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Laufen
Vor 30 Jahren musste der Sieger sein Auto schieben

Premierensieger Wilfried Hermesdorf von der TG Konz (hier im Jahr 2004) ist der einzige Läufer, der am 21. Oktober 2018 bei der 30. Auflage des Ralinger Sauertallaufs 30 Mal dabei war.
Premierensieger Wilfried Hermesdorf von der TG Konz (hier im Jahr 2004) ist der einzige Läufer, der am 21. Oktober 2018 bei der 30. Auflage des Ralinger Sauertallaufs 30 Mal dabei war. FOTO: Holger Teusch
Ralingen. Nach 30 Jahren findet am 21. Oktober zum letzten Mal der Sauertallauf mit Start und Ziel in Ralingen statt. Es fehlt an einem Nachfolger für Organisationsleiter Peter Becker. Wilfried Hermesdorf startet als einziger zum 30. Mal. Von Holger Teusch

(teu) An die Nacht vom 30. auf den 31. Juli 1988 kann sich Wilfried Hermesdorf noch erinnern, als sei es gestern gewesen. Am frühen Abend dieses Sommertag gewann der Konzer die Premiere des Ralinger Sauertallaufs über zehn Kilometer in 31:59 Minuten im Spurt vor Peter Könen (PSV Wengerohr/32:00). Das ging schnell!

Was dann kam, dauerte etwas. Zunächst die Siegerehrung. Bei seiner Lauf-Premiere kämpfte der FSV Ralingen mit der EDV mindestens so hartnäckig, wie Hermesdorf mit Könen um den Sieg. Aber der Abend am Sauerufer war mild, die Stimmung gut. Erst kurz nach Mitternacht kletterte Hermesdorf vom Siegerpodest und stellte den großen Präsentkorb in sein Auto, drehte den Schlüssel - und nichts tat sich. Hektisch rief der damals 30-Jährige ein paar Lauffreunde. "Wir haben das Auto durchs halbe Dorf geschoben", erzählt er. Dass der Wagen trotzdem nicht ansprang, lag nicht an müden Läuferbeinen. Hermesdorf fuhr einen Diesel. Dass der sich praktisch nicht anschieben lässt, vergaßen die Läufer so spät in der Nacht. Hermesdorf muss sich von einem Lauffreund nach Hause fahren lassen.

Mehr als 30 Jahre später wird Hermesdorf am 21. Oktober wieder in Ralingen am Start stehen. Um den Gesamtsieg wird der mittlerweile 61-Jährige natürlich nicht mehr mitkämpfen. Aber immer noch um einen der vordersten Plätze in der Altersklassenwertung. Der Sauertallauf war für ihn immer ein gesetzter Termin. Nicht einmal hat Hermesdorf gefehlt. "Für Ralingen habe ich immer frei gemacht", sagt er. Aber nach der 30. Auflage wird Schluss ein. Nachdem der FSV Ralingen schon 2014 ein Jahr Pause eingelegt hat, wird endgültig Schluss sein, sagt Peter Becker. „Es liegt nicht an den Helfern“, sagt der Vereinsvorsitzende. Aber es finde sich niemand, der an Stelle des Vereinsvorsitzenden als Kopf des Lauf-Organisationsteams einspringen will. „Ich bin einer der wenigen, die so etwas seit den 80er Jahren machen. Aber irgendwann muss man sagen: Es reicht!“, erklärt der 60-Jährige.

„Wir sind alle traurig, aber es ist die richtig Entscheidung“, glaubt Becker. In drei Jahrzehnten kam nur Hermesdorfs Auto in Ralingen nicht in die Gänge. Gelaufen wurde im Sauertal immer flott. Die Streckenrekorde von 29:30 Minuten und 33:54 Minuten sind Hausnummern - wenn am 21. Oktober nichts Außergewöhnliches passiert wohl für die Ewigkeit. Unvergessen: 2005 lief die damals 20 Jahre alte Christina Mohr in 35:05 Minuten Zehn-Kilometer-Bezirksrekord. Immer gefeiert: die Ralinger Lokalmatadorin Heidi Schneider.

Vom Ablauf her ist der vom Trierischen Volksfreund präsentierte Ralinger Sauertallauf seit 2015 die wohl kompakteste Laufveranstaltung der Region. Nach dem Sabbatjahr wechselte man den Termin, vom Sommer in den Herbst, vom Samstagabend auf den Sonntagvormittag. „Früher wurde oft gesagt, bei uns sei es immer so heiß“, erklärt Becker. Das Zehn-Kilometer-Rennen führt nahezu identisch wie 1988 auf der flachen Wendepunktstrecke zum Ortsteil Wintersdorf und zurück (Start: 11 Uhr) und zählt als vorletztes Wertungsrennen zum Bitburger 0,0% Läufercup. Außerdem gibt es nur noch einen Frühstückslauf über drei Kilometer (Start: 10.15 Uhr). Der Clou dabei: im Startgeld ist das Frühstück (Heißgetränk und Stück Kuchen) enthalten.

Weitere Informationen und Anmeldung im Internet.