Erster Stadtlauf mit vier, Sieg mit 14

Zehnmal in Folge beim Trierer Stadtlauf mitzumachen, ist eine schon eine Leistung. Erst recht, wenn derjenige erst 14 Jahre alt ist, wie Giulio Ehses. Der Gewinner des Volksfreund-Jugendlaufs ist ein sportliches Multitalent.

"Ich bin eigentlich schon mein ganzes Leben gelaufen." Was Giulio Ehses da sagt, klingt wie aus dem Mund eines Marathon-Veteranen. Doch Giulio Ehses ist gerade einmal 14 Jahre alt. Die Aussage stimmt trotzdem. Seit er vier Jahre alt ist, läuft der Junge aus dem Trierer Stadtteil Biewer beim Volksfreund-Jugendlauf im Rahmen des Trierer Stadtlaufs mit. Beim ersten Mal benötigte er für die damals 2150 Meter lange Strecke 13 Minuten und 14 Sekunden und war der mit Abstand jüngste Teilnehmer. Am vergangenen Sonntag, zehn Jahre später, feierte er seinen bisher größten Erfolg als Schnellster unter 341 Mädchen und Jungen.

So richtig zufrieden ist Giulio Ehses aber nicht. "Ich wollte eigentlich unter fünf Minuten laufen", erzählt er. Aber weil es bei den Jugendlichen kein Führungsfahrzeug gab, verpasste er die Abzweigung an der Schellenmauer und lief einige Extrameter mit den Fünf-Kilometer- und Halbmarathonläufern, die noch weiter geradeaus mussten. Ehses musste erst wieder den späteren zweitplatzierten Alexander Shehada vom FSV Tarforst überholen, um als Erster durch die Zuschauermassen vor der Porta Nigra zu laufen. "Da bekommt man schon eine Gänsehaut", sagt er. Aber wegen der zu viel gelaufenen Meter stoppte die Uhr erst nach 5:40 Minuten. "Über die Zeit ärgere ich mich."

Der Schüler der siebten Klasse des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums ist ehrgeizig und immer in Bewegung. Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke musste schon immer etwas mit Sport zu tun haben. Dieser Bewegungsdrang wurde Giulio Ehses in die Wiege gelegt. Sein Vater Jörg war ein erfolgreicher Triathlet. Über die Ironman-Distanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren, Marathonlauf über 42,195 Kilometer) kratzte er an der Neun-Stunden-Schallmauer (Bestzeit 9:05:57 Stunden) und qualifizierte sich 2005 für die Weltmeisterschaft auf Hawaii. Den Weg zum Spielplatz habe er mit dem vierjährigen Giulio laufend zurückgelegt, erinnert sich Jörg Ehses. Spielerisch: "Jetzt überholt Papa, jetzt überholt Giulio."

Eine weitere Gemeinsamkeit von Vater und Sohn ist der Fußball. Als Mittelfeldspieler absolvierte Jörg Ehses einige Freundschaftsspiele in der ersten Mannschaft des FSV Salmrohr. Giulio spielte vergangene Saison im C-Junioren-Rheinlandliga-Team von Eintracht Trier und schoss drei Tore. Doch ob er weiter dem Ball hinterher rennt, oder sich auf das Leichtathletiktraining beim Post-SV Trier konzentriert, weiß er noch nicht. Triathlon wäre ein Ziel, überlegt er. Der Apfel fällt halt nicht weit vom Stamm.