1. Sport
  2. Laufen

Samuel Fitwi von der LG Vulkaneifel erstes Höhentraining in Kenia

Leichtathletik : Früh aufstehen und viel Training in Kenia

Erstmals hat Langstreckenläufer Samuel Fitwi von der LG Vulkaneifel ein Höhentrainingslager absolviert. Für seinen Traum von Olympia intensiviert der 24-Jährige sein Training.

Früh aufstehen ist für Samuel Fitwi kein Problem. Während seiner Ausbildung bei einem Maler- und Lackierermeister aus der Eifel fingen seine Arbeitstage oft um 6 Uhr morgens an, wenn es vom heimischen Stadtkyll zu den Baustellen ging. Dass bei seinem ersten Höhentrainingslager in Kenia der Wecker manchmal schon vor 4 Uhr klingelte, war da für den Deutschen Crosslaufmeister von der LG Vulkaneifel nur eine kleine Umstellung.

Wer in Iten, dem etwa 50 000 Einwohner zählenden Ort hoch über dem Rift Valley, in Läuferkreisen „Home of the Champions“ genannt, mit den berühmten kenianischen Läufern trainieren will, muss früh raus. Die Einheimischen nutzen die morgendliche Kühle in Äquatornähe. „Da sind wir meist um 6 Uhr losgelaufen“, erzählt Fitwi und erklärt, dass man nie allein rennt: „Man findet an jeder Ecke Gruppen. Man geht da hin und fragt: Was lauft ihr? Und läuft mit.“ Bei den Dauerläufen führen die Strecken hoch und runter über rot-staubige Sandpisten rund um Iten in etwa 2400 Meter Höhe.

Fürs Tempotraining fuhr Fitwi, meist kurz nach 5 Uhr morgens, ins etwa 25 Kilometer entfernte Eldoret (etwa eine halbe Million Einwohner, 2000 Meter hoch gelegen). „Die schnellen Sachen habe ich mit Julian Wanders Gruppe gemacht“, berichtet Fitwi. Der Zehn-Kilometer- und Halbmarathon-Europarekordler (27:13 Minuten und 59:13 Minuten) aus der Schweiz lebt die meiste Zeit des Jahres in Kenia.

„Die Gruppe von Julian Wanders ist richtig stark“, erzählt Fitwi. So hatte er Unterstützung, um die anspruchsvollen Intervallprogramme seines Trainers Yannik Duppich abzuspulen. Beispielsweise zehnmal 1000 Meter mit 200 Meter Trabpause und steigendem Tempo: angefangen knapp unter drei Minuten bis hin zu 2:45 Minuten. Oder auch Tempodauerläufen über beispielsweise 16 Kilometer in knapp 50 Minuten. Die Kontrolle des Training läuft dank GPS-Uhren und Übertragung aller Werte wie Herzfrequenz einfach, sagt Duppich.

 Der deutsche Crosslaufmeister Samuel Fitwi von der LG Vulkaneifel absolvierte erstmals ein Höhentrainingslager in Kenia.
Der deutsche Crosslaufmeister Samuel Fitwi von der LG Vulkaneifel absolvierte erstmals ein Höhentrainingslager in Kenia. Foto: Enock Kirop

Bemerkenswert: Fitwi lief die Programm in einer Höhe zwischen 2000 Meter (Eldoret) und 2400 Meter (Iten). Die sauerstoffärmere Luft dort soll die Bildung roter Blutkörperchen ankurbeln. Zurück auf Meeresniveau ergeben sich dann Leistungsvorteile. Man kann länger schneller laufen! Aber die Anpassung ist meist schwierig. Nicht so bei Fitwi. „Die Höhe hat mir nicht viel ausgemacht. Die ersten Tage bin ich nachts wach geworden, aber direkt wieder eingeschlafen“, erzählt er. Dass Fitwi wenige Probleme mit der Höhenanpassung hat, liegt auch daran, dass der 24-Jährige in Eritrea in ähnlichen Lagen aufgewachsen ist. Vor mehr als einem halben Jahrzehnt flüchtete er über Äthiopien und das Mittelmeer nach Europa. Seit 2018 ist er deutscher Staatsbürger. Im deutschen Nationaltrikot wurde er U-23-Vizeeuropameister im Crosslauf und erreichte 2019 als Sechster die bisher beste Platzierung eines DLV-Läufers im Männer-Rennen.

Mit der Konzentration auf den Sport wollen Fitwi und Trainer Duppich 2021 die Chance zu einer Qualifikation zur den verschobenen Olympischen Spielen nutzen. Nachdem während seiner Ausbildung zum Maler und Lackierer in der Regel nur einmal Training am Tag möglich war, läuft Fitwi nun meist zweimal. In kenianischen Höhentrainingslager war die zweite Einheit nachmittags immer eine lockere zur Regeneration. So kam Fitwi auf tägliche Umfänge von durchschnittlich gut 20 Kilometern. Noch wichtiger für einen Läufer (Bestzeit: 28:11 Minuten), der über 10 000 Meter die Olympia-Norm von 27:28,00 Minuten im Visier hat: die Qualität und auch die Regeneration.

Nach vier Wochen im Höhentrainingslager kehrte Fitwi am frühen Montagmorgen nach Deutschland und in die Eifel zurück. „Er kam aus dem Läufer-Paradies zurück hier in die kalte Suppe“, macht sich Trainer Duppich Sorgen, dass sein Schützling den Temperatursturz von gut 30 Grad gut verkraftet. Am Sonntag (14. Februar) steht die erste Bewährungsprobe der Olympiasaison an. In Monaco soll Fitwi bei einem nur für Eliteläufer ausgetragenen Fünf-Kilometer-Straßenlauf starten. Vor einem Jahr lief Joshua Chepteigei aus Uganda an gleicher Stelle in 12:51 Minuten Weltrekord. Der deutsche Rekord von Sebastian Hendel (LG Braunschweig) steht bei 13:52 Minuten. Man darf gespannt sein.