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Olympiateilnehmer Fleschen siegte nie auf seiner Lehwald-Heimstrecke

Lehwaldlauf-Jubiläum : Olympiateilnehmer Fleschen siegte nie auf seiner Heimstrecke (Video)

Mit zwei Jahren Verspätung feiert der SV Mehren Sonntag, 1. Mai das 30. Jubiläum des Lehwaldlaufs. Eifel-Lauflegende Karl Fleschen war 1990 mit ausschlaggebend, dass ein Lauf auf seiner ehemaligen Trainingsstrecke etabliert wurde.

Ein gemütlicher Kneipenabend in der Eifel vor gut drei Jahrzehnten: Walter Kaiser, damals Geschäftsführer des SV Mehren (SVM), trifft im Vereinsgasthaus Zimmermann zufällig auf eine Legende: Karl Fleschen. Der Olympiateilnehmer von 1976 hatte seine Leistungssportkarriere zu diesem Zeitpunkt zwar bereits beendete und lebt bereits seit Jahren in Nordrhein-Westfalen, kam aber regelmäßig in seine Heimat. Kaiser erzählte Fleschen von der Idee, in Mehren, im Lehwald, einen Volkslauf zu veranstalten - und der zweimalige Hallen-Europameister (1977 und 1980) war begeistert. Auf dem weichen Waldboden, wo er selbst in den 1970er Jahren im Trikot der LG Vulkaneifel (1977 wechselte Fleschen zum TSV Bayer 04 Leverkusen) zahllose Trainingskilometer herunterspulte, einen Wettkampf, das würde er unterstützen, versprach Fleschen.

Und hielt Wort. Bei der Premiere 1991 stand er mit 151 weiteren Teilnehmern selbst an der Startlinie. Hinter den jüngeren Marc Suhrcke (Tri Post Trier, Sieger in 34:35 Minuten) und Gerd Uhren (LG Vulkaneifel, Zweiter in 35:03 Minuten) wurde er in 35:41 Minuten Dritter. Ein Jahr später und offensichtlich wieder mit mehr Trainingskilometern in den Beinen, schnappte ihm der ehemalige luxemburgische Fußball-Nationalspieler und Marathon-Olympia-Teilnehmer (1988 in Seoul) Justin Gloden mit dem immer noch bestehenden Veranstaltungsrekord von 32:11 Minuten den Sieg vor der Nase weg.

Dass er den „Zehner“ beim Lehwaldlauf nie als Gesamtsieger beendete, Karl Fleschen konnte es verschmerzen. Aber in verschiedenen Altersklassen, wie beispielsweise 2005 in der M 50, siegte der ehemalige Weltrekordler mit der deutschen 4 x 1500-Meter-Nationalstaffel (der 22 Jahre Bestand hatte, bis ein Kenia-Quartett schneller lief). Und kam jahrelang mit von ihm betreuten Jugendläufern und Breitensportlern vom Verein TV Herkenrath im Bergischen Land in die Eifel.

 Der Lehwaldlauf-Geburtshelfer, der aus Mehren stammende ehemalige Weltklasseläufer Karl Fleschen (rechts), und der zweimalige Gewinner (1998 und 1999) Franz-Josef Ott vom TV Hermeskeil genießen 2011 den Naturlauf durch den schattigen Lehwald.
Der Lehwaldlauf-Geburtshelfer, der aus Mehren stammende ehemalige Weltklasseläufer Karl Fleschen (rechts), und der zweimalige Gewinner (1998 und 1999) Franz-Josef Ott vom TV Hermeskeil genießen 2011 den Naturlauf durch den schattigen Lehwald. Foto: Holger Teusch

Nicht nur Karl Fleschen kehrte immer wieder an seine alte Wirkungsstätte zurück, in den Siegerlisten des Lehwaldlaufs finden sich auch viele der LGV-Läufer, die in den vergangenen Jahrzehnten national und teilweise auch international vertreten waren. Bei der Premiere 1991 gewann ein gewisser Lars Haferkamp, damals zwölf Jahre alt, den Zwei-Kilometer-Schülerlauf. Sechs Jahre später gewann er zusammen mit dem gleichaltrigen Michael May über zehn Kilometer, bevor das Duo anschließend bei den Junioren-Weltmeisterschaften im französischen Annecy das Nationaltrikot überstreiften. Beim vierten Lehwaldlauf 1994 siegte die damalige 100-Kilometer-Weltrekordlerin Birgit Lennartz (St. Augustin) als bisher einzige Frau mit einer Zeit unter 40 Minuten (38:48).

Dass der Lehwaldlauf eine jahrzehntelange Tradition entwickeln würde, habe man vor 30 Jahren nicht träumen lassen, erzählt Hubert Eiden. Der langjährige Organisationsleiter ist froh, dass ein reibungsloser Übergang zu einer neuen Generation mit dem neuen SVM-Geschäftsführer Daniel Schmidt gelungen ist. „Die machen das prima“, sagt Eiden. Die Freude und Dankbarkeit der Läufer hätten ihn und das ganze Organisationsteam, ob unter dem Vorsitzenden Walter Kaiser oder später Josef Ring und jetzt Bernd Umbach, immer wieder „aufgepeppt“, bei allem Stress immer weiter zu machen, erklärt Eiden. Das wünscht er sich auch für das junge Team.

 Der aus Mehren stammende ehemalige Weltklasseläufer Karl Fleschen (gelbes Shirt in der Bildmitte) konnten den am 1. Mai zum 30. Mal stattfindenden Lehwaldlauf in Mehren zwar nie gewinnen, war aber oft mit dabei im Feld der Volksläufer.
Der aus Mehren stammende ehemalige Weltklasseläufer Karl Fleschen (gelbes Shirt in der Bildmitte) konnten den am 1. Mai zum 30. Mal stattfindenden Lehwaldlauf in Mehren zwar nie gewinnen, war aber oft mit dabei im Feld der Volksläufer. Foto: Holger Teusch

Video vom Lauf 1995