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Trierer Triathlet sitzt in Texas fest - Jens Roth simuliert Wewttkämpfe

Triathlet Tim Dülfer in Texas : „Ich würde gerne nach Hause!“

Eigentlich wollte sich Triathlet Tim Dülfer in den USA für die 70.3-Ironman-WM qualifizieren. Jetzt sitzt der 25-Jährige in Texas fest.

Eigentlich könnte es Tim Dülfer gut gehen. Der Ausdauersportler von Tri Post Trier kann bei gutem Wetter trainieren, konnte bis vor kurzem sogar schwimmen. Im privaten 25-Yard-Pool (knapp 23 Meter) in der Wohnanlage seines Onkels in New Braunfels Nahe San Antonio in Texas war noch Wassertraining möglich, als die öffentlichen Schwimmbäder bereits geschlossen waren. Die Triathleten in Deutschland beneideten ihn eine Woche lang. Mittlerweile ist auch Tim Dülfers Pool gesperrt. Aber Rad fahren und Laufen ist in Texas (etwa doppelt so groß und nur die Hälfte der Einwohner Deutschlands) trotz Corona-Krise weiterhin möglich. „Ich habe mir aber schon eine Laufrunde über die Wiese in der Wohnanlage überlegt, wenn die Ausgangssperre kommt“, sagt Tim Dülfer.

Das Virus hat auch Dülfers Trainingsidyll und seine Träume von der Qualifikation zur Ironman-70.3-Weltmeisterschaft als Profi zerstört. Bei einem College-Rennen über die Olympische Distanz an wollte er eigentlich in die Saison einsteigen. Anfang April später sollte der erste WM-Qualifikationsversuch auf der halben Ironman-Distanz stattfinden. Die Rennen, natürlich abgesagt. Da wohl noch mehr mögliche Qualifikationsrennen wegfallen werden, rückt die WM-Teilnahme in Tim Dülfers erstem Jahr mit Profilizenz in weite Ferne. „Aber das ist jetzt auch erst einmal nachrangig“, sagt er.

Als Tim Dülfer am 7. März in die USA reiste, war die Lage noch nicht so dramatisch. Einen Tag später fand in Trier noch unter weitgehend normalen Bedingungen der X-Duathlon von Tri Post Trier im Weißhauswald statt, den sein Vereinskamerad Jens Roth (siehe Extra) gewann. „Ich wäre nie nach Texas geflogen, wenn ich geahnt hätte, wie krass das wird“, sagt Tim Dülfer. Richtig bewusst wurde ihm das, als die USA das Einreiseverbot für Europäer verhängte. „Als ich Trump gesehen habe, als er erzählte, dass nun 30 Tage Einreiseverbot für Europäer bestehe, da habe ich gedacht: Das wird ernst.“

Natürlich ist Tim Dülfer in ständigem Kontakt mit Eltern und Freundin und verfolgt die deutschen und amerikanischen Medien. „Wenn man hier von der Sache hört, bekommt man richtig Angst“, sagt der Student der Erziehungswissenschaften. Die deutsche Berichterstattung lobt er im Vergleich als sachlich. Beklemmend sei, dass die riesigen Einkaufszentren in Texas innerhalb eines Tages leer gekauft wurden. An einem Morgen um sechs Uhr fuhr Tim Dülfer mit seiner Tante einkaufen. Abends gab es bereits Einlasskontrollen und nicht mehr alles. Munition werde wie verrückt gekauft. Mittlerweile müsste man die Lebensmittel bestellen. „So wie es aussieht, kann man aufgrund der hohen Nachfrage bei Bestellung am Dienstag erst die Woche drauf die Sachen abholen“, erzählt Tim Dülfer.

Beim Training fokussiert zu bleiben, fällt Tim Dülfer mittlerweile schwer. Aber der Sport lenkt etwas ab. „Ich kann noch trainieren, aber den anderen fällt die Decke auf den Kopf. Ich versuche jeden Trainingsmeter zu genießen.“ Getretene Wattzahlen und Laufgeschwindigkeit verlieren an Bedeutung.

Was den Athleten, der mit dem PSD Bank Team Tri Post Trier in den vergangenen Jahren Bundesliga-Aufstieg und -Klassenerhalt schaffte, allerdings immer beschäftigt ist die Heimreise. „Ich habe immer im Kopf: Ich muss noch mal fliegen“, erzählt Tim Dülfer. „Ich würde einfach gerne nach Hause“, sagt er. Gebucht ist sein Rückflug für den 22. April.