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Schnee schonen im T-Shirt bei der Nordischen Ski-WM

Wintersport : Schnee schonen im T-Shirt

T-Shirt statt Winterjacke, Anfeuerung per Video statt Tausende Zuschauer, das Wetter und Corona machen die Weltmeisterschaft im Nordischen Skisport zu einer besonderen. Franz-Josef Ott aus Fell ist als Helfer in Oberstdorf.

(teu) So stellt man sich eine Weltmeisterschaft im Wintersport wohl nicht vor: „Ich laufe meist im T-Shirt rum“, erzählt Franz-Josef Ott lachend über sein bevorzugtes Outfit bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf im Allgäu. Frühlingshafte Temperaturen heben bei den meisten Volunteers wie dem 53-Jährigen aus Fell die Stimmung. Es ist irgendwie ein Wintermärchen bei 20 Grad im Schnee zu stehen.“, sagt der zwei Wochen lang bei der WM hilft. Denjenigen, die die Loipen präparieren müssen, steht allerdings der Schweiß auf der Stirn.

„Die haben hier ein Schneedepot“, erzählt Ott. So wird die weiße Unterlage für die Skilangläufer immer wieder präpariert. „Aber nachmittags ist der Schnee schon extrem sulzig“, erzählt Ott. „Da sinkt man 20 Zentimeter ein.“ Die Volunteers, die als Streckenposten eingeteilt sind, sollen auf das kostbare Weiß aufpassen. „Als wir die Strecke abgegangen sind, wurde gesagt, wir sollen hintereinander gehen, um den Schnee zu schonen“, erzählt Ott. Weil es tagsüber so warm wird, gebe es Zeitplanänderungen. „Es wird versucht in den Morgen zu verlegen, wenn es nicht so warm ist.“

Trotz der milden Witterung und den Corona-Einschränkungen, die unter anderem Zuschauer verbieten, es sei eine schöne Atmosphäre, berichtet Ott. Fast schon familiär. „Jeder grüßt jeden. Alle sind freundlich.“ Bei den Verantwortlichen spüre man aber die Anspannung.

Die Corona-Situation trage das ihre dazu bei. Ott war bereits als Streckenposten eingeteilt, aber auch bei der Einlasskontrolle. Nur mit gültigem negativen Corona-Test und korrekt sitzenden FFP2-Masken kommen Teilnehmer, Trainer, Betreuer und Helfer aufs Wettkampfgelände. Ott erlebte, dass die Ampel am Scanner, mit der die Akkreditierung überprüft wird, bei der mongolischen Nationalmannschaft auf Rot sprang. Sportler und Betreuer mussten zum Schnelltest, der auf dem Gelände durchgeführt werden kann. Die Zeit drängte. „Es war zehn nach zehn, als wir noch in Halle waren und um halb elf war der Start“, erzählt Ott. Als das negative Testergebnis vorlag, hatten die Sportler nur noch wenige Minuten Zeit.

Der Aufwand, der bei der Organisation der Ski-WM getrieben werde, sei extrem. „Es ist Wahnsinn, wie viele Leute im Einsatz und wo die alle herkommen“, erzählt Ott über seine Helferkollegen aus ganz Deutschland. Meist seien es Skisportfans jenseits der 50, aber auch Studenten. Manche hatten sich schon eineinhalb Jahre vor der WM als Volunteer beworben. Die einzelnen Helferteams bleiben fest zusammen. Eine Bezahlung gibt es laut Ott nicht. Unterkunft muss sich jeder selbst besorgen und bezahlen. Für alle WM-Beteiligte ist das Beherbergungsverbot aufgehoben. Das Ausrüstungsset, das alle Helfer bekommen, schätzt Ott auf einen Wert von 600 Euro.

Auch wenn er als Volunteer nicht so frei bewegen können und so viel mitbekommt, wie es ohne Corona der Fall gewesen wäre, ist Ott begeistert. Für die Stimmung werde viel getan. „Überall stehen die Pappmännchen“, erzählt er. Alle Helfer sind zudem vorab aufgefordert worden, vor einer weißen Wand ein Anfeuerungsvideo zu drehen. Die Akustik, die er aus dem Skistadion mitbekomme, sei gut - auch wenn der Applaus vom Band kommt.