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Leichtathletik
Vom Herzinfarktpatienten zum Weltmeister

Der ehemalige Herzinfarktpatient Karl-Heinz Schröder von der LG Pronsfeld-Lünebach wurde bei der Senioren-WM 2018 in Malaga Weltmeister mit der deutschen Geher-Mannschaft der 75- bis 79-Jährigen.
Der ehemalige Herzinfarktpatient Karl-Heinz Schröder von der LG Pronsfeld-Lünebach wurde bei der Senioren-WM 2018 in Malaga Weltmeister mit der deutschen Geher-Mannschaft der 75- bis 79-Jährigen. FOTO: Holger Teusch
Malaga. Der 75-jährige Karl-Heinz Schröder von der LG Pronsfeld-Lünebach gewann bei den Senioren-Weltmeisterschaften der Leichtathleten im spanischen Malaga mit der deutschen Geher-Mannschaft Gold. Von Holger Teusch

Vor einem Jahrzehnt hätte sich Karl-Heinz Schröder das nicht zu träumen gewagt: Die Goldmedaille um den Hals kehrte der Rommersheimer gestern von der Leichtathletik-Senioren-WM aus Spanien heim. „Das war eine große Überraschung. Man weiß ja nie, wie so ein Rennen ausgeht“, sagt der Rentner. Überraschend ist der Medaillengewinn aber auch angesichts von Schröders Vorgeschichte.

Denn vor knapp zehn Jahren war an sportliche Höchstleistungen bei dem Bauingenieur nicht zu denken. „2009 erlitt ich einen Herzinfarkt und habe drei Stands gesetzt bekommen“, erzählt er. Sein Arzt habe ihm anschließend gesagt, er solle sportlich aktiv werden. Schröder nahm sich den Ratschlag im wahrsten Sinne zu Herzen, auch wenn der Anfang mühsam war: „Ich bin 200 Meter gelaufen, dann war ich fertig und konnte nicht mehr.“

Doch der Familienvater und Opa dreier Enkelkinder gab nicht auf. Immerhin war er zeitlebens manchmal mehr, mal weniger, aber fast durchgehend sportlich. Zunächst spielte er Fußball. Mit 23 ging Schröder nach Trier zum Studium und arbeitete später beim Straßenbauamt in Gerolstein. Vom großen Leder- sattelte er auf den kleinen Zelluloid-Ball um. Mehr als 20 Jahre lang führte er die Tischtennis-Spielern in der Eifel als Regionsvorsitzender.

Diese sportlichen Aktivitäten zahlten sich trotz aller Anlaufprobleme auch nach seinem Herzinfarkt aus. Schröder machte schnell Fortschritte. „Nach einem Jahr bin ich schon Marathon gelaufen“, erzählt er. Die klassischen 42,195 Kilometer sind auch seine Lieblingsdisziplin. Weil die LG Pronsfeld-Lünebach, der sich Schröder angeschlossen hat, aber eine Geher-Hochburg ist, trat er bei der Senioren-Weltmeisterschaft in dieser olympischen Disziplin auf der Zehn-Kilometer-Strecke an. Das zahlte sich aus. Zusammen mit dem Berliner Wolf-Dieter Giese und dem Aachener Peter Schumm gewann Schröder die Mannschafts-Goldmedaille vor Italien. „Das hätte ich mir ja nicht zu träumen gewagt“, erzählt der Seniorensportler aus der Eifel. „Wenn man da oben auf dem Treppchen steht und die Hymne hört, ist das schon was Besonderes. Das geht ans Gemüt. Es schon schon auch ein paar Tränen geflossen.“

Eine Stunde, 26 Minuten und 45 Minuten benötigte Schröder für die zehn Kilometer unter den Augen der strengen Gehrichter. Nach der WM ist für ihn aber vor dem Marathon. Am 7. Oktober will er in Köln starten. „Das ist mir eigentlich lieber, weil man nicht bei jeden Schritt auf die Technik achten muss.