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SIlvesterlauf
Lieber zum Silvesterlauf nach Trier als an den Strand

Hendrik Pfeiffer, Gesa Krause, Sylvia Mmboga Medugu, Rok Puhar starten am Sonntag beim Silvesterlauf in Trier.
Hendrik Pfeiffer, Gesa Krause, Sylvia Mmboga Medugu, Rok Puhar starten am Sonntag beim Silvesterlauf in Trier. FOTO: Holger Teusch
Trier. Beim Silvesterlauf in Trier gibt’s eine Premiere im Teilnehmerfeld: ein Läufer aus einem 18 000 Kilometer entfernten Land.

Malcolm Hicks ließ sich wegen des winterlichen Wetters lieber etwas Zeit mit der Anreise. Der erste neuseeländische Starter beim vom Trierischen Volksfreund präsentierten Bitburger 0,0% Silvesterlauf kommt erst an diesem Samstag aus seiner Europa-Basis Niederlande nach Trier. In Neuseeland könnte der 30-Jährige den Jahreswechsel  am Strand feiern.

Sportlich zieht es ihn aber ins 20 Grad kältere Trier - auch der heißen Stimmung wegen.
„Ich verpasse in Neuseeland einen herrlichen Sommer“, sagte er dem TV am Freitag am Telefon. „Aber mein Manager Leonard van Putten hat mir davon vorgeschwärmt - von der Stadt, ihrer Geschichte und vor allem vom Rennen.“ Van Putten hat in den vergangenen Jahren schon mehrfach Topläufer nach Trier vermittelt - und im Athleten-Hotel mitgefeiert, wie es diesmal Hicks tun wird.

Der Ingenieur aus Auckland arbeitet bei einem internationalen Unternehmen und ist froh, etwa die halbe Zeit des Jahres in den Niederlanden zu leben und zu laufen. „Ich arbeite in Europa, um die besten Straßenrennen in der Nähe zu haben“, erklärt er. Die Laufszene in Neuseeland mit seinen vier Millionen Einwohnern (entspricht trotz viel größerer Fläche etwa der Bevölkerung von Rheinland-Pfalz) ist überschaubar. Bei hochkarätigen Rennen startet Hicks in Europa oder fliegt nach Australien.
Rennen wie den Trierer Silvesterlauf würde sich auch Rok Puhar in seiner slowenischen Heimat wünschen. „Bei uns gibt’s leider keine Läufe mit einer solchen Konkurrenz“, bedauert der 24-Jährige. Seinen ersten richtigen Silvesterlauf lief er im vergangenen Jahr in Peuerbach (Österreich). Doch diesmal zieht es ihn nach Trier. „Die Strecke ist acht Kilometer lang und exakt vermessen. Ich liebe es, auf Zeit zu laufen. Und die Stimmung soll ja gigantisch sein“, sagt er voller Vorfreude.
Läufer aus 27 Nationen treffen sich am Sonntag beim 28. Bitburger 0,0% Silvesterlauf in Trier. Das ist Rekord.

Deutsche Starter sorgten in der Vergangenheit dreimal für Sensationen in Trier: angefangen vom Rostocker Olaf Dorow bei der Silvesterlauf-Premiere 1990 über den Mayener Thorsten Naumann beim Eislauf 1996 bis hin zum eingebürgerten Homiyu Tesfaye (Frankfurt) vor vier Jahren.
Dass die Strahlkraft des Trierer Jahresabschlusslaufs mittlerweile die ganze Welt umspannt, zeigen nicht nur Hicks und Puhar. Gefeiert werden die weitgereisten Sportler in den Elite- wie den Volksläufen - egal, ob sie weit vorne mitlaufen oder nicht.

 Yuki Kawauchi lief vor zwei Jahren in die Herzen der Zuschauer. Nicht, weil er dem damaligen äthiopischen Sieger Alew Haymanot hätte Paroli bieten können. Der Ruf des weltweit besten Marathon-Vielstarters mit den meisten Rennen unter 2:10 Stunden eilte Kawauchi voraus. Und seine Herzlichkeit brach jedes Eis. Auf seiner neunten, der Zusatzrunde, schien er sich bei jedem der mehr als 10 000 Zuschauer für die Anfeuerung zu bedanken.

Obwohl der leistungsmäßig betriebene Laufsport in Slowenien nur ein Nischendasein führt, trainiert Puhar mittlerweile professionell. Bei der Europameisterschaft in Berlin will der 24-Jährige, der sich langfristig Zeiten unter 2:10 Stunden zutraut, schon gut mitmischen. Der Silvesterlauf kommt für Puhar noch etwas zu früh, um ganz vorne mit dabei zu sein.
Nicht aber für Neuseeländer Malcolm Hicks. Viermal war der 30-Jährige nationaler Champion im Land von Meistertrainer Arthur Lydiard, der 17 Sportler zu olympischen Medaillen brachte. „Ich trainiere nach Lydiards Prinzipien. Er hatte sehr großen Einfluss auf den neuseeländischen Laufsport“, sagt Hicks.

Mit seiner erst in diesem Jahr aufgestellten 5000-Meter-Bestzeit von 13:37,31 Minuten und 7:58,58 Minuten über 3000 Meter werden ihn auch die Afrikaner auf der Liste haben. „Mein Ziel ist ein Platz auf dem Podium“, kündigt der „Kiwi“ selbstbewusst an.