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Scherer aus Klausen: Als Ballsport-Legastheniker Deutscher Vizemeister

Ausdauersport : Als Ballsport-Legastheniker Deutscher Vizemeister

Der Langdistanz-Triathlon im fränkischen Roth war vor einem halben Jahr Johannes Scherers großes sportliches Ziel. Der deutsche Crossduathlon-Vizemeistertitel in der Altersklasse M 35 für den 36-Jährigen vom Mittelmosel-Triathlon-Team am vergangenen Sonntag ein Nebenprodukt.

(teu) Seinen großen sportlichen Traum hat sich Johannes Scherer vor einem halben Jahr erfüllt. Nachdem der Langdistanz-Triathlon Challenge Roth wegen Corona zweimal verschoben wurde, schaffte es der 36-Jährige auf der im vergangenen September auf der Ironman-Distanz in 9:03 Stunden im fränkischen Triathlon-Mekka ins Ziel. Bei den Deutschen Meisterschaften im Crossduathlon am vergangenen Sonntag in Trier feierte der Sportler vom Mittelmosel-Triathlon-Team mit dem Gewinn des Vizetitels in der Altersklasse M 35 seinen bisher größten Meisterschaftserfolg.

Dass nach fünf Kilometern Crosslauf, anschließenden 23,2 Kilometer Mountainbike fahren (mit rund 800 Höhenmetern) und zum Abschluss noch einmal 2500 Meter Laufen nur der Saarländer Benjamin Irsch (RV Möwe Schmelz) bei den 35- bis 39-Jährigen schneller war als Johannes Scherer, überraschte den Familienvater aus Klausen. „Nach der Langdistanz in Roth habe ich nicht mehr alles dem Sport untergeordnet“, erzählt er und weiter: „Ich bin ohne große Zielvorgabe nach Trier gefahren.“

Und ohne das bei den Crossduathlon-Cracks übliche Material. Der aus Monzelfeld stammende fünfmalige Deutsche Crosstriathlon-Meister Jens Roth habe beim Anblick seines 14 Kilogramm schweren Mountainbikes mit voller Federung gemeint, das sei eigentlich nicht konkurrenzfähig. Entsprechend zog der spätere M-35-Titelträger Irsch auf der Radstrecke drei Minuten davon. Den Altersklassen-Dritten Paul Gnich (TV Einigkeit Netphen) konnte Scherer beim abschließenden 2500-Meter-Crosslauf aber entscheidend distanzieren.

Scherer profitierte beim sogenannten Trierer X-Duathlon auch noch vom Training für den Langdistanz-Triathlon. Bis zu 20 Stunden pro Woche lief und radelte der Polizist in der Vorbereitung auf die Challenge Roth. Wenn er um halb Acht morgens seinen Dienst als Ausbilder der Außenstelle der Hochschule der Polizei in Wittlich-Wengerohr antritt, hat er meist seine erste Trainingseinheit bereits absolviert. „Triathlon und Familie sind eigentlich zwei Dinge, die sich gegenseitig ausschließen“, sagt der Vater zweier kleiner Kinder lachend.

Corona verursachte bei der Vorbereitung auf Scherers Triathlon-Langdistanz zwei Probleme: Zum einen die zweimalige Verschiebung des Wettkampfs. „Ich bin froh, dass ich die Motivation aufrecht erhalten konnte. Aber nach der Challenge Roth war es auch gut“, sagt Scherer, dass es nicht leicht war, sich mehr als ein Jahr länger als ursprünglich geplant für das zeitaufwendige Training aufzuraffen. Zum anderen war Schwimmen nur sehr eingeschränkt möglich. Er sei deshalb sogar bis nach Luxemburg gefahren, weil man im Schwimmbad in der Coque auf dem Kirchberg Schwimmzeiten buchen konnte, während in Deutschland die Bäder geschlossen waren.

In den letzten Wochen vor der Challenge Roth sei der Respekt vor den 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren (die in Roth wegen einer Baustelle auf 170 Kilometer verkürzt wurden) und dem abschließenden Marathonlauf immer weiter gewachsen. „Zum Schluss hatte ich richtig Angst, ein Training ausfallen zu lassen“, gesteht Scherer. Die letzten 13 der insgesamt 215 Kilometer wurden dann auch richtig schwer. „Ich habe noch nie so gelitten“, sagt Scherer. Im Ziel habe er wohl so schlecht ausgesehen, dass ihm eine Infusion angeboten wurde. Die lehnte Scherer ab. „Ich habe halt eine halbe Stunde an meiner Cola genuckelt“, erzählt er. Dann ging es wieder.

 Johannes Scherer vom Mittelmosel-Triathlon-Team wurde bei den Deutschen Meisterschaften im Crossduathlon Trier Deutscher Vizemeister der Altersklasse M 35.
Johannes Scherer vom Mittelmosel-Triathlon-Team wurde bei den Deutschen Meisterschaften im Crossduathlon Trier Deutscher Vizemeister der Altersklasse M 35. Foto: Holger Teusch

Dass aus Scherer überhaupt ein Triathlet und nun auch ein Deutschen Vizemeister wird, war dabei nicht abzusehen. Anders als andere Jungen spielte er in seiner Jugend in Konz kein Fußball. „Ich bin Ballsport-Legastheniker“, sagt er lachend. Tennis habe funktioniert. Aber wohl vor allem, weil er einfach jedem Ball hinterhergelaufen sei. Da zeigte sich jedenfalls schon Scherers Ausdauer-Talent. Zum Triathlon kam er 2008 durch Kollegen bei der Polizei und nach Jan Frodenos Triathlon-Olympiasieg in Peking. Der Ausdauerdreikampf sei genau sein Ding, sagt Scherer, dass er damit seine Sportart gefunden hat.