"Mein Körper ist mir heilig"

Den BMW Cloppenburg X-Duathlon im Jahr 2010 wird Claudia Fusaro nie vergessen. Als bisher einzige Sportlerin aus der Region konnte sie das Rennen gewinnen. Es war ihr letzter sportlicher Erfolg, bevor ihr letztlich erfolgreicher Kampf gegen den Brustkrebs begann. Am Sonntag organisiert Fusaro die vom Volksfreund-Laufportal präsentierte Veranstaltung mit.

Trier. Es war der 19. Februar 2010. Claudia Fusaro hatte eine Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung. Routine. Ihre Mutter war bereits erkrankt. Die Ironman-Triathletin von Tri-Post Trier weiß, wie wichtig Früherkennung ist.
Dann sagte die Ärztin: "Da ist was." "Ich sehe sie vor mir stehen. Das sind Momente, die vergisst man nicht", sagt Fusaro. Der Rest sei gewesen wie im Film: die Untersuchungen, die Gespräche. Den Trierer X-Duathlon zwei Tage später habe sie "mit Wut im Bauch" gewonnen.
Nach dem sportlichen Kampf begann der gegen den Krebs. Immer mit dem Schlimmsten rechnen, lautet Fusaros Motto. Schon vor der Operation, bei der der nur sechs Millimeter große Tumor (Fusaro: "Es war eine glückliche Fügung, dass der überhaupt entdeckt wurde") entfernt wurde, und der Biopsie war sich die damals 41-Jährige sicher: "Da kommt ein bösartiger Befund."
Fusaro hatte aber auch den Willen zu kämpfen. "Ich wollte genau da hin, wo ich schon mal war", erzählt sie. Es sei wie beim Training: Das Wichtigste ist ein Ziel. Für die Triathletin hieß das, dass sie wieder laufen, schwimmen und Fahrradfahren wollte.
Dass Fusaro auch während der Krebsbehandlung Sport treiben wollte, stieß zuweilen auf Unverständnis: "Manche standen wie ein Fragezeichen vor mir, wenn ich nach Sport fragte: Hat die keine anderen Probleme?" Sie wurde aber auch bestärkt. Wenn Sport die Lebensqualität fördere, dann solle sie das machen, habe ihr ein Professor gesagt.
Allerdings: "Nach der Chemo ist mir das Sporteln vergangen. Die Blutwerte gehen in den Keller, man wird schlapp. Ich bin drei Kilometer gelaufen und musste zurück gehen. Das hat weder Spaß gemacht noch irgendetwas gebracht", erzählt die Frau, die 2005 den abschließenden Marathonlauf (42,195 Kilometer) beim Ironman auf Hawaii in rund vier Stunden bewältigte. Statt beim Sport fand Fusaro Ablenkung bei ihrer Arbeit in Bitburg. "Ich hätte die schwere Zeit nicht überstanden ohne meine Chefs und Kollegen bei Fischer Home", sagt Fusaro.
Ihre sportliche Erfahrung half ihr aber durch sechs Durchgänge Chemotherapie. Zum einen wegen ihrer Fitness. Zum anderen mental: "Ich habe mir das eingeteilt, wie ein Rennen. Nach dreimal Chemotherapie habe ich Bergfest gefeiert", erzählt sie. Anfang November 2010 konnte Fusaro wieder an einem Volkslauf teilnehmen. Ein Jahr nach ihrem Sieg stand sie wieder am X-Duathlon an der Startlinie und wurde Fünfte. Im Sommer 2011 erfüllte sie sich mit der Teilnahme am Powerman in Zofingen in der Schweiz, der WM im Langduathlon (zehn Kilometer Lauf, 150 Kilometer Rad, 30 Kilometer Lauf, 6. W40 in 8:59:30 Stunden), einen Traum. Ihre Maxime: "Ich muss nichts erzwingen. Mein Körper ist mir heilig."
Ihre wichtigste Erkenntnis nach dem Sieg gegen den Krebs: "Es ist nichts so schlecht, dass es nicht für irgendetwas gut wäre." Sie habe während der Erkrankung zu sich selbst gefunden und viel über sich gelernt. Und die Bedeutung der Vorsorgeuntersuchungen bestätigt bekommen: "Es ist wichtig, auch als Sportler, dass man nicht dem Trugschluss verfällt und denkt: Ich bekomme so etwas nicht", sagt Fusaro. Denn sonst würde sie am Sonntag beim X-Duathlon vielleicht nicht als Mitorganisatorin am Streckenrand stehen und - wenn es die Zeit erlaubt - vielleicht selbst wieder mitmachen.

Im Internet: www.volksfreund.de/laufen
Extra

Der X-Duathlon: Start für den Volksduathlon ist am Sonntag, 11. März, um 9.30 Uhr im Trierer Weißhauswald. Der Cross der Asse beginnt um 13.30 Uhr. Dazwischen finden auf verkürzter Strecke diverse Kinder- und Jugendwettbewerbe statt. Anmeldung zu allen Läufen der vom Trierischen Volksfreund und seinem Internet-Laufportal präsentierten Veranstaltung unter www.x-duathlon.de. red