Läuferin, Fußballfan und Glücksfee

Im Ziel habe sie fast geweint vor Glück, sagte Yvonne Jungblut nach dem Gewinn des RWE-Zehn-Kilometer-Laufs. Die 35-Jährige stand genau zehn Jahre, nachdem beim Trierer Stadtlauf ihre Karriere begann, ganz oben.

Trier. Gestern war es das rote Vereinstrikot ihres Arbeitgebers. Doch in diesen Tagen steht die Bankangestellte Yvonne Jungblut, die für den Jahreswechsel einen Vereinswechsel von Spiridon Hochwald zum Lauftreff Schweich angekündigt hat, zuweilen auch schwarz-weiß gekleidet im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft an der Startlinie.
Fußball, das ist seit ihrem 13. Lebensjahr (als Deutschland zuletzt Weltmeister wurde) neben dem Ausdauersport die zweite Leidenschaft der Triererin. "Ich bin nicht nur Eventgucker. Ich interessiere mich auch sonst für Fußball und kann gut mitreden", sagt Jungblut. Als Glücksfee loste sie die Partie Trier-Koblenz im Rheinlandpokal aus. Aber selbst gespielt hat sie nie. "Für Fußball hätte ich wohl weniger Talent gehabt", sagt die 35-Jährige.
Dafür schnürt sie seit zehn Jahren die Laufschuhe. "Eine gute Freundin von mir wollte beim Trierer Stadtlauf zehn Kilometer mitlaufen. Und ich habe gewettet: Das schaffe ich auch!", erzählt die aus Konz-Oberemmel stammende Bankangestellte. Statt sporadisch ab und zu fünf Kilometer zu traben, bereitete sich Jungblut drei Monate lang intensiv vor. Beim Stadtlauf lief sie 48 Minuten - und überholte ihre Freundin. "Sie hat es mir nicht übelgenommen. Ich bin jetzt Patentante eines ihrer Kinder", erzählt Jungblut.
Zurück auf 10 Kilometer


Die damals 25-Jährige hatte Blut geleckt, nahm im Laufe des Jahres 2002 noch an mehreren Volksläufen teil und steigerte sich auf 44 Minuten. Ein Jahr später kam der Kontakt zum damaligen Trainer von Spiridon Hochwald, Ottmar Schreiber, zustande und Jungblut begann leistungsorientiert zu trainieren. Die Bedeutung des Trierer Stadtlaufs für sie? Ganz klar: "Ich fühle mich jedes Mal an die Anfänge erinnert."
In den vergangenen beiden Jahren lief Jungblut immer Halbmarathon. Dass sie diesmal wieder auf die zehn Kilometer umschwenkte, begründet sie kurioserweise mit der Leistungssteigerung in diesem Jahr. Um fast eine Minute, auf 36:30 Minuten, steigerte sich die westdeutsche Halbmarathonmeisterin des Jahres 2011 über zehn Kilometer.
"Seit Herbst letzten Jahres haben wir versucht, regelmäßig einmal pro Woche Koordination zu machen und an der Grundschnelligkeit zu arbeiten", erklärt Jungblut das neue Konzept, das sie mit Trainer und Freund Dirk Engel aus Schweich umsetzt. So kämen aber nicht mehr die Wochenkilometerumfänge (im Schnitt 70) zusammen, die sie für einen guten Halbmarathon (Bestzeit: 1:24:39 Stunden) für nötig halte - dafür aber ein Stadtlauf-Sieg. teu