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Silvesterlauf Trier 2022: Renndirektor Berthold Mertes über die Absage der Veranstaltung

Interview : Silvesterlauf Trier abgesagt - Wenn kurz vorm Ziel die nächste Virusvariante da ist

Der Bitburger-0,0%-Silvesterlauf in Trier ist abgesagt worden. Ganz ohne Zuschauer hätte sich der Charakter der Veranstaltung gewaltig verändert, sagt Mitbegründer und Renndirektor Berthold Mertes.

(teu) Berthold Mertes ist Mitbegründer des Silvesterlaufs in Trier. Der 58-Jährige hat die Veranstaltung seit den Anfängen mit dem in diesem Jahr verstorbenen Wolf-Dieter Poschmann moderiert. Als Renndirektor zeichnet der gebürtige Trierer für das Silvesterlauf-Marketing sowie die Athletenverpflichtungen verantwortlich. Er hat auch das vom Ordnungsamt genehmigte Durchführungs- und Hygienekonzept für den 32. Bitburger-0,0%-Silvesterlauf erstellt. Mertes spricht im TV-Interview über die Absage der Veranstaltung:

Ihr Verein hat lange am Silvesterlauf festgehalten. Zu lange?

MERTES Es ist immer der einfache Weg, den Kopf in den Sand zu stecken und nichts mehr zu veranstalten. Das ist aber nicht unser Weg. Unser Credo ist und bleibt es, das Beste aus der Situation zu machen. Und als wir nach drei erfolgreichen Veranstaltungen im Spätsommer (Anmerkung der Red.: Frauenlauf, Firmenlauf und Flutlichtmeeting) Anfang Oktober das Meldeportal für den Silvesterlauf öffneten, sprach nichts dagegen.

War es nicht dennoch naiv zu glauben, Corona sei vorbei?

MERTES Das haben wir nie geglaubt. Wie schnell aber ändert sich die Situation und das, was man daraus machen kann, ohne dass wir irgendeinen Einfluss darauf hätten. Der Deulux-Lauf beispielsweise hat im November in Langsur glücklicherweise fast ohne Einschränkung stattgefunden. Und Omikron hielt man damals eher für eine neue Cognac- oder Kaffeemarke als für eine Virusvariante.

Den nun seitens der Politik verordneten Zuschauerausschluss führen Sie in ihrer Begründung als Argument für die Absage an …

MERTES Wir hatten ohnehin einen etwas leiseren Silvesterlauf geplant. Richtig ist aber, dass sich ganz ohne Zuschauer der Charakter der Veranstaltung gewaltig verändert hätte. Für die vielen Spitzenathleten, die nach Trier kommen wollten, ist die Absage bitter, für uns als Veranstalter auch. Aber viel mehr noch tun uns die fast 500 Kinder leid, für die bereits die Startnummern vorbereitet waren. Angesichts der neuen, vom RKI aufgrund der Omikron-Variante dramatischen Prognose können wir unserer gesundheitspolitischen Verantwortung, die bei allen Planungen immer an erster Stelle stand, aber nur noch mit einer Komplettabsage gerecht werden.

Sind größere Sportveranstaltungen in der jetzigen Situation überhaupt verantwortbar?

MERTES Zur Bewältigung der Krise gehört für uns auch, für Bewegung und das Sporttreiben zu werben. Werte also, die in den Diskussionen über Inzidenzen und Virusvarianten zu kurz kommen. Die Wissenschaft empfiehlt übrigens nicht nur Kontaktbeschränkungen, sondern auch Bewegung an der frischen Luft für die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit. Veranstaltungen wie der Silvesterlauf sind dafür wichtige Motivationsfaktoren.

Wie war die Stimmung bei der Vorstandssitzung am Mittwoch?

MERTES Sehr bescheiden. Ein bisschen kommen wir uns vor wie Don Quijote bei seinem Kampf gegen die Windmühlen oder der Hase im Wettrennen gegen den Igel. Immer dann, wenn man glaubt am Ziel zu sein, ist die nächste Virusvariante schon da.