Über felsige Pfade zum Stadtlauf

Nach zehn Trainingswochen für den Trierer Stadtlauf (27. Juni) sind die rund 60 Läufer von "Der TV bewegt" auf die Zielgerade eingebogen. Der Weg zum Ziel ist zuweilen steinig und steil.

Trier. (teu) "Wir sind heute einen total anstrengenden Berg gelaufen", berichtet Sabine Christmann. Einen Crosslauf über den Felsenpfad im Weißhauswald hatten die Trainer Michael Plaul und Guido Streit für den schwülen Abend ausgesucht. Christmann gefiel die anspruchsvolle Strecke. "Am liebsten würde ich den Berg dreimal laufen, damit ich weiß, was mich erwartet", sagt die Konzerin. "Zehn Kilometer schaffe ich. Das weiß ich. Ich möchte schneller werden", sagt die seit 15 Jahren laufende Frau zu ihren Zielen beim Trierer Stadtlauf. Im Training mit den Laufexperten von "Get fit" habe sie gelernt, ihre Pulsuhr einzusetzen und nach Herzfrequenz zu trainieren. Außerdem hätten sich ihre Körperhaltung und — speziell durch das Training am Berg — ihre Armhaltung verbessert.

Eine ökonomischere Lauftechnik ist ein Effekt von Berg- oder Hügeltraining. "Bei Bergläufen geht es nicht ums Tempo, sondern um die Kraftausdauer und ums Mentale", sagt Plaul. Der Krafttrainingseffekt wirkt anders als beim Gerätetraining zielgenau auf die spezielle Laufmuskulatur. Der Laufstil, auch in der Ebene, wird dynamischer. Der für die Vorwärtsbewegung wichtige Gesäßmuskel, der hintere Oberschenkelbeuger und der Rückenstrecker werden geschult. Durch den notwendigen stärkeren Fußabdruck wird auch die vordere Oberschenkelmuskulatur besonders trainiert. Fast zwangsläufig intensiviert der Läufer am Berg den Armeinsatz. Der Kraftgewinn ermöglicht eine höhere Knieführung und damit längere und schnellere Schritte. Die 2004 verstorbene neuseeländische Trainerlegende Arthur Lydiard, der zahlreiche Olympiasieger hervorbrachte, zählte Hügeltraining zur effektivsten Methode, um schnell in Form zu kommen.

Schnell in Form kamen unter der Anleitung von Jens Nagel auch die Anfänger. "Wir sind heute dreimal zwölf Minuten mit zwei Minuten Gehpause gelaufen. Das hat super funktioniert", freut sich der Get-fit-Chef.

Nach vielen vergeblichen Versuchen hat durch Nagels Anleitung auch Hermann Fassean Spaß am Laufen gefunden. "Ich bin jetzt das erste Mal so weit, dass ich längere Zeit laufen kann, ohne dass ich einfach keine Lust mehr habe weiterzulaufen", berichtet der 59-Jährige.

Nagel achtet darauf, dass sich seine Schützlinge nicht überfordern. "Wenn man bedenkt, dass wir mit einer Minute Laufen und einer Minute Gehpause angefangen haben, ist unser jetziger Stand super", sagt der Trainer vom mühseligen Beginn. Außer dem systematischen Aufbau sieht Gaby Trampert noch weitere Punkte, die zum Erfolg führen: "Das Gute am Training ist die Motivation durch Jens und die Leute", sagt die passionierte Reiterin, die bisher nur sporadisch "maximal zehnmal im Jahr" die Laufschuhe schnürte.