterlauf Trier, die 2019 als Vierte einen Podestplatz nur knapp verpasste, wird es ein arbeitsreicher Silvestertag. Zusätzlich zum Fünf-Kilometer-Lauf im heimischen Dillenburg sammelt die 28-Jährige die Posts in den sozialen Netzwerken zum virtuellen Silvesterlauf. Unter dem Hashtag #trierstehtzusammen (international: #trierstandstogether) und mit dem Verweis @silvesterlauftrier dokumentieren die Spitzenläufer ihre Solidarität mit den Amokfahrt-Opfern.

Jeder kann sich eine Gedenk-Startnummer zum Benefiz-Silvesterlauf auf der Internetseite des Ausrichtervereins www.silvesterlauf.de herunterladen und ausdrucken. Foto: Silvesterlauf Trier

Dieser Weg steht jedem offen. Über die Vereins-Seite www.silvesterlauf.de kann die Gedenkstartnummer zum Ausdrucken heruntergeladen werden. Spenden zugunsten der Amokfahrt-Opfer werden direkt auf das offizielle Konto der Stadt Trier (IBAN: DE83 5855 0130 0001 1217 55, Kontoinhaber: Stadt Trier mit Kontozusatz: „Trier steht zusammen“) erbeten. Der Verein Silvesterlauf Trier unterstützt die von der Stadt Trier koordinierte Hilfe für die Angehörigen der Todesopfer sowie die Schwerst- und Schwerverletzten mit 20 Euro pro teilnehmenden Topläufer.

Die sind auch bei den Männern eifrig dabei. Angeführt vom frischgebackenen deutschen Marathonrekordler Amanal Petros (TV Wattenscheid, 2019 Zweiter) über den deutschen Crosslaufmeister Samuel Fitwi von der LG Vulkaneifel und seinem Trainer Yannik Duppich bis hin zu Haile Gebrselassie. Ob die Lauflegende in Äthiopien, die 2009 in Trier siegte, auf der Straße oder dem Laufbahn die Acht-Kilometer-Distanz zurücklegt ist noch nicht ganz klar. Letzteres ist wahrscheinlicher. „Haile ist auch ein Laufband-König. Momentan ist es leichter für ihn als auf den Straßen von Addis Abeba“, teilte sein Management dem Silvesterlauf-Verein mit.

Unter den „Ehemaligen“ sind auch Ex-Europameister Jan Fitschen, Alexander Lubina (2002: Zweiter, beide TV Wattenscheid) und Geburtstagskind Carsten Schlangen. Der ehemalige 1500-Meter-Vizeeuropameister aus Berlin, der am 31. Dezember 40 Jahre alte wird, feierte jahrelang sein Wiegenfest in Trier. „Als wir von den schrecklichen Ereignissen von Trier erfahren haben, ging meiner Frau und mir das sehr nahe. Das Schicksal der jungen Familie, die unter den Opfern war, macht uns besonders betroffen - wir haben Nachwuchs, der etwa gleich alt ist. Auch wir sind gerne vor und nach den Silvesterläufen in Trier in der Innenstadt spazieren gegangen“, erzählt Schlangen. „Mit dem Charity-Lauf möchte ich wenigstens ein klein wenig Zuversicht und Licht dieser Ohnmacht entgegensetzen.“ Und zwar nicht nur der Ohnmacht gegenüber der unfassbaren Tragödie vom 1. Dezember, sondern auch der der Corona-Pandemie: „Ich finde es schön, dass wir gemeinsam am Ende des Jahres mit dem Virtual Run - wenn auch unter etwas anderen Bedingungen - eine beliebte Tradition fortführen und sportlich Zusammenhalt demonstrieren.“