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Samuel Fitwis (LG Vulkaneifel) Alternative zum Höhentraining in Kenia

Leichtathletik : Fitwis Alternative zum Höhentraining in Kenia

Statt in Kenia hat sich Langstrecken-Ass Samuel Fitwi von der LG Vulkaneifel diesmal in Äthiopien auf die Saison vorbereitet. Weshalb er fünf Wochen in Addis Abeba trainiert und über die Erfahrungen sprechen der 26-Jährige und Trainer Yannik Duppich.

Die ersten Trainingsläufe auf dem Kylltalradweg bei Gerolstein waren für Samuel Fitwi eine Umstellung. „Wenn ich aus der Wärme zurück kommen, habe ich immer die Nase ein bisschen zu“, erzählt der Deutsche Crosslaufmeister von der LG Vulkaneifel (LGV). Zwei Grad in der Eifel statt 25 Grad in Äthiopien, daran muss man sich erst einmal wieder gewöhnen. Fünf Wochen lang trainierte Fitwi in Addis Abeba auf den Spuren der Lauf-Legenden Haile Gebrselassie und Kenenisa Bekele. Mit Erfolg! Für die Experten: Lief Fitwi vor seiner Abreise achtmal 1000 Meter im Schnitt in 2:48 Minuten (Pausenzeit: eine Minute), so er das gleiche Programm nach seiner Rückkehr mit einer Durchschnitts-Pace von 2:43 Minuten.

Ursprünglich wollten Fitwi und sein Trainer Yannik Duppich den Besuch bei Freunden in Addis Abeba zur Höhenanpassung (Pensum: knapp 100 Trainingskilometern pro Woche) nutzen, um dann zu den übrigen deutschen Spitzenläufern in Kenia zu stoßen. Doch nach einem Corona-Ausbruch im Hotel im Läufermekka Iten planten sie um. Fitwi blieb in Äthiopien. „Ich denke, wir haben das Beste aus der Situation gemacht“, sagt der Coach. Sein Schützling hat sich weder mit Covid-19 infiziert, noch eine Erkältung eingefangen oder verletzt. Kurz: das Training lief optimal.

Auch deshalb, weil Fitwi nach einem Äthiopien-Aufenthalt im vergangenen Sommer über gute Ortskenntnisse verfügt. „Mittlerweile kennt er die Strecken besser und ein paar lokale Läufer, die so um die 28 Minuten über 10 000 Meter laufen können“, berichtet Duppich. Er betreute seinen Schützling von Gerolstein aus per Telefon und mit Hilfe der digital übermittelten Herzfrequenzen und anderer Trainingsdaten. Dreimal pro Woche trainierte Fitwi mit einheimischen Läufern. Verständigungsprobleme hatte der gebürtige Eritreer, der seit 2018 deutscher Staatsbürger ist, nicht. „Die sprechen fast die gleiche Sprache, wie in meiner Familie“, erzählt Fitwi.  Jeden Sonntag stand für ihn ein 25-Kilometer-Lauf auf dem Programm. Im Wochenschnitt kam der Wahl-Gerolsteiner so auf 160 Kilometer.

 Der deutsche Fünf-Kilometer-Rekordler Samuel Fitwi (Mitte) trainierte fünf Wochen in der Höhe der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba mit einheimischen Läufern.
Der deutsche Fünf-Kilometer-Rekordler Samuel Fitwi (Mitte) trainierte fünf Wochen in der Höhe der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba mit einheimischen Läufern. Foto: privat

Statt im Hotel wie in Kenia wohnte Fitwi in Äthiopien in einer Ferienwohnung. Das bedeutete weniger Luxus, aber mehr Aufwand bei der Verpflegung. Zeit, die man im Trainingslager eigentlich gut für die Regeneration gebrauchen kann, meint Duppich. Trotzdem sieht Fitwi fürs Höhentraining in Addis Abeba auch einige Vorteile gegenüber einem Camp in Iten. Vor allem beim Laufuntergrund: „Es liegen nicht so viele Steine auf den Wegen“, erzählt der 26-Jährige. Diese störten in Iten vor allem bei schnellen Läufen und provozieren Verletzungen. In Addis Abeba können man mit einem Taxi 20 Minuten aus der Stadt heraus fahren und auf verhältnismäßig flachem Terrain im schattigen Wald laufen. „Das geht nicht so auf die Gelenke“, sagt Fitwi.

Verletzungsprävention ist auch der Grund, weshalb Kenenisa Bekele vor zehn Jahren etwas außerhalb von Addis Abeba seine eigene Kunststoffbahn (für 1,5 Millionen Dollar) angelegt hat. Dem dreimaligen Olympiasieger war der Belag im Nationalstadion zu hart. Auf den sogenannten Bekele-Track in Sululta, etwa 25 Auto-Minuten nördlich der äthiopischen Hauptstadt, absolvierte auch Fitwi einige seiner Einheiten 2700 Meter über dem Meeresspiegel. „Ich habe 1000er gemacht, aber das war echt hart. Schneller als 3:00 Minuten konnte ich da nicht laufen“, erzählt er. Schon das Einlaufen in der dünnen Luft sei hart gewesen. Die etwa 300 Höhenmeter Unterschied zu Addis Abeba hätten es in sich.

Gegenüber Fitwis beiden ersten Höhentrainingslagern versuche man sich noch weiter der optimalen Belastungsschwelle anzunähern, erklärt Duppich. „Es ist alles noch Neuland“, sagt der 31-Jährige. Nach seinem ersten Höhenaufenthalt lief Fitwi im vergangenen Februar in Monaco zwar deutschen Fünf-Kilometer-Rekord (13:32 Minuten), doch nach dem zweiten Höhencamp im April war die Form bei der 10 000-Meter-DM nicht wie erhofft (dritter Platz in 29:02,30 Minuten). „Wir haben diesmal den Fokus auf die Grundlagenausdauer gelegt“, erklärt Duppich. Denn die Saison ist lang und soll erst im August mit einem Start über 25 Stadionrunden bei den Europameisterschaften in München ihren Höhepunkt finden. Da ist bei Fitwi in den kommenden Monaten noch viel Ausdauer gefragt.