1. Sport
  2. Laufen

Matthias Kapp aus Trier: Mann der 40 Sprunganlagen am Olympiastadion

Sportabzeichen : Der Mann der 40 Sprunganlagen am Olympiastadion

50 Mal hat Matthias Kapp das Deutsche Sportabzeichen selbst abgelegt. Vor allem aber führt der 89-Jährige von der TG Trier viele Menschen zu der Auszeichnung hin - und bleibt dabei selbst fit.

(teu) Es sind die kleinen Erfolge, die Matthias Kapp seit Jahrzehnten Woche für Woche, vom 1. Januar bis zum 31. Oktober, wie er betont, auf den Sportplatz treiben. Ja, auch die eigenen Erfolge. Zum 50 Mal hat er in diesem Jahr die Bedingungen des Deutschen Sportabzeichens erfüllt. Noch mehr treibt Kapp aber an, dass es ihm gelingt, immer wieder Menschen zum Training für den Fitnessorden zu motivieren. So sei kürzlich ein junger Mann mit seiner Freundin auf die Bezirkssportanlage Heiligkreuz zum Training gekommen. Bei der jungen Frau hing es am Ende nur noch am Schleuderballwerfen. Irgendwann habe er sie einfach für sich allein üben lassen, um keinen Druck auszuüben. Zum Schluss fehlte nur noch ein kleiner Tipp „und bei einem Wurf hat die Weite tatsächlich gereicht“, freut sich Kapp über die bestandene Prüfung der Frau noch mehr, als über sein eigenes 50. Sportabzeichen.

Die Federführung in Sachen Sportabzeichen hat Kapp vor 20 Jahren an Hans Bisdorf übergeben. Doch Kapp steht weiterhin mittwochs und sonntags bereit, um Sportabzeichenprüfungen abzunehmen oder beim Training zu helfen. Aber nur, wenn gewünscht: „Wir sagen: Ihr könnt hier sämtliche Geräte benutzen und wenn ihr eine Frage habt, dann sind wir da.“ Einen strengen Übungsplan gibt es nicht. Dass sei das Erfolgsrezept für konstant 120 bis 130 erfolgreiche Sportabzeichenprüfungen pro Jahr bei der TG Trier. „Im Frühjahr kommen die Aspiranten, die das Sportabzeichen für Polizei oder Feuerwehr brauchen“, erzählt Kapp. „Und dann sind sind da noch die Mittelalten, so um die 40, die merken, dass sie etwas für ihre Fitness tun müssen.“

In Sachen Fitness macht Kapp, der 2022 seinen 90. Geburtstag feiert, manch Jüngeren noch etwas vor. „Seit Kindesbeinen an habe ich Ausdauersport gemacht“, erzählt er. Im Herbst 1941 trat Kapp seiner Geburtsstadt Cochem dem dortigen Turnverein bei. Nach dem Krieg spielte er Faustball, war aber vor allem in der Leichtathletik im Ausdauerbereich aktiv - und blieb es. Den ersten Trierer Stadtlauf lief er mit Sohn Bernd, der in den 1970er Jahren zu den besten Mittelstreckenläufern der Region zählte. Mittlerweile tritt Bernd Kapp als Vizepräsident Amateur- und Breitensport bei der Deutschen Triathlon-Union in die Fußstapfen seines Vaters als Funktionär.

 Matthias Kapp von der TG Trier treibt bereits seit 1941 Sport und lief 1984 mit Sohn Bernd (rechts) beim ersten Trierer Stadtlauf.
Matthias Kapp von der TG Trier treibt bereits seit 1941 Sport und lief 1984 mit Sohn Bernd (rechts) beim ersten Trierer Stadtlauf. Foto: privat

Diese Fußabdrücke sind groß. Dabei kam Kapp zum Amt des Leichtathletik-Fachwarts im Turnverband Mittelrhein (TVM) sprichwörtlich wie die Jungfrau zum Kind. „1958 auf dem Turntag in Koblenz wurde ich gewählt und ich war nicht mal anwesend“, erinnerte er sich, als er das Amt nach 48 Jahren abgab. Sein Vorgänger Ernst Klement hatte den jungen Mann vorgeschlagen. Kapp war dem späteren Hammerwurftrainer und Mentor von Weltklasseathleten wie Karl-Hans Riehm aufgefallen, weil sich der damals 24-jährige Kapp beim Landesturntag in Kirn bei einer Kontroverse gegen ältere Funktionäre durchgesetzt hatte. Das imponierte Klement.

Als TVM-Leichtathletik-Fachwart gehörte Kapp auch zur Wettkampfleitung beim Deutschen Turnfest mit regelmäßig zwischen 20 000 und 30 000 Teilnehmern in den Mehrkämpfen. Höhepunkt war das Turnfest 1968 in Berlin mit 60 000 Mehrkämpfern. „Auf dem Maifeld neben dem Olympiastadion waren 40 Weitsprunganlagen aufgebaut, für die ich verantwortlich war“, erzählt Kapp. Die Kampfrichter arbeiteten im Zwei-Schicht-Betrieb von 7 Uhr bis 20 Uhr. „Aber die armen Wettkampfleiter mussten von morgens bis abends da sein“, sagt er schmunzelnd. Abseits der großen Aufgaben war er sich aber auch nie zu schade, mit seinen Sportkameraden der TG Trier selbst zu Maßband und Rechen zu greifen, um beispielsweise bei Leichtathletik-Bezirksmeisterschaften zu helfen.

 Matthias Kapp von der TG Trier organisierte den Ablauf bei 40 Weitsprunganlagen beim Deutschen Turnfest, war sich aber auch nie zu schade, wie hier bei Leichtathletik-Bezirksmeisterschaften selbst zum Maßband zu greifen.
Matthias Kapp von der TG Trier organisierte den Ablauf bei 40 Weitsprunganlagen beim Deutschen Turnfest, war sich aber auch nie zu schade, wie hier bei Leichtathletik-Bezirksmeisterschaften selbst zum Maßband zu greifen. Foto: Holger Teusch

Das brachte ihm auch zahlreiche Ehrungen ein. So war Kapp 1984 der bis dahin Jüngste, der mit der Friedrich-Ludwig-Jahn-Plakette des Deutschen Turnerbundes ausgezeichnet wurde. Er ist Ehrenmitglied des TVM und der TG Trier. Der Sportbund Rheinland ehrte ihn mit seiner höchsten Auszeichnung, dem Ehrenbrief, um nur einige zu nennen.

Dabei ist sich Kapp bewusst: „Wenn die Familie nicht dahinter steht, dann schafft man das nicht.“, bedankt sich Kapp bei Ehefrau Hedi, seiner Tochter Elke und Sohn Bernd hätten ihm immer den Rücken freigehalten. Und er hatte immer viele Unterstützer. „Allein kann man weder 100 Sportabzeichen im Jahr abholen, noch etwas organisieren, wie etwa eine Ferienfreizeit“, weiß der gelernte Schriftsetzer.