Trierer Stadtlauf: Heiße Sekunden-Entscheidungen

Über 3000 Läufer im Ziel : Trierer Stadtlauf: Heiße Sekunden-Entscheidungen

Die Bedingungen für mehr als 3000 Läufer waren beim 36. Trierer Stadtlauf besser als gedacht. Den Halbmarathon gewannen eine Luxemburgerin und ein Belgier, über zehn Kilometer waren eine Polin und ein Äthiopier am schnellsten.

Gut, dass Nicolas Klein so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Die Sekunden tickten am Sonntagmorgen wie der Countdown einer Zeitbombe. Spätestens um 9 Uhr musste der Halbmarathon des 36. Trierer Stadtlaufs gestartet sein. Sonst kein Versicherungsschutz, hatte der Leichtathletik-Verband Rheinland gedroht. Wenige Minuten vor der Deadline stand Klein mitten auf der Straße vor der Porta Nigra, redete mit der Polizei, telefonierte. Die Strecke war noch nicht frei. „Da ist jemand umgezogen und hat sich geweigert, den Umzugswagen zur Seite zu fahren“, erzählte er. Erst Polizei mit Martinshorn brachte die Einsicht, dass der Wagen für zwei Stunden von der Laufstrecke verschwand.

Die Verzögerung brachte das fragile Gebäude des wegen der Hitze in Windeseile neu gezimmerten Stadtlauf-Zeitplans ins Wanken, aber nicht zum Einsturz. Der Start des Zehn-Kilometer-Laufs verschob sich ebenso wie der des 5400-Meter-Laufs. Um 9.57 Uhr waren alle Läufer auf der Strecke. 10 Uhr ist die späteste zugelassene Startzeit bei Hitze für Rennen unter 20 Kilometer Länge.

Impressionen vom Stadtlauf Trier 2019

Natürlich ging es auch unter den Teilnehmern um Sekunden. Am meisten strecken musste sich Roger Königs. „Die letzten drei Kilometer waren richtig brutal“, erzählte der ehemalige belgische Hindernislauf-Vizemeister. 18 Kilometer lang war er Seite an Seite mit dem Trierer Martin Müller gelaufen. „Ich musste dann stehen bleiben. Ich hatte einen Krampf“, erzählt der dreifache Familienvater. Meter um Meter zog Müller weg. Aber Königs gab nicht auf. „Ich habe mich gedehnt und dann fing die spannende Aufholjagd an.“ Einen Kilometer vor dem Ziel war Königs wieder an dem Läufer der LG Meulenwald Föhren dran – und spielte seine Fähigkeiten aus alten Tagen als Mittelstreckler gnadenlos aus.

Nach exakt 75 Minuten lief Königs mit zwölf Sekunden Vorsprung vor einem aber keineswegs enttäuschten Lokalmatadoren ins Ziel. „Heute Morgen, als ich aufgestanden bin, war ich sehr, sehr aufgeregt. Danke an alle, die uns angefeuert haben“, rief Müller beim Interview mit Zielmoderator Artur Schmidt euphorisch ins Mikrophon. Mit Markus Wolff vom Lauftreff Schweich (1:17:01) und dem Trierer Traillauf-Spezialisten Kai Merten folgten zwei weitere Läufer aus der Region auf dem dritten und vierten Platz. „Die Bedingungen waren viel besser als erwartet. In der ersten Runde des Halbmarathons sind wir gut durchgekommen, und in der zweiten war es auch noch nicht zu warm“, erzählte Merten, der trotz der sommerlichen Temperaturen in 1:17:21 Stunden seine persönliche Bestzeit sogar um drei Minuten nach unten schraubte.

Frauen-Siegerin Jessica Schaaf pflichtete ihm bei. „Ich habe es etwas langsamer angehen lassen und mich deshalb bis zum Schluss gut gefühlt. Es war sehr heiß, aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Die Verpflegung war gut, gerade mit den Duschen auf der Strecke“, erzählte die 31-Jährige aus Luxemburg. In 1:23:24 Stunden distanzierte sie die Ungarin Zsanett Móczó (1:23:48) und die Französin Nathalie Tavernier (1:25:04). Das Zehn-Kilometer-Rennen gewann der aus Äthiopien stammende und in Luxemburg lebende Yonas Kinde in 31:27 Minuten und die ebenfalls im Großherzogtum wohnende Polin Dagna Sztykiel in 38:44 Minuten. Chiara Bermes vom Post-Sportverein Trier sicherte sich in 39:17 Minuten den Stadtlauf-Vizetitel (siehe Artikel unten) vor der Luxemburgerin Karin Schank (39:44).

Trotz rekordverdächtiger Hitze kamen wieder mehr als 3000 Stadtläufer ins Ziel. Der Sanitätsdienst von Arbeiter-Samariter-Bund, Rotem Kreuz und Malteser Hilfsdienst erlebte trotz der außergewöhnlich hohen Temperaturen einen normalen Stadtlauf-Einsatz. „Weniger als erwartet“ und „nicht signifikant mehr oder weniger“ als in anderen Jahren, lautete das Fazit der Einsatzleitung.

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