1. Sport
  2. Laufen

Rennen mit Schönheitsfehler

Rennen mit Schönheitsfehler

Sportlich war Nicolas Krämer eigentlich schon immer. Doch richtig vom Triathlon-Virus befallen wurde der 21-Jährige erst vor zwei Jahren. In Düsseldorf wurde der Müllenborner deutscher Meister in der Altersklasse der 20- bis 24-Jährigen.

Müllenborn. "Es war annähernd ein perfektes Rennen mit einem kleinen Schönheitsfehler", erzählt Nicolas Krämer, wie er sich am vergangenen Sonntag den Traum vom deutschen Meistertitel erfüllte. Die "Klopperei im Wasser", wie Krämer den Kampf um die besten Positionen kurz nach dem Schwimmstart nennt, waren nichts Besonderes. Nach 750 Metern im Wasser in 10:44 Minuten und nachdem er die 19,5 Kilometer lange, kurvige Radstrecke mit einem Schnitt von fast 38 Kilometern pro Stunde hinter sich gebracht hatte, lag der Triathlet vom SV Gerolstein voll im Plan. Doch beim abschließenden Fünf-Kilometer-Lauf leitete ihn ein Streckenposten falsch. "Zum Glück habe ich das noch rechtzeitig gemerkt", blickt Krämer erleichtert zurück. Doch plötzlich fand er sich in der Gruppe wieder, die er schon hinter sich gelassen glaubte. Doch anders als eine Woche zuvor beim Mittelmosel-Duathlon in Zell hatte der 21-Jährige diesmal genug Reserven, um sich noch einmal abzusetzen. "Das Problem in Zell war, dass ich einfach zu wenig gefrühstückt habe und durch Krämpfe auf der zweiten Radrunde dann der Ofen schnell sehr, sehr leer war", erklärt Krämer, was er vor dem DM-Rennen in Düsseldorf besser machte.
Wichtig war nach dem Rückschlag an der Mosel, das Training herunterzufahren, die Regeneration. Dabei gehört Krämer zu den Kilometerfressern. "Im Schnitt trainiere ich 18 bis 20 Stunden pro Woche. In guten Wochen kann es auch deutlich mehr sein", sagt er. Es sei eine Herausforderung Sport, seine Ausbildung zum Tischler und Privatleben unter einen Hut zu bekommen. "Es gibt natürlich Tage, an denen man denkt: Muss das jetzt wirklich noch sein? Aber meistens bekomme ich mich dann doch irgendwie zum Training motiviert. Nach einem stressigen Arbeitstag ist der Sport für mich auch ein Ventil, um richtig abzuschalten", erzählt Krämer.
Obwohl Vater Stefan Krämer zu den Triathlon-Pionieren in der Eifel gehört, fand Sohn Nicolas erst nach dem Abitur vor zwei Jahren zum Leistungssport. Plötzlich hatte er ganz viel Zeit, die er fürs Training nutzte. Und dann kam der erste Erfolg: Beim Vulkan-Cross-Triathlon in Schalkenmehren gewann er wenige Monate später auf der Sprintdistanz. "Zu diesem Zeitpunkt hat mich Jörg Ullmann, der ehemalige deutsche Meister und alter Triathlon-Kumpel meines Vaters, an die Hand genommen und mit seiner Erfahrung weitergeholfen und tut das bis heute", erzählt Krämer.