Stadt sagt Nein zu Firmenlauf

Wird es in Trier bald einen eigenständigen Firmenlauf geben, oder bleibt es bei einer Idee? An dem Projekt einer Agentur scheiden sich die Geister.

Trier. Schenkt man den offiziellen Teilnehmerzahlen Glauben, erfreuen sich Firmenläufe in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Bei diesen Läufen gehen Teams mit mehreren Mitarbeitern eines Unternehmens, einer Behörde oder einer Schule an den Start. Im Vordergrund stehen das Gemeinschaftserlebnis und der Gesundheitsgedanke. Die kurzen Distanzen (oftmals fünf Kilometer) können auch viele Ungeübte meistern.

Der Firmenlauf in Frankfurt verzeichnete 2009 rund 70 000 Starter. Die Ergebnisliste des saarländischen Firmenlaufs in Dillingen wies im vergangenen Jahr knapp 15 000 Starter aus. Im Jahr 2008 gab's erstmals den Firmenlauf Pfalz in Kaiserslautern. Damals am Start: 3200 Läufer. In diesem Jahr hoffen die Macher auf 8000 bis 9000 Teilnehmer.

Organisiert wird der Pfalz-Lauf von der Saarbrücker Marketing-Agentur niedermeier+. Sie will nun auch in Trier einen Firmenlauf auf die Beine stellen. "Die Region Trier mit dem angrenzenden Großherzogtum Luxemburg bietet ein ideales Einzugsgebiet. Das Konzept tut niemandem weh. Schon bestehende andere Laufveranstaltungen werden profitieren, da über einen Firmenlauf Menschen neu zum Sporttreiben gebracht werden. Das ist auch gut für die Sportvereine", sagt Agenturchef Ralf Niedermeier. Seine Vision: "Wir könnten in Trier in drei, vier Jahren einen Firmenlauf mit 10 000 Läufern haben." Verschiedene Streckenverläufe liegen bereits in der Schublade.

Geht es nach der Agentur, hätte es schon in diesem Jahr die Premiere geben sollen. Am Donnerstag, 2. September, 18 Uhr. Um ihr Konzept umzusetzen, braucht sie die logistische Unterstützung von Stadt und Vereinen. Dort herrscht indes Skepsis. Das Trierer Sportamt hat daher nach Auskunft der städtischen Pressestelle keine Genehmigung erteilt — und beruft sich dabei auf Einschätzungen der Stadtlauf- und Silvesterlauf-Vereine sowie von Günter Heidle, Veranstaltungskoordinator beim PST Trier und zugleich Vorsitzender des Leichtathletikkreises Trier-Saarburg. "Beide Vereine und der Vorsitzende waren der Auffassung, dass die Genehmigung einer weiteren Laufveranstaltung zu einer Übersättigung führt und vor allem hinsichtlich des für derartige Läufe unverzichtbaren Sponsorings Interessenskonflikte entstehen, die letztendlich der Qualität der beiden traditionellen Trierer Laufveranstaltungen abträglich sind", heißt es seitens der Stadt.

Agentur will 2011 einen neuen Anlauf unternehmen



Beim Thema Finanzierung schrillen vor allem beim Verein Trierer Stadtlauf die Alarmglocken. "Der Kuchen potenzieller Geldgeber in der Region Trier ist nicht so groß. Es ist schon so schwer genug, neue Partner zu finden", sagt Nicolas Klein, einer der beiden Vereinsvorsitzenden. Er verweist zudem darauf, dass im Stadtlauf bereits ein Firmenlauf integriert ist. Er wird in diesem Jahr zum dritten Mal ausgetragen. 2009 waren dort rund 600 Läufer am Start.

Die Agentur verweist auf ihre Zusage, nicht im Sponsorenpool von Stadtlauf und Silvesterlauf wildern zu wollen.

Beim Silvesterlauf-Verein sieht man die Sache etwas entspannter, gleichwohl hinterfragt auch er den Bedarf eines Firmenlaufs. "Ich wage zu bezweifeln, ob Trier groß genug ist, um dort einen Firmenlauf tragfähig organisieren zu können", sagt Vereinschef Berthold Mertes.

Günter Heidle argumentiert: "Wir haben schon einen sehr umfangreichen Laufkalender. An den meisten Wochenenden ist im Umkreis von 70 Kilometern rund um Trier schon unheimlich viel los. Die Agentur bräuchte vor Ort Helfer von Vereinen wie uns. Wir haben aber schon genug Arbeit."

Zudem schwingt die Furcht vor einer Ungleichbehandlung mit. Hier die kommerzielle Agentur, die mit einer Veranstaltung Geld verdienen will, und dort zwei Clubs, die mittels ehrenamtlichen Engagements den Stadtlauf und den Silvesterlauf auf die Beine stellen — ohne Gewinnstreben.

Auf Anfrage teilt die Stadt mit: "Sollte seitens der Stadt Trier der auf rein kommerzieller Basis organisierte Firmenlauf dennoch genehmigt werden und sich die befürchtete Abwertung der eigenen Läufe bestätigen, wird seitens der Vereine in Erwägung gezogen, das intensive ehrenamtliche Engagement infrage zu stellen beziehungsweise einzuschränken."

Davon unbeeindruckt zeigt sich die Agentur, die ihre Pläne weiterverfolgen wird. Niedermeier: "Wir nehmen für 2011 einen neuen Anlauf. Wir sehen in dem Firmenlauf auch ein attraktives Stadtmarketing für Trier."