Richtiges Laufen will gelernt sein

Es ist viel los im altehrwürdigen Waldstadion. Rund 60 Hobbyläufer, Leser und Mitarbeiter des Trierischen Volksfreunds, trainieren nach den Plänen der Laufexperten von getFit für den 5,4-Kilometer-, Zehn-Kilometer- oder Halbmarathonlauf beim Trierer Stadtlauf. Die Bandbreite derer, die sich treffen, ist groß, vom Anfänger und Wiedereinsteiger bis zum erfahrenen Marathonläufer.

Bei Anton, genannt Toni Schnell sollte der Name beim Laufen Programm sein - meint man. Doch der 54-Jährige, der seit neun Jahren läuft, schon Marathons und beim Hospizlauf innerhalb von 24 Stunden 130 Kilometer zurückgelegt hat, will nicht unbedingt schneller werden. "Mein Problem besteht darin, ich werde zu schnell", erzählt der Trierer. Seine Laufpartner hätten sich beschwert, dass er immer das Tempo anziehe. Seit er in der TV-bewegt-Halbmarathongruppe bei getFit-Cheftrainer Jens Nagel trainiert, laufe er bewusster. "Ich habe mir endlich eine Uhr angeschafft." Zeigt die mit GPS-gesteuerten Entfernungsmesser ausgestattete Uhr eine zu hohe Geschwindigkeit an, tritt Toni Schnell auf die Bremse.
"Ich will lernen, mit Kopf zu laufen", sagt er. Dazu gehört nicht nur, dass Toni Schnell nun sein Lauftempo kontrolliert, sondern auch die Vorbereitung aufs Training. Bevor er läuft, wärmt sich Toni Schnell mit gymnastischen Übungen auf. "Früher bin ich raus aus der Haustür und direkt Vollgas", erzählt er. So wie er es jetzt praktiziere, sei es aber viel angenehmer zu laufen: "Ich komme richtig entspannt zurück, so dass ich weiterlaufen könnte, wenn die Frau nicht daheim mit dem Essen warten würde."
Klaus Gerhard nimmt seine Frau zum Training gleich mit. Der 71-Jährige aus Landscheid (Kreis Bernkastel-Wittlich) will nach einer schweren Erkrankung wieder mehr Körpergefühl bekommen und ist begeistert, wie Trainer Daniel Jacoby die Einsteiger auf die 5,4-Kilometer-Distanz beim Stadtlauf vorbereitet. "So wie die Trainingspläne aufgebaut sind, kommt man gut zurecht, ohne irgendwelche Malessen mitzuziehen", erzählt Gerhard. Ihm gefällt, dass es nicht nur ums Laufen geht, sondern der gesamte Körper mit Dehn- und Kräftigungsgymnastik trainiert wird.
Die Gruppe sei für den Einstieg ein großer Motivationsfaktor. Außer dienstags in Trier, sondern auch freitags und sonntags zu Hause in der Eifel die Laufschuhe zu schnüren. "Wir haben eine schöne Laufstrecke durch den Wald von Niederkail nach Bruch gefunden", erzählt der gebürtige Trierer. Die Der-TV-bewegt-Aktion und der Trierer Stadtlauf könnten für ihn und seine Frau Anne erst der Anfang sein, kann sich Klaus Gerhard vorstellen. "Wenn wir an der Sache dranbleiben, macht man vielleicht auch weitere Läufe mit", überlegt er bereits.
Das erste Mal bei einem Stadtlauf am 29. Juni dabei sein will auch Dagmar Welter. "Es ist mein Ziel, einfach mal zehn Kilometer zu schaffen", sagt die 51-Jährige aus Trierweiler. Sporadisch sei sie bisher sechs Kilometer gejoggt. Sie könne dabei gut abschalten vom Alltagsstress. Dann bewarb sie sich um einen Platz in der Gruppe "Von 5 auf 10" von Trainer Marc Kowalinski.
Als sie zum ersten Training kam, sei sie richtig aufgeregt gewesen. Nicht ganz zu unrecht, denn es kam einiges auf sie zu, was sie bisher nicht kannte: Intervall- und Treppenläufe zum Beispiel. Das sei natürlich anstrengend, sagt Dagmar Welter, "aber auch total spannend. Ich merke bei mir den Ehrgeiz: Du willst das schaffen."
Vor ihrem Stadtlauf-Debüt habe sie ein wenig Bammel, gibt Dagmar Welter zu. Dass sie zu schnell loslaufe oder in der Masse die Tempo-Orientierung verliere. Aber bis Ende Juni stehen ja noch einige Trainingseinheiten an und Marc Kowalinski werde sie schon gut auf den Lauf vorbereiten.