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Landestrainer Klaeren: Perspektiven für den Läufernachwuchs schaffen

Leichtathletik : Perspektiven für den Läufernachwuchs schaffen

Seit 2008 koordinierte Klaus Klaeren als ehrenamtlicher Verbandstrainer für die Berufung der Lauf-Nachwuchskader, Lehrgänge und die Koordination zuständig. Jetzt ist für den ehemaligen PST-Vereinstrainer Schluss.

(teu) „Ohne Bewegung geht es nicht“, sagt Klaus Klaeren. Sportlich, auf der Finnenbahn in Mehring, hat der 64-Jährige das Jahr 2021 beendet. Mit dem alten Jahr ging auch die Klaeren-Ära als LVR-Landestrainer Lauf zu Ende. In 13 Jahren hat sich einiges bewegt. Im Interview blickt Klaeren auf den Stellenwert der Ausdauerdisziplinen im Leichtathletik-Verband Rheinland (LVR), die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die Perspektiven im neuen Olympia-Zyklus. Wer auf Klaeren folgt, ist noch nicht bekanntgegeben worden.

Herr Klaeren, nach 13 Jahren hören Sie als LVR-Verbandstrainer auf? Sind sie abergläubisch?

Klaeren: Nein! Das hat in erster Linie mit dem Olympiazyklus zu tun. Der hat sich um ein Jahr verschoben und deshalb habe ich ein Jahr länger gemacht. Mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin hat Zeit nun in die neue Olympia-Vorbereitung hinein zu gehen. Wir haben den Wechsel zu Beginn des neuen Zyklus bewusst gewählt.

Wer immer Ihnen nachfolgt, was werden die großen Herausforderungen?

 Dide Lauf-Kader des Leichtathletik-Verbands Rheinland führen ihr Ostertrainingslager 2018 in Trier durch, statt in die Ferne zu schweifen. - Foto: Holger Teusch
Dide Lauf-Kader des Leichtathletik-Verbands Rheinland führen ihr Ostertrainingslager 2018 in Trier durch, statt in die Ferne zu schweifen. - Foto: Holger Teusch Foto: Holger Teusch

Klaeren: Es ist wichtig, den Stellenwert des Mittel- und Langstreckenlaufs beim Verbands weiter hochzuhalten. Besser: auszubauen. Es ist auch eine Frage, wie beurteilt der DLV die einzelnen Disziplinen bundesweit. Da haben wir durch die Dreiteilung in Rheinland-Pfalz Probleme. Gemeinsam könnten wir im Bundesranking höher stehen und damit auch besser von Fördermitteln profitieren. Hauptamtlich haben wir Landestrainer in der Pfalz für Stabhochsprung, in Mainz und jetzt auch in Neuwied, aber keinen davon für den Laufbereich. Aber das ist der, der die Leichtathletik im LVR ausmacht. Durch Athleten wie Gesa Krause, Majtie Kolberg oder Samuel Fitwi und herausragende Veranstaltungen wie den Silvesterlauf oder auch die Stadionmeetings in Trier.

Was war Ihnen als Landestrainer besonders wichtig?

Klaeren: Als Landestrainer ist man mehr koordinierend tätig als als Vereinstrainer. Man ist im ständigen Austausch mit dem Heimtrainern und berät. In einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz ist es unheimlich wichtig, dass man gute Kollegen in den einzelnen Zellen hat. Wie Lutz Preußner in Dietz, Winfried Wirth in Polch, Yannik Duppich in der Eifel, Erik Schmidt in Birkenfeld oder Marc Kowalinski in Trier. Ohne die, ist man sonst als Landestrainer aufgeschmissen.

Etliche in der Jugend erfolgreichen Läufer aus der Region wie beispielsweise Guido Streit, Michael May oder Carlo Schuff zog es früher nach Schule und Ausbildung zu Großvereinen. 2017 kam aber sogar eine Weltklasseläuferin wie Gesa Krause zum Verein Silvesterlauf Trier …

Klaeren: Gesa Krause ist natürlich ein Spezial- und Glücksfall. Für die Talente, die in LVR-Vereinen aufwachsen muss es aus meiner Sicht mittelfristig gelingen, sie durch entsprechende Förderung auf Dauer im Verband zu halten. Dazu gehört, dass man berufliche und Ausbildungsperspektiven schafft. Es kommen ja immer noch Angebote von außen, wo Vereine vermeintlich bessere Strukturen haben und ein bisschen mehr bieten können. Aber ich glaube, wir können dagegen halten durch die Qualität der Trainer, aber auch die gute Infrastrukturen in den Städten. Wobei: Wir haben den Landesstützpunkt Lauf in Trier und ich hätte nichts dagegen, wenn wir irgendwann auch eine Leichtathletikhalle kriegen würden.

Als Jugendlicher waren sie bei der LG Vulkaneifel als Läufer erfolgreich, bevor Sie als einer der deutschen Triathlon-Pioniere 1984 in der damals noch blutjungen Sportart Europameister wurden. Wie hat sich das Training im Ausdauersport seitdem entwickelt?

Klaeren: In den 1980ern wurde sehr viel und sehr schnell gelaufen, aber der Rahmen war nicht so optimal und professionell. Die Möglichkeiten der Leistungsdiagnose und Trainingssteuerung haben sich seitdem enorm verbessert. Dazu kommt der ganze Bereich der Koordinationsarbeit und des Stabilisationstrainings. Diese Elemente haben in den letzten Jahren eine zunehmende Wertigkeit erfahren. Aber: Die diagnostischen Möglichkeiten geben mittlerweile viele Anhaltspunkte, im Endeffekt ist immer noch der Trainer entscheidend für den richtigen Einsatz von Belastung und Pausen, aber auch für die Saisonplanung. Man hat immer wieder Athleten, die bei irgendeinem Rennen eine gute Zeit laufen, aber die bei keiner Meisterschaft irgendeine Rolle spielen. Da spielen die Trainer eine ganz, ganz große Rolle.

Hat Corona die positive Entwicklung gestoppt?

Klaeren: Bei unseren Kaderathleten nicht: Im Gegenteil! Die haben alle durchgezogen. Die Trainer konnten sich vielleicht sogar noch ein bisschen mehr um ihre Topathleten kümmern, weil das Training in großen Gruppen nicht möglich war. Für die Breite und den Nachwuchs war es deutlich schwieriger. Wobei wir als Läufer ja die ganze Zeit draußen trainieren konnten. Wir hatten ja einen Riesenvorteil gegenüber den Mannschaftssportarten, wenn ich an Handball und Basketball denke. Oder an unsere Sprinter oder Werfer, die bestimmte Sachen im Winter ja draußen gar nicht vernünftig trainieren konnten. Da waren wir als Läufer schon in einer komfortablen Situation.

Was werden Sie nun ohne Kaderlehrgänge, die vielen Telefonate und Wettkampfbesuche als Landestrainer mit der zusätzlichen Zeit anfangen?

Klaeren: Langweilen werde ich mich auf keinen Fall. Ich werde die Zeit nutzen, wieder selbst mehr Sport zu machen. Ich werde es aber auch genießen, weiter als Zuschauer bei Wettkämpfen dabei zu sein. Die letzten Wettkämpfe war es toll zu sehen, wie unsere Leute aufgetreten sind.

Mit Klaus Klaeren sprach Holger Teusch.