Mamma Maia!

Maia Kuhnen kann mehr als nur geradeaus laufen, wie ein Sportlehrer ihr einmal sagte. Die 25-Jährige aus Trier kehrt mit einem Master in Psychologie und einer Auszeichnung des US-Universitätssportverbands für sportliche, akademische und ehrenamtliche Leistungen an die Mosel zurück.

Trier/Atlanta. Als einzige Nicht-Amerikanerin zur Gala nach Indianapolis eingeladen zu werden, sei für sie der "krönende Abschluss der Studienzeit in den USA" gewesen, sagt Maia Kuhnen. Die National Collegiate Athletic Association (NCAA), die den Studentensport in den USA organisiert, wählt seit einem Vierteljahrhundert alljährlich 30 Sportlerinnen aus den rund 1300 ihr angeschlossenen Bildungseinrichtungen aus, die sich sportlich, akademisch und durch ehrenamtliches Engagement hervorgetan haben. Die Clayton State University bezeichnete die Einladung Kuhnens, die bis Sommer dieses Jahres in dem Vorort von Atlanta studierte, als "einmalig" in ihrer knapp 50-jährigen Geschichte.
"Für meine sportlichen Eigenschaften solches Ansehen zu genießen, war für mich ein völlig neues Gefühl", sagt Kuhnen über den Stellenwert des Sports auf der anderen Seite des Atlantiks. Sport sei fester Bestandteil der akademischen Ausbildung. Als ehemalige Rheinland-Jugendmeisterin mit einer damaligen 800-Meter-Bestzeit von 2:17,80 Minuten bekam die Triererin 2011 ein Stipendium an der Clayton State University.
"Am Anfang war es aufregend und eher ein Sprachurlaub, da ich die in den USA üblichen Grundkurse belegen musste. Diese sind vom Inhalt her eine Wiederholung der deutschen Oberstufe, gaben mir aber die Möglichkeit, mein Englisch entscheidend zu verbessern", erinnert sich Kuhnen.
Wie in den USA üblich startete sie im Herbst im Crosslauf, im Winter bei Leichtathletik-Hallen- und im Sommer bei Freiluft-Wettkämpfen. Als sie zusätzlich ein Stipendium als Fußballerin angeboten bekam, griff sie zu. "Von diesem Geld konnte ich mir endlich ein eigenes Auto leisten. Ich musste aber auch gucken, wie ich im Herbstsemester die Crosslaufsaison mit dem Fußballspielen vereinbare."
Das bedeutete jedes zweite Wochenende Wettkämpfe und neben der Uni täglich zwei Trainingseinheiten. Ein strammes Programm, das Kuhnen noch verschärfte. Sie belegte doppelt so viele Kurse, um ihren Bachelor nach drei statt vier Jahren in der Tasche zu haben. Da die Stipendien über maximal vier Jahre liefen, konnte sie so auch ihr Master-Studium finanzieren.
Das funktionierte nur, weil Sportler bei der Kursbelegung bevorzugt werden, so dass sich Training und Ausbildung besser vereinbaren lassen. Außerdem seien die Wege kurz: "Selbstverständlich ist für amerikanische Universitäten die Bereitstellung von Physiotherapeuten, Sportausrüstung und Trainingsstätten auf dem Campus", berichtet Kuhnen. Nachdem sie nach dem Abitur ein Jahr durch Kanada gereist war, konnte die Triererin ihre persönliche Bestzeit erheblich steigern.
Zurück in Deutschland, möchte sie auch wieder in der Leichtathletik und im Feldhockey aktiv werden. Zunächst geht es aber über den Winter für acht Monate in den Oman. Im Sportbüro der GU Tech Oman wird sie unter anderem Sportveranstaltungen organisieren und Yoga unterrichten.Extra

Foto: Holger Teusch (teu), Justin Tafoya/NCAA Photos ("TV-Upload Teusch"

Mit dem Crosslauf-Team der Clayton State University wurde Maia Kuhnen "Conference Champion", was sie mit einem rheinland-pfälzischen oder südwestdeutschen Meistertitel vergleicht. Damit qualifizierte sie sich für die US-amerikanischen Meisterschaften, wo sie den 28. Platz erreichte. Das gelang ihr auch mit der Fußball-Mannschaft. Ihre persönlichen Bestzeiten in der Leichtathletik steigerte Kuhnen auf 2:13,16 Minuten (800 Meter), 4:41,82 Minuten (1500 Meter) und 10:30,78 Minuten (3000 Meter). teu