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Salamitaktik im Emmental

Salamitaktik im Emmental

Von wegen alles Käse im Emmental: Dank seiner Salamitaktik hat der Wittlicher Marc Pschebizin als zweiter Deutscher den prestigeträchtigen Gigathlon in der Schweiz gewonnen.

Thun. Wer innerhalb von zwei Tagen 452 Kilometer laufend, radfahrend, schwimmend und auf Inlineskates zurücklegen will, muss früh aufstehen. Für die 5600 Teilnehmer am Gigathlon in der Schweiz begann der Tag bereits um fünf Uhr. Sie fuhren auf Inlineskates dem Sonnenaufgang entgegen. Diese erste Disziplin war nicht so recht nach dem Geschmack von Marc Pschebizin von Tri-Post Trier. "Auf Inlineskates habe ich zu wenig Erfahrung", gibt der 37-Jährige zu. Dem höllischen Tempo, das die Spezialisten auf den 39 Kilometern von Thun nach Langnau im Emmental vorgaben, konnte Pschebizin nicht folgen. In einer solchen Situation dürfe man sich nicht verrückt machen, sondern müsse sich auf seinen Rhythmus konzentrieren, erklärt der in Wittlich lebende Extremsportler.

Obwohl Pschebizin gleich bei der ersten Disziplin, dem anschließenden Mountainbike fahren über 46 Kilometer (1300 Höhenmetern), der Rennrad-Einheit (64 Kilometer, 1280 Höhenmeter), drei Kilometer Schwimmen und weiteren 37 Kilometern im Rennradsattel bis zu einer Viertelstunde hinter dem dreimaligen Sieger Roger Fischlin lag, war das Rennen für den Ironman-Bezirksrekordler noch lange nicht gelaufen. "Die Schlüsselstelle war der lange Lauf über 32 Kilometer mit dem dauernden Auf und Ab", erklärt Pschebizin. Fischlin brach auf dem mit 1000 Höhenmetern gespickten Parcours entlang des Thuner Sees ein. Aus einem 15-minütigen Rückstand machte Pschebizin auf der Schlussetappe des ersten Tages einen ebenso großen Vorsprung.

"Die Erfahrung des vergangenen Jahres war ein guter Lerneffekt", sagt er. Vor einem Jahr war der Sportlehrer mit eineinhalb Stunden Rückstand auf Fischlin nur Sechster geworden. Auch seine Erfahrung von Mehrtageswettkämpfen wie den Abenteuerrennen in Feuerland konnte er nutzen: "Ich weiß, wie sich die Muskeln nach einem Tag mit solchen Belastungen anfühlen. Das ist, wie wenn man zwei Ironman hintereinander macht", sagt der Ausdauersportler.

Pschebizin musste seinen ganzen Erfahrungsschatz in die Waagschale werfen, um Fischlin zu enthronen. Über Schwimmen (3000 Meter) und Inlineskating (29 Kilometer) kämpfe sich der Lokalmatador aus der Schweiz wieder an Pschebizin vorbei. Auch auf dem Rennrad (128 Kilometer, 1900 Höhenmeter) und Mountainbike (47 Kilometer, 800 Höhenmeter) hielt er eisern dagegen. Der abschließende 19-Kilometer-Lauf brachte die Entscheidung. "Es war interessant, dass der Lauf am zweiten Tag besser war als am ersten", berichtet Pschebizin. Auf 6:45 Minuten baute der ehemalige Rheinland-Pfalz-Schülermeister über 3000 Meter seinen Vorsprung aus. Trotz des zeitweiligen Rückstands habe er nie ans Aufgeben gedacht, so Pschebizin. Sein Rezept: "Salamitaktik: Man darf immer nur von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation, von Wechsel zu Wechsel denken." Die Bedingungen seien mit mehr als 30 Grad aber brutal gewesen. "Beim Schwimmen habe ich aus dem See getrunken, und beim Laufen bin ich in jeden Bach gesprungen", erzählt Pschebizin. Einen Gartenschlauch, den eine Familie zur Abkühlung an die Straße gelegt hatte, habe er sich einfach in den Mund gestopft. "Man kann gar nicht so viel trinken wie man schwitzt."

Viel ausruhen kann er sich nicht: Statt die Wittlicher Säubrennerkirmes zu feiern, will er am Schildhorn zum neunten Mal den Inferno-Triathlon, der mit den auf 151 Kilometer verteilten 5500 Steigungsmetern als härtester der Welt gilt, gewinnen. Ob er dabei seinen Gigathlon-Siegerpreis einsetzen wird, verrät Pschebizin nicht. Statt Preisgeld gab's ein Mountainbike.