1. Sport
  2. Laufen

Tawerner feiert Ironman-Debüt unter Corona-Bedingungen in Spanien

Triathlon : Ironman-Debüt unter Corona-Bedingungen

Kein Triathlon, schon gar nicht über die Langdistanz in Corona-Zeiten? Stefan Fettes aus Tawern hat eine Nische gefunden und sein Debüt über die Ironman-Distanz in Spanien geschafft.

Es gibt in diesem Jahr doch noch Ausdauersportler, die trotz Corona ganz offiziell den Olymp des Triathlons erobern, die Ironman-Distanz. Stefan Fettes aus Tawern hat im Oktober sein Debüt über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und 42,195 Kilometer Laufen, die Streckenlängen des berühmten Triathlon-Urvaters auf Hawaii, erstmals im Wettkampf bewältigt. Dafür musste der 31-Jährige aber nach Spanien reisen. In Gandia, knapp 70 Kilometer südlich von Valencia, fand der Wettkampf statt, den man in dieser Art in Deutschland in diesem Jahr vergeblich suchte.

Und natürlich waren Vorbereitung und Rennen auf der iberischen Halbinsel nicht so, wie sich Fettes sein Debüt auf der Langdistanz erträumt hätte. „Besonders die Situation im Schwimmen war schwierig. Ich komme vom Radfahren und um die Technik einzuüben brauche ich das Training im Wasser“, erklärt er. Als er nach einem Vierteljahr Pause im Juni die Schwimmbäder wieder öffneten habe es sich angefühlt, als würde er wieder bei Null beginnen. Dafür legte der bei einem luxemburgischen Fahrradgeschäft arbeitende Fettes während des Lockdowns im Frühjahr so viele Kilometer auf zwei Rädern zurück wie noch nie. Sein Lauftraining musste er wegen Knieproblemen allerdings auch reduzieren. Auf mehr als 25 Kilometer kam er nie.

Also keine optimalen Bedingungen für den ersten Start über die legendären Distanzen. In der Summe sei war er aber zufrieden. Vor allem mit dem Schwimmen über zwei 1,9-Kilometer-Runden im Mittelmeer in der aufgehenden Sonne in 1:02:29 Stunden. Rad? „Hätte besser sein können“, sagt er über 4:52:58 Stunden in seiner Spezialdisziplin. Den abschließenden Marathonlauf habe er in 3:25:13 Stunden dann irgendwie hinter sich gebracht. In der Gesamtzeit von 9:28:01 Stunden belegte der letztjährige Rheinland-Pfaltz-Meister auf der Mitteldistanz den siebten Platz.

Musste das sein? Ein Langdistanztriathlon ausgerechnet in Spanien während der Corona-Pandemie? „Ich kann mir vorstellen, dass manche Leute es nicht gut finden“, sagt Fettes. Als er die Wettkampfreise plante, war die Infektionslage in Spanien wie in den meisten Teilen Europas noch entspannt. Anfang Oktober lag die Sieben-Tage-Inzidenz in der Region Valencia, die zuweilen als der spanische Corona-Musterschüler bezeichnet wird, noch unter 50 pro 100 000 Einwohner. Deshalb entschloss sich Fettes zur Anreise.

Die Spanier im Allgemeinen und die Triathlon-Veranstalter im Speziellen habe er als sehr genau bei der Auslegung von Corona-Regeln erlebt. „Die Spanier achten noch viel mehr darauf, als bei uns. Da rennt niemand ohne Maske rum“, schildert Fettes eine Eindrücke. Beim Einchecken zum Wettkampf wurde bei jedem Teilnehmer die Temperatur gemessen. Das dauerte wohl etwas länger, als die Organisatoren berechnet hatten. „Ich habe in der Schlange gestanden und gedacht, hoffentlich klappt das noch mit meinem Start. Ich hatte noch nicht einmal den Neoprenanzug an“, erzählt Fettes.

Der Start wurde aber um eine halbe Stunde verschoben. Fettes kam rechtzeitig. Ins Wasser gingen die rund 300 Teilnehmer paarweise im Abstand von zehn Sekunden. Beim Radfahren gilt sowieso Windschattenverbot, also Abstandsgebot. Und beim Laufen ist jeder Triathlet auf solchen Distanzen sowieso meist allein. „Außer die Verpflegung erinnerte im Rennen nichts an Corona“, sagt der für die TG Konz startende Fettes. Jeder Teilnehmer musste seine Riegel und Trinkflaschen vorher abgeben und an den einzelnen Servicestationen selbst greifen. Normalerweise reichen Helfer die Verpflegung an. Er habe durch diesen ungewohnten Ablauf wohl zu wenig Energie nachgetankt, vermutet Fettes.

Trotzdem: Glücklich, erstmals eine Triathlon-Langdistanz bewältigt zu haben kehrte Stefan Fettes nach Tawern zurück. Die Gefahr, dass er vollgepumpt mit Glückshormonen die Regeneration vernachlässigt, bestand nie. Denn erst einmal ging es in Quarantäne statt auf eine herbstliche Radtour durch den Saargau.