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Saarlauf geschafft: Martin Schedleraus Ottweiler an der Quelle

Extremlauf : Saarlauf geschafft: Martin Schedler an der Quelle

Der 41-Jährige Extremläufer hat die 240 Kilometer von der Mündung der Saar bis zur Quelle der Roten Saar in drei Tagen bewältigt.

(teu) Geschafft! Auf dem Quellberg der Saar, dem 1009 Meter hohen Donon, konnte Martin Schedler die Arme in die Höhe strecken. Nach drei Tagen mit rund 240 Lauf-Kilometern hat der 41-Jährige aus Ottweiler die Saar von der Mündung bei Konz bis zur Quelle in den Vogesen abgelaufen.

„Es wieder ein fantastischer Abschluss oben auf dem Donon. Ähnlich wie vor fünf Jahren auf dem Erbeskopf: Ich war voller Adrenalin“, schwärmt Schedler und erinnert an seinen ersten Extremlauf vom tiefsten Punkt des Saarlands zum höchsten von Rheinland-Pfalz über mehr als 100 Kilometer im Frühjahr 2017. „Es war eine Wahnsinnstour“, sagt der Familienvater. Wahnsinn, sowohl körperlich wie mental.

„Der erste Tag mit 86 Kilometern war direkt die Königsetappe. Aber für mich war es von der Motivation her die leichteste“, erzählt Schedler. Vom Saar-Mosel-Eck bis nach Völklingen kannte er die Strecke mit vielen Sehenswürdigkeiten gut. Zudem hatte er an Fronleichnams-Feiertag einige Begleiter. „Und die Leute in den Biergärten sind aufgestanden und haben geklatscht, wenn ich vorbeigelaufen bin“, erzählt Schedler. Außerdem war es vergleichsweise kühl. „Trotzdem war ich am Ende müde und schon platt. Aber ich hatte keine Zweifel, dass ich am zweiten Tag auch noch gut laufen könnte“, erzählt der Ultramarathonläufer.

Das sollte sich ändern. Zu Beginn des zweiten Tages war Schedler rund um Saarbrücken sogar noch schneller, als sein Zeitplan es vorsah. Doch ab Saargemünd habe er das Höhenprofil unterschätzt: „Dadurch, dass das auf 70 Kilometer gestreckt war, sah es auf dem Papier sehr entschärft aus. Aber es war ein ständiges Auf und Ab. Das hat mich mit der aufkommenden Hitze so zermürbt, dass ich am Ende der zweiten Etappe extreme Probleme hatte - und auch Zweifel: Ich das auch noch einen dritten Tag schaffen soll.“

Am Ende der zweiten Etappe konnte Schedler kaum mehr gehen. „Die Muskulatur war komplett gesprengt.“ Über Nacht erholten sich seine Beine zwar etwas, „aber ich konnte nicht in die Hocke gehen und die Schuhe richtig binden.“ Nur mit Mühe kam Schedler aus dem Auto an den Start. Und mit dem welligen Profil ging es erst einmal so weiter, wie es am Tag zuvor aufgehört hatte. Ein Motivationskiller waren aber letztendlich Passagen, bei denen es kilometerweit in der prallen Sonne schnurgerade über Radwege ging. „Das hat mich extrem zermürbt. Zwischendurch habe ich zu meinen Begleitern gesagt: Ich bin am Ende“, erzählt Schedler. Er schleppte sich nur noch gehend vorwärts.

Doch als am Horizont die Silhouette der Vogesen auftauchte, sei das wie das Umlegen eines Schalters gewesen. „Irgendwie hat das vom Kopf her die Muskulatur so frei gemacht, dass ich wieder laufen konnte. Das ist das Phänomen beim Ultralauf, dass man verschiedene Phasen durchmacht. Das ist das Faszinierende“, erzählt der ehemalige Deutsche Meister in der Disziplin Ultratrail (Geländelauf über mehr als die Marathondistanz). Dank seiner Erfahrung habe er die Tiefphasen durchstehen können. „Natürlich war ich müde und platt, aber die letzten 17 Kilometer, hauptsächlich berghoch, die bin ich hoch, das hätte ich mir vorher nie vorgestellt. Das zeigt mir wieder, was der Körper in der Lage ist zu leisten, was man sich vorher nicht vorstellen konnte, wie weit man über seine Grenzen hinausgehen kann“, so Schedler.

 Martin Schedler hat die Saar von der Mündung bei Konz bis zur Quelle der Roten Saar in die Vogesen und weiter auf den Quellberg Donon an drei Tagen abgelaufen.
Martin Schedler hat die Saar von der Mündung bei Konz bis zur Quelle der Roten Saar in die Vogesen und weiter auf den Quellberg Donon an drei Tagen abgelaufen. Foto: Wolfgang Tauchert

Trotz aller Anstrengung und Schmerzen, das Erlebnis des Laufs entlang der Saar von der Mündung bis zur Quelle lässt Martin Schedler bereits an neue Herausforderungen denken. Beim Familien-Urlaub auf Mallorca werde er mit Sicherheit im Gebirge trainieren. „Mitte Juli stehen im Rahmen des Zugspitzultratrail die Deutschen Meisterschaften im Ultratrail über 86 Kilometer an“, erzählt er. Nach sieben Jahren würde er sich den nationalen Titel gerne wieder zurückholen.