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Zusammen 150 Jahre alt und kein bisschen (lauf-)müde

Fitness : Zusammen 150 Jahre alt und kein bisschen (lauf-)müde

Mit Ausdauersport halten sich Albert Thiex und Karl-Heinz Schröder seit Jahren fit. Die gemeinsame Bewegung bedeutet ihnen aber mehr als nur körperliches Training.

Es ist schon ein erstaunliches Duo, das da mindestens einmal pro Woche gemeinsam auf dem Radweg nahe Prüm unterwegs ist. Auf 150 Lebensjahre kommen Albert Thiex (72) aus Merlscheid und Karl-Heinz Schröder (78) aus Rommersheim zusammen. Und mindestens so viele Kilometer legen die beiden Senioren von der LG Pronsfeld-Lünebach jeden Monat laufend und gehend zurück. „Wir begegnen häufig Spaziergängern, die uns aufmunternde Kommentare nachrufen, wie zum Beispiel: So fit möchte ich in dem Alter auch noch sein! Oder: Ihr werdet sicher noch 100 Jahre alt!“, erzählt Thiex und ergänzt: „Das genießen wir dann auch.“

Der Sport ist für Schröder und Thiex ein Lebenselixier. Körperlich, weil sie ihre Rente fit genießen können. Selbst während der Corona-Zeit standen einige Reisen auf dem Programm. Immer auch sportlich geprägt: Alpentouren oder im vergangenen Herbst eine Fernwanderung von Starnberg nach Füssen über 125 Kilometer in acht Tagen.

Mehr als zuvor war der gemeinsame Sport an der frischen Luft in der Pandemie mental wichtig. Als soziale Kontakte eingeschränkt waren, war wichtig, „dass wir uns über Gott und die Welt unterhalten haben“, sagt Schröder. Wenn die Senioren trainieren, wird „nicht gerannt“. Das Tempo bewegt sich meist im Wohlfühl- und Quasselbereich.

Was nicht heißt, dass Schröder und Thiex nicht auch sportlich ambitioniert sind. „Wettkämpfe sind das Salz in der Suppe“, sagt der Ältere der beiden. Und Thiex ergänzt: „Ziele zu haben ist in jedem Alter wichtig und gibt auch einen Teil der Motivation, bei jedem Wetter raus zu gehen und zu trainieren.“ Etliche Marathon- und Zehn-Kilometer-Läufe in der Region, aber auch schon in Berlin oder New York haben die beiden laufend absolviert. Ein weiteres Steckenpferd: das olympische Gehen. Thiex kam durch eine Laufverletzung zu der oft verachteten Disziplin. Der Reiz ist nicht nur, möglichst schnell zu sein, sondern auch der Nervenkitzel: „Ist meine Technik gut genug, um vor den Gehrichtern zu bestehen“, erklärt der 72-Jährige, der bedauert, dass das olympische Gehen auszusterben droht. Bis zu 500 Kilometern fährt er zu den nur noch rar gesäten Wettbewerben.

Während Thiex bereits in den 1970er Jahren mit Anfang 20 zu laufen begann („Damals waren wir Exoten.“), ist Schröder ein Späteinsteiger. Erst als 65-Jähriger kam der ehemalige Kettenraucher zum Laufen. Nach einem Herzinfarkt 2009 wurden ihm drei Stands eingesetzt und sein Arzt riet ihm, zu joggen. Das war zunächst mühsam: „Am Anfang bin ich 200 Meter gelaufen und war dann fertig“, erzählt Schröder. Aber er blieb dran. Nicht nur die klassischen 42,195 Kilometer, sogar die mehr als 50 Kilometer zählende Ultra-Distanz beim Eifelmarathon absolvierte Schröder mittlerweile.

Wie er das geschafft hat? Das meiste spiele sich im Kopf hab, erklärte Schröder vor einigen Jahren. Man müsse einen festen Willen haben. Und hilfreich sind ein Trainingspartner wie Albert Thiex und eine Trainingsgruppe wie bei der LG Pronsfeld-Lünebach, um dem inneren Schweinehund ab und zu ein Schnippchen zu schlagen.