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Nun doch kein Silvesterlauf in Trier

Silvesterlauf : Kein Trommelwirbel, keine Tänze

Auch diesmal wird es am letzten Tag des Jahres kein Treffen von Spitzenläufern und Hobbysportlern auf dem Trierer Hauptmarkt und kein Spektakel in der Fuß­gängerzone geben. Der Silvesterlauf ist angesichts der schwieriger gewordenen Corona-Lage abgesagt worden.

Bis zuletzt hatten die Verantwortlichen des Vereins Silvesterlauf Trier daran gearbeitet, dass der renommierteste unter den (vor der Pandemie) weit über 100 deutschen Jahresabschlussläufen stattfinden kann. Nach Bekanntgabe der Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz kam nun doch die Absage. „Die Deutlichkeit, in der auch das Robert-Koch-Institut am Dienstag die Risiken der Omikron-Variante aufgezeigt hat, lässt uns keine andere Wahl, als den Silvesterlauf abzusagen“, erklärt Silvesterlauf-Vorstandssprecher Hans Tilly.

„Nach Rücksprache am Mittwochmorgen mit dem Ordnungsamt wäre die Veranstaltung in Einklang mit der zu diesem Zeitpunkt gültigen Corona-Schutzverordnung zwar weiterhin machbar, alles liefe aber auf einen gänzlichen Zuschauer-Ausschluss hinaus“, teilte der Verein in einer Pressemitteilung mit. Ein Silvesterlauf ganz ohne Publikum stellt demnach keine Perspektive dar. Auch wenn bereits klar war, dass der 32. ein leiserer Silvesterlauf werden würde. Die Trierer Traditionsveranstaltung hat sich in drei Jahrzehnten wegen seiner ausgelassenen Stimmung einen Namen als das „deutsche Sao Paulo“ gemacht. Samba-Tänzerinnen und -Trommler, kiloweise Konfetti und Trillerpfeifen erinnerten an den Silvesterlauf im brasilianischen Sao Paulo. Der weltälteste Silvesterlauf (seit 1925) fiel 2020 ebenso wie der Trierer (der virtuell zugunsten der Amokfahrtopfer ausgetragen wurde) wegen der Corona-Pandemie erstmals aus, soll am 31. Dezember aber zum 96. Mal stattfinden.

In Trier bleibt der Ein-Kilometer-Rundkurs dagegen zum zweiten Mal in Folge leer. 1342 Läufer hatten sich bis zum Voranmeldeschluss am Dienstag angemeldet. „Insbesondere schmerzt uns die Absage wegen der 456 Kids bis 15 Jahren, für die bereits die Startnummern bereitliegen“, lässt Vorstandsmitglied Norbert Ruschel durchblicken. Nach den Einschränkungen, die besonders die Jüngsten während der vergangenen knapp zwei Jahre auch im Sport erfahren haben, wollte man den Nachwuchs durch einen Aufruf an den Schulen wieder in Bewegung bringen. Die gesundheitspolitische Verantwortung veranlasse den Verein jedoch, den Silvesterlauf komplett ausfallen zu lassen.

Für Renndirektor Berthold Mertes (siehe auch das Interview rechts) war letztendlich auch die angehobene Risikobewertung des RKI selbst für Geimpfte und Geboosterte maßgeblich: „Demnach besteht auch für keine dieser Gruppen ein gesicherter Schutz, wovon wir aber bis dato unter Anwendung der 2G-Regel in hohem Maße ausgehen durften“, sagt der 58-Jährige, der den Trierer Silvesterlauf 1990 zusammen mit dem 2017 verstorbenen Christoph Güntzer initiierte. Eine Beschränkung nur auf die Eliteläufe schließt sich nach der RKI-Empfehlung zur Einschränkung der Mobilität demnach ebenfalls aus. Denn Läufer aus 20 Nationen waren registriert, darunter der zweimalige Sieger und Hallen-Vizeeuropameister Isaac Kimeli aus Belgien, der deutsche Marathonrekordler Amanal Petros (TV Wattenscheid) sowie bei den Frauen neben der zweimaligen Hindernislauf-Europameisterin Gesa Krause vom Verein Silvesterlauf Trier die Titelverteidigerin Katharina Steinruck und Triathlon-Star Anne Haug.

Bei der Videokonferenz am Mittwochmorgen war den Mitgliedern des Organisationsteams die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Die Arbeit geht aber weiter, unter anderem mit der Rückerstattung der von den Teilnehmern bezahlten Organisationsbeiträge und was Gespräche mit Partnern und Sponsoren angeht. „Genauso akribisch, wie wir bis zuletzt an der möglichen Realisierung gearbeitet haben, werden wir nun auch diese Pflicht erfüllen“, betont Tilly.

Trotz bereits aufgelaufenen Kosten in fünfstelliger Höhe zeigen sich die Verantwortlichen aber optimistisch, eine wirtschaftliche Schieflage des Vereins vermeiden zu können. „Dank der Solidarität unserer wesentlichen Partner bin ich zuversichtlich, dass uns das gelingt“, sagt der auch für das Sponsoring verantwortliche Mertes.

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Da nk der ausgelassenen Atmosphäre am Streckenrand wird der Trierer Silvesterlauf auch als „deutsches Sao Paulo“ bezeichnet. Das besondere Flair wird es nach der jüngsten Absage nun frühestens wieder am 31. Dezember 2022 gebe n. Foto: Holger Teusch

In den sozialen Netzwerken wurde die Silvesterlauf-Absage schon kurz nach der Bekanntgabe in einem ähnlichen Geist kommentiert, wie die Silvesterlauf-Verantwortlichen am Mittwochmorgen ihre Videokonferenz beendeten – mit dem Wunsch und der Hoffnung nach mehr Normalität 2022 und dann auch wieder einem Silvesterlauf.