1. Sport
  2. Laufen

Weltklassezeit: Kimeli hebt nach Sieg beim Hillesheim Invitational

Hillesheim : Weltklassezeit: Hillesheim-Sieger Kimeli hebt ab (Fotos)

Vizeeuropameister Isaac Kimeli hat das Sparkassen Invitational Hillesheim mit seiner Siegerzeit von 13:16,99 Minuten zum bisher schnellsten 5000-Meter-Rennen des Jahres in Deutschland gemacht. Lokalmatador Samuel Fitwi musste seinen Start kurzfristig absagen.

Am Ende entschwebten Mariya Mazurenko und Isaac Kimeli in einem knallroten Heißluftballon über die historische Stadtmauer und die Dächer von Hillesheim hinweg in die Abenddämmerung. Wenige Minuten zuvor hatte der Belgier mit 13:16,99 Minuten beim Sparkassen Invitational genannten Läuferabend die beste 5000-Meter-Zeit seit fünf Jahren auf deutschem Boden erzielt. Zuletzt war beim weltältesten Leichtathletik-Sportfest Istaf in Berlin Asienmeister Birhanu Balew aus Bahrain sechs Sekunden schneller (13:11,00). Damals wohlgemerkt beim teuersten deutschen Leichtathletik-Meeting mit einem Millionenetat und im Berliner Olympiastadion!

Das kennt auch Kimeli von den Europameisterschaften 2018. Hillesheim, hundert Mal weniger Einwohner als Berlin und nach Angaben von Invitational-Mitorganisator Jörg Ullmann rund 400 Zuschauer als der fast 80.000, die ins Berliner Olympiastadion passen, ist aber nicht unter der Würde des 28-Jährigen. „Ich laufe gerne in Deutschland“, sagt Kimeli. Dass man im Nachbarland auch als Weltklasseläufer die Siegprämie nicht nebenbei mitnehmen kann, weiß der zweimalige Gewinner des Trierer Silvesterlaufs (2018 und 2019) nur zu gut.

 Zahlreiche Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet feuerten ihre ukrainische Landsfrau Mariya Mazurenko auf dem Weg zum Sieg beim Sparkassen Invitational Hillesheim an.
Zahlreiche Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet feuerten ihre ukrainische Landsfrau Mariya Mazurenko auf dem Weg zum Sieg beim Sparkassen Invitational Hillesheim an. Foto: Holger Teusch

Das galt auch in Hillesheim! Seb Anthony, kurz zuvor von Vulkaneifelkreis-Landrätin 800-Meter-Rheinlandrekordler der LG Vulkaneifel (LGV) mit britischem Pass, führte das zwölfköpfige Starterfeld im A-Lauf in 2:41,42 Minuten über den ersten Kilometer. Maßarbeit! Beim zweiten Tempomacher Lawi Kosgei konnte man den Eindruck gewinnen, er ziehe für seinen kenianischen Landsmann Vincent Kiprotich Kibet das Tempo an, um die Spurtstärke des ehemaligen belgischen 1500-Meter-Meister Kimeli zu schwächen. Der zweite Kilometer wurde in 2:38,39 Minuten gelaufen. Nach 3000 Metern war die Spitzengruppe aber wieder exakt auf Kurs (8:02,86).

Als auch der zweite Tempomacher aus dem Rennen ging, versuchte Kibet mit dem schnellsten Kilometer des Rennens (2:36,55) noch einmal Kimeli zu zermürben. Vergeblich! Der Belgier mit kenianischen Wurzeln (siehe Portrait) sprintete Kibet davon. „Das war schwerer, als gedacht“, gab Kimeli zu. „Es war eigentlich mehr als Training gedacht, aber als Vincent nach vorne gegangen ist, musste ich noch einmal richtig Gas geben.“ Hinter dem Zweitplatzierten (13:17,93) klaffte eine halbminütige Lücke zum Portugiesen Samuel Barata (13:47,06). Bester Deutscher war in 14:19,51 Minuten der Berliner Fabian Clarkson.

 Hartes Los für Samuel Fitwi (rechts): Der Lokalmatador von der LG Vulkaneifel fuhr zwar zusammen mit dem späteren Sieger Isaac Kimeli ins Stadion ein, musste seinen Start beim Sparkassen Invitational Hillesheim wegen noch nicht abgeklungener Achillessehnen-Beschwerden absagen, um seinen EM-Start nicht zu gefährden.
Hartes Los für Samuel Fitwi (rechts): Der Lokalmatador von der LG Vulkaneifel fuhr zwar zusammen mit dem späteren Sieger Isaac Kimeli ins Stadion ein, musste seinen Start beim Sparkassen Invitational Hillesheim wegen noch nicht abgeklungener Achillessehnen-Beschwerden absagen, um seinen EM-Start nicht zu gefährden. Foto: Holger Teusch

Diese Position hätte Samuel Fitwi gerne übernommen. Dann natürlich mit einer Zeit im mittleren 13-Minuten-Bereich. Doch der Lokalmatador musste am Freitagmorgen, zwölf Stunden vor dem Start, seinen Verzicht erklären. „Ich bin sehr, sehr enttäuscht“, erklärte Fitwi. Die letzte Behandlung bei DLV-Arzt Dr. Jens Enneper in Köln hatte noch nicht ganz so angeschlagen, wie erhofft. Das Risiko, mit einer Rennbelastung die lädierte Achillessehne so sehr zu reizen, war einfach zu groß. Saisonhöhepunkt soll im August die Europameisterschaft in München werden. Fitwi hat als mit 28:08,83 Minuten zur Zeit drittschnellster Deutscher gute Aussichten auf einem Start im Olympiastadion von 1972.

Ohne selbst die Spikes schnüren zu können blieb dem LGV-Läufer nur, die Wettkämpfer nach ihren Rennen mit Getränken zu versorgen. Vor allem dem sogenannten B-Lauf hatte der 26-Jährige alle Hände voll zu tun. 20 Starter boten den Zuschauern ein spannendes Rennen. Zunächst sah es so aus, als ob der ehemalige Deutsche Halbmarathonmeister Moritz Beinlich aus Kaisersesch und der Niederländer Mojalefa Kloprogge den Sieg unter sich ausmachen würden. Doch auf dem letzten Kilometer stürmte der junge Luxemburger Gil Weicherding an dem Duo vorbei. Um 37 Sekunden auf 14:40,57 Minuten verbesserte sich der nationale Meister der Großherzogtums über 3000 Meter Hindernis. Kloprogge (14:44,09) verwies Freizeitläufer Beinlich (14:44,43) auf den dritten Platz. „Ich habe bis heute Nachmittag noch gearbeitet. Das merkt man schon auf der Bahn. Das ist schon knallhart“, erzählte der 25-Jährige, der im mittelständischen Familienbetrieb seiner Eltern in Ulmen für den Einkauf zuständig ist.

Besonderen Applaus bekam Mariya Mazurenko. Die Ukrainerin gewann das Frauen-Rennen in 16:32,11 Minuten vor Tine Hausmann vom LT Schweich (18:49,81).

 Zahlreiche Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet feuerten ihre ukrainische Landsfrau Mariya Mazurenko auf dem Weg zum Sieg beim Sparkassen Invitational Hillesheim an.
Zahlreiche Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet feuerten ihre ukrainische Landsfrau Mariya Mazurenko auf dem Weg zum Sieg beim Sparkassen Invitational Hillesheim an. Foto: Holger Teusch

„Wenn man die Jungs Mädels sieht, wie sie Bestzeiten laufen, das ist einfach toll“, sagte Yannik Duppich, selbst erfolgreicher Läufer, Trainer von Samuel Fitwi und zusammen mit Jörg Ullmann Initiator des Hillesheim Invitational. Dass Fitwi, für der Läuferabend eigentlich ins Leben gerufen wurde, nicht starten konnte, tat Duppich und Ullmann natürlich weh. „Aber wir sind stolz, welche Unterstützung wir haben. Wenn es nach uns geht, können wir das langfristig weitermachen“, so Ullmann.

 Tine Hausmann vom LT Schweich durfte sich beim Sparkassen Invitational Hillesheim über den zweiten Platz im Frauenrennen freuen.
Tine Hausmann vom LT Schweich durfte sich beim Sparkassen Invitational Hillesheim über den zweiten Platz im Frauenrennen freuen. Foto: Holger Teusch

Ergebnisse:

 Läuferabend-Mitorganistor Yannik Duppich (rechts) ließ es sich nicht nehmen, selbst eine Runde im LGV-Allstar-Team beim Sparkassen Invitational Hillesheim zu laufen.
Läuferabend-Mitorganistor Yannik Duppich (rechts) ließ es sich nicht nehmen, selbst eine Runde im LGV-Allstar-Team beim Sparkassen Invitational Hillesheim zu laufen. Foto: Holger Teusch

Frauen, 5000 m: 1. Mariya Mazurenko (Ukraine) 16:32,11 Minuten, 2. Tine Hausmann (LT Schweich) 18:49,81, 3. Sara Kamzela (Mainz) 18:51,34.

Männer, 5000 m A-Lauf: 1. Isaac Kimeli (Belgien) 13:16,99 Minuten, 2. Vincent Kiprotich Kibet (Kenia) 13:17,93, 3. Samuel Barata (Portugal) 13:47,06, 4. Sander Vercauteren (Belgien) 14:16,49, 5. Fabian Clarkson (Berlin) 14:19,51, 8. Benjamin Dern (LAZ Birkenfeld/U 20) 14:39,26. B-Lauf: 1. Gil Weicherding (Luxemburg) 14:40,57, 2. Mojalefa Kloprogge (Niederlande) 14:44,09, 3. Moritz Beinlich (Kaisersesch/LG Rhein-Wied) 14:44,43, 13. Andreas Theobald (PST Trier) 16:20,69, 14. Finn Willars (LG Vulkaneifel) 16:54,37.

 Hallen-Vizeeuropameister Isaac Kimeli aus Belgien (vorn) machte mit seiner Siegerzeit von 13:16,99 Minuten das Sparkassen Invitational Hillesheim zum bisher schnellsten 5000-Meter-Lauf des Jahres in Deutschland.
Hallen-Vizeeuropameister Isaac Kimeli aus Belgien (vorn) machte mit seiner Siegerzeit von 13:16,99 Minuten das Sparkassen Invitational Hillesheim zum bisher schnellsten 5000-Meter-Lauf des Jahres in Deutschland. Foto: Holger Teusch

alle Ergebnisse