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Michael Comes aus Bengel absolviert 100-Kilometer-Lauf als Spiel

Ultramarathonlauf : 100-Kilometer-Lauf als Spiel

88 Kilometer Anlauf für ein Nachtrennen über schmale Waldpfade und durch Baumwipfel, Michael Comes aus Bengel hat im Teutoburger Wald einen ganz besonderen Wettkampf bestritten und den zweiten Platz belegt.

100 Kilometer laufen als Spiel? Als Trailgame bezeichneten die Organisatoren im niedersächsischen Bad Iburg ihren Wettkampf, bei der insgesamt die Ultramarathondistanz absolviert werden musste. Aber nicht am Stück, sondern aufgeteilt in acht Abschnitte. Michael Comes aus Bengel (Kreis Bernkastel-Wittlich) stand am vergangenen Samstag um fünf Uhr morgens zusammen mit rund 100 Frauen und Männer am Start für die Premiere des bisher unbekannten Laufformats.

Im Grunde war es ein Zwölf-Kilometer-Geländelauf mit 88 Kilometern Anlauf. Achtmal musste eine gut zwölf Kilometer lange Laufrunde durch den Teutoburger Wald absolviert werden. Jedes Mal waren mehr als 400 Höhenmeter zu bewältigen. Es ging über schmale Wurzelpfade, Geröll und zum Schluss über einen Baumgipfelpfad. Pro Runde hatten die Teilnehmer 125 Minuten Zeit. Start war jeweils gemeinsam zehn Minuten nach Zielschluss der vorangegangenen Runde. Aber: Erst in der letzten, achten Runde, ging es um Sieg und Platzierungen.

Gefragt war also eine gute Einteilung der Kräfte, disziplinierte Ernährung - und vor allem Geduld. „Unser Plan war von vorneherein, alles was Berg hoch ging, zu gehen und dabei die Stöcke zu benutzen, um die Beine zu entlasten. Alles andere sind wir locker gelaufen“, erzählt Comes, was er sich zusammen mit seinem US-amerikanischen Freund Ryan Manzi vorgenommen hatte. „Jemanden dabei zu haben macht die Angelegenheit viel angenehmer“, erklärt der Ultramarathonläufer vom TuS Bengel.

In rund eineinhalb Stunden bewältigte das Duo die ersten fünf Runden. „Dann hatten wir jeweils rund 40 Minuten Pause, um gut zu essen. Durch das lockere Tempo hatte ich keine Probleme mit dem Magen, wie ich es sonst öfter gegen Ende von Ultramarathonläufen haben“, erklärt Comes. Statt Energieriegel oder Gels füllte er mit Kartoffelsuppe, Käsebrote, Streuselkuchen und Nüssen seine Speicher auf.

Bei anderen Läufern, auch bei Manzi, forderte der lange Lauftag seinen Tribut. Die letzten drei Runden musste Comes ohne seinen Trainingskameraden, der nur gerade so im Zeitlimit in die finale Runde schaffte und kurz vor dem Ziel aufgeben musste, absolvieren. Für die alles entscheidende achten zwölf Kilometer ging Comes anders als zuvor ohne Rucksack, Proviant und Trekkingstöcke an den Start. Das war am Samstagabend um 20.45 Uhr. Wieder im Dunkeln und mit Stirnlampe. Nur 30 Läufer hatten den langen Lauftag überstanden. Etliche waren aber auch (teilweise erheblich) schneller unterwegs gewesen, als Comes.

Nicht so der spätere Sieger Kevin Kolsdorf. Der Braunschweiger hatte die allererste Runde sogar als Letzter beendet. In der entscheidenden Runde schockte er die Konkurrenz aber mit einem Blitzstart und siegte 57:37 Minuten.

Michael Comes reihte sich auf dem ersten schmalen Pfad am Ende der Verfolgergruppe ein. „Ich nutzte die erstbeste Gelegenheit nach dem ersten Trail an der ersten Steigung, um zu attackieren“, erzählt der 40-Jährige. Niemand folgte. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, so Comes. Sich immer wieder umschauend lief er allein. „Ich konnte mich dadurch sehr gut darauf fokussieren, in der Dunkelheit auf den technisch schwierigen Trails nicht umzuknicken oder zu stolpern. - Und so bin ich dann tatsächlich als Zweiter ins Ziel gekommen“, sagt Comes, der in 59:40 Minuten zwei Minuten langsamer war als Kolsdorf, noch immer überwältigt.

Schon zwei Tage nach seinem Erfolg war der Familienvater wieder frühmorgens laufend mit seinem Hund im Alftal unterwegs. Erstaunlich schnell hatte er sich von insgesamt 100 Kilometern erholt. Was wohl auch der umfangreichen Vorbereitung zu verdanken ist. 4200 Kilometer lief Comes seit Jahresbeginn und bewältigte dabei 100 000 Steigungsmeter. Eine erste Trainingseinheit absolvierte er oft frühmorgens (teilweise vor fünf Uhr). Eine zweite dann abends nach der Arbeit. Jetzt werde er aber erst einmal ein bisschen ruhiger machen, verspricht er.