Silvesterlauf-Sieger als Konfetti-Fänger

Die Siegerländerin Sabrina Mockenhaupt und der Olympiadritte Micah Kogo aus Kenia haben die 21. Auflage des Bitburger-Silvesterlaufs in Trier gewonnen. Mit Konfetti in den Haaren erreichten 1469 Läufer wenige Stunden vor dem Jahreswechsel vor geschätzten 12 000 Zuschauern das Ziel.

Trier. Elvis lebt! So könnte man die Botschaft eines Stammtischs des Trierer Wirtshauses "Zur Glocke" am Silvesterabend interpretieren. Mit aufblasbaren Gitarren zog die sechsköpfige Gruppe im Natus-Männer-Volkslauf los. Die "Musikinstrumente" brachten sie nach acht Kilometern nicht mit ins Ziel. "Die Gitarren haben wir unterwegs an Kinder verschenkt", erklärte einer der Läufer im weißen Glitzeranzug und mit schwarzer Elvis-Presley-Perücke. In ihrer Verkleidung schwitzten die Imitatoren bei Temperaturen knapp über null Grad ähnlich wie der "King of Rock' n' Roll" bei seinen letzten Auftritten.

Ein Jahr nach dem glanzvollen Jubiläum mit Haile Gebrselassie als Sieger lebt der Bitburger-Silvesterlauf weiter. Ohne den Fokus auf einen Weltstar standen diesmal die deutschen Läufer um Sabrina Mockenhaupt und natürlich Ex-Weltrekordler Micah Kogo im Rampenlicht. Beide hatten leichtes Spiel. "Ich hätte mir mehr Konkurrenz gewünscht", sagte Mockenhaupt nach ihrem Sieg im Sparkassen-Elitelauf der Frauen über fünf Kilometer in 16:25 Minuten. "Das war meine schlechteste Zeit hier in Trier. Ich dachte, ich wäre schneller, aber es war ziemlich kalt", sagte die 10 000-Meter-EM-Sechste.

Premiere: Drei Deutsche auf dem Frauen-Podium

Zieleinlauf am Trierer Hauptmarkt: Der Sieger Micah Kogo aus Kenia im Konfetti-Regen. TV-Foto: Willy Speicher



Wie bei den deutschen Crosslauf-Meisterschaften sicherte sich Anna Hahner, die stärkere der Hahner-Zwillinge aus der Nähe von Fulda, in 16:56 Minuten den zweiten Platz. Lisa Hahner wurde Vierte. "Vergangenes Jahr mit Haile war natürlich der Hammer. Aber auch diesmal haben die Zuschauer super angefeuert, und die vielen Trommlergruppen an der Strecke - einfach genial", sah die 21-jährige Anna Hahner keinen allzu großen Unterschied zwischen dem Jubiläums- und dem 21. Silvesterlauf. Mit der Junioren-WM-Vierten Gesa Krause (Frankfurt) schaffte einer der hoffnungsvollsten Nachwuchsläuferinnen in 16:58 Minuten den Sprung aufs Siegertreppchen. Es war das erste komplett deutsche Frauen-Podium in der Silvesterlauf-Historie.

Sieben Jahre lang mussten die Fans warten, bis es im Bitburger-Asselauf der Männer endlich wieder ein Deutscher unter die besten Drei schaffte. Arne Gabius (Tübingen) distanzierte im Endspurt den viermaligen polnischen Meister Mariusz Gizynski in 23:19 Minuten um drei Sekunden. Der Tatsache, dass der Kenianer Micah Kogo, bis September 2009 Weltrekordhalter im Zehn-Kilometer-Straßenlauf, zum zweiten Mal nach 2008 gewann, konnte der Tübinger sogar Gutes abgewinnen: "Konfetti im Gesicht ist das Besondere an Trier", sagte Gabius. "Aber Micah Kogo hat das Konfetti von uns ferngehalten. Als wir kamen, hatte die Zuschauer das meiste schon verballert", war der EM-Zwölfte über 5000 Meter froh, nicht allzu viele Papierschnipsel abbekommen zu haben.

Kogo blieb in 22:57 Minuten deutlich über dem 13 Jahre alten Streckenrekord seines Landsmanns Isaac Kariuki (22:21 Minuten). "Es war kalt und etwas rutschig in den Kurven", sagte Kogo. Der Afrikaner wunderte sich jedoch auch, in welch gutem Zustand die Strecke war. "Die Leute haben hart gearbeitet, damit wir laufen können", lobte der Olympia-Bronzemedaillengewinner von Peking die Mitarbeiter der Trierer Stadtreinigung. Als Kogo am vergangenen Montag in Trier eintraf, lag der Schnee noch hoch auf dem Ein-Kilometer-Rundkurs. An Silvester war die Strecke sozusagen besenrein.