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Schlammschlacht beim Autocross in Krautscheid

Motorsport : Fauchende Blechbüchsen

Autocross in Krautscheid ist immer ein ganz besonderes Spektakel. Vor allem dann, wenn der Himmel über dem Islek zeigt, wozu er fähig ist.

Das Rennen durch und mit dem Schlamm ist nichts für Weicheier. Eher was für hartgesottene Jungs und Mädchen in fliegenden, driftenden und lautstark kreischenden speziellen Sportgeräten hinter vergittertem Blick auf die Eifeler Außenwelt. Mit Amazonen, die den fälschlicherweise oft als „starkes Geschlecht“ titulierten Piloten am Wochenende beim Saisonfinale der Südwestdeutschen Meisterschaft in Krautscheid ein ums andere Mal um die Ohren gefahren sind. Der kleine Ort, etwa 30 Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Bitburg in Richtung Grenze gelegen, stellte einmal mehr unter Beweis, dass er zu Recht als das „Mekka der Autocrosser“ gilt.

Eigentlich ist der Titel „Südwestdeutsche Meisterschaft“ irreführend. Ausrichter des Championats mit Rennen in Frankreich, Luxemburg, Ostbelgien ist aber die SWASV, die Südwestdeutsche Autocross-Vereinigung. Die Besten und Verwegensten dieses Verbands trafen sich am Wochenende zum heißen Rodeo im Islek in der nordwestlichen Eifel und zeigten ihre Künste. Allen Widrigkeiten zum Trotz und bestaunt von Hunderten am Rand der Naturarena in den Krautscheider Laachen, einer Talsenke unmittelbar hinter dem Dorf.

Wer glaubt, dass Autocross eine Art lizensierter Zerstörungswut ist, der irrt. Gefahren wird nach einem festen Regelwerk. Karambolagen sind, im Gegensatz zu sogenannten Stockcar-Rennen nicht erlaubt. Die Südwestdeutsche Autocrossmeisterschaft besteht schon seit über 20 Jahren. Auch in Krautscheid wurde an beiden Tagen nach einem festen Zeitplan und Programm gefahren: Vorläufe am Samstag, Hauptläufe, Finalläufe und Superfinale am Sonntag.

Horst Klasen, der Vorsitzende der SWASV, ist einer der „Ankertürme“ des Cross-Sports. „Autocrossrennen sind Sprintrennen. Da gilt es für jeden Fahrer und jede Fahrerin sofort, volle Attacke zu fahren. Ein Abwarten oder Taktieren gibt es da nicht.“ Wichtig sei: „Wir befinden uns im Offroadbereich. Das unterscheidet uns von Rennen auf Teerbelag. Wir fahren, wenn es staubt. Und wenn es mal nicht regnet, dann muss die Strecke bewässert werden. Auf diejenigen, die diesen Sport ausüben, kommen also ganz andere Herausforderungen zu.“

Tilo Endres, Sprecher Veranstaltergemeinschaft aus zwei Vereinen, erklärt das Engagement in der Eifel: „Wir tragen seit vielen Jahren Saisonauftakt und Saisonfinale aus. Wir fahren in 16 unterschiedlichen Klassen, die wiederum in Gruppen unterteilt sind. Nach dem Ausscheidungsprinzip kommen die Besten bis in die Finals.“

Ganz stolz sei man darauf, dass man Jugendklassen habe, in denen der Nachwuchs Gelegenheit hat, diesen Sport zu erlernen. Ein Mindestalter von zehn Jahren müsse man haben, um erstmals in den Crosssport auf vier Rädern reinzu- schnuppern.

Die SWASV, sagen beide, habe sich zu einer der beliebtesten und anspruchsvollsten Meisterschaften in ganz Europa herauskristallisiert. „Unsere Serie fährt hauptsächlich in Benelux und im Rheingau. Mit drei 180-Grad-Kurven ist der Kurs hier in Krautscheid einer der schwierigsten, die es überhaupt gibt. Wir hatten hier am Wochenende über 200 Starterinnen und Starter.“ Auch Teilnehmer aus der Schweiz waren zum ersten Mal dabei.

Für sie alle ist Krautscheid das absolute Highlight in einer Motorsportart, die ihre ganz speziellen Tücken, aber auch viele Anhänger hat.

(jcb)