1. Sport
  2. Laufen

Peter Schermann zwei Stunden an Kotzgrenze beim virtuellen Radrennen

Radsport : Zwei Stunden an der Kotzgrenze

Der Trierer Radsportler Peter Schermann hat zwei Wettkämpfe der Ironman VR Team Challenge gewonnen. Der WM-Teilnehmer im Mountainbike-Marathon plant in diesem Jahr die Alpenüberquerung Transalp als Einzelstarter.

Verschwitzt im heimischen Wohnzimmer statt schlammverschmiert irgendwo in den Wäldern rund um Trier oder in der Eifel, Mountainbiker Peter Schermann hat seine ersten Rennen in der zweiten Corona-Saison virtuell absolviert. „Eigentlich bin ich kein riesiger Online-Fan. Bisher habe ich mich davor immer ein bisschen gedrückt“, gesteht der 33-Jährige aus Trier. Als Elmar Sprink, herztransplantierter Freund von Schermann, der selbst vor vier Jahren einen Schlaganfall erlitt, ihn bat, bei der Ironman VR Challenge zu seinem Team zu stoßen, konnte Schermann nicht nein sagen. Und hat es nicht bereut: „Es kam schon ein bisschen Renn-Feeling auf“, sagt der Trierer über die beiden virtuellen Radrennen über 20 Kilometer und 90 Kilometer.

Beide Rennen konnte Schermann für sich entscheiden und Sprinks Team damit den zweiten Platz in der Ironman VR Challenge sichern (siehe Info). Das Zeitfahren über 20 Kilometer im Rahmen eines virtuellen Sprint-Duathlons (andere Teilnehmer aus Sprinks Team liefen fünf Kilometer) gewann Schermann in 26:10 Minuten knapp vor dem ehemaligen Zweitplatzierten des Langdistanz-Triathlons Challenge Roth Jasper Svensson aus Schweden.

Eine richtige Herausforderung war das 90-Kilometer-Rennen auf der sogenannten Rolle im heimischen Wohnzimmer. „Das war zwei Stunden an der Kotzgrenze“, erzählt Schermann (Fahrtzeit: 2:00:49 Stunden), dass er an sein Limit gehen musste, um den 21 Jahre alten Briten William Draper (2:05:51 Stunden) auf Distanz zu halten. „William hat gedacht, dass ich normalerweise Mountainbike Crosscountry olympisch fahre und irgendwann einbrechen würde“, erzählt Schermann. Dass er schon zweimal an den Weltmeisterschaften auf der MTB-Marathondistanz teilgenommen hatte, wusste der junge Ironman-Triathlet nicht. Im Schnitt trat Schermann mit 360 Watt in die Pedale. „Nach 1:45 Stunden hat es dann schon ziemlich weh getan“, gibt er zu.

Nachdem Schermann Anfang April ein Mountainbike-Etappenrennen bei Barcelona nach Defekt und Sturz an den ersten beiden Tagen nur noch locker zu Ende fuhr, waren die beiden virtuellen Rennen für ihn die erste Wettkampfbelastung des Jahres. Mitte Mai plant der ehemalige Basketballer ein Eintages-MTB-Rennen in Spanien. Anschließend soll es mit dem namibischen Olympia-Teilnehmer Dan Craven als Zweier-Team zum Andalusien Bike Race über 364 Kilometer mit mehr als 11 000 Höhenmetern gehen.

Das wird dann auch eine gute Vorbereitung auf Schermanns nächste Herausforderung. „Ich will den Transalp alleine fahren. Das ist das größe Nahziel“, sagt der 33-Jährige. Im Juli warten rund 500 Kilometer mit mehr als 18 000 Höhenmetern (in sieben Tagen) zwischen Nauders am Reschenpass und dem Gardasee auf den gebürtigen Wittlicher.

Ob er sich als Schlaganfall- und damit Risikopatient keine Sorgen macht, dass er sich mit dem Corona-Virus anstecken könnte? Zumal die Erinnerung an den Beginn der Pandemie bei Schermann noch präsent ist. Im März 2020 reiste er auf abenteuerliche Weise von den geplanten Rennen in Südafrika über Dubai zurück nach Deutschland. „Am Anfang habe ich mir auf jeden Fall Sorgen gemacht“, gibt Schermann zu. „Da habe ich mich extrem zurückgehalten und mich zwei Monate lang eigentlich mit niemanden getroffen außer meiner Freundin und meiner Familie.“ Wenn es nun zu Rennen gehe, fahre er auch nach Spanien mit dem Auto statt zu fliegen. Gegessen werde im Hotelzimmer statt im Speisesaal. Eine Alternative gibt es aber nicht. Als Profi könne er auf Wettkämpfe nicht verzichten, wenn er den Anschluss nicht verlieren wolle, sagt Schermann.